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Arthur Kirkland (Al Pacino) ist ein Anwalt, der an das Gerechte glaubt und deshalb die Konventionen des Gesetzes häufig in Frage stellt. Er gerät deshalb unter anderem mit Richter Henry T. Fleming (John Forsythe) aneinander. Dieser wird im weiteren Verlauf aber selbst angeklagt (wegen Misshandlung) und ordert paradoxerweise eben den Protagonisten Arthur zu seiner Verteidigung. Daneben hat einer von Arthurs Anwaltskollegen psychische Probleme, seine Mandanten bringen sich um, sein Großvater verliert im Altenheim seinen Verstand und seine Freundin arbeitet in einem Untersuchungsausschuss der Justiz und schaut deshalb Arthur auf die Finger, was ihn ab und zu ankotzt.

Hier handelt es sich um einen von Pacinos unbekannteren Filmen, was ob seiner Nominierungen für Oscar und Golden Globe leicht verwundert. Der Protagonist stellt auf eine gewisse Art ein Äquivalent zu "Serpico" dar, weil Pacino jeweils einen sturen, an das Gute glaubenden Menschen mimt. Die Melodramatik dominiert bei "...und Gerechtigkeit für alle" aber ein ganzes Quentchen mehr, denn auch die anderen Figuren sind arg einschichtig. Vor allem Richter Fleming verkalkt in seinen harschen Ansichten des Rechts und auch wenn man wenigsten an seiner Orientierung im Film ab und an ins Grübeln kommt: Am Ende bleibt er der Böse.

Leider gehen jegliche Ambitionen, den Film unterhaltsamer zu gestalten, an der viel zu trockenen Art zu Bruch. Das Ableben zweier Mandanten des Protagonisten definiert zwar durchaus dessen Charakter ein kleines Stückchen genauer, aber spätesten beim überflüssig-sinnlosen Helikopterflug merkt man, dass bei diesem Streifen ein guter Darsteller verloren geht. Die Story ist arm an Höhen und wird von zu vielen Kleinigkeiten zerrupft. Selbst ein richtiger Abschluss fehlt; als Pacino am Ende nämlich noch mal kurz auf der Treppe sitzt, wirkt das arg plump und die Story wurde noch nicht mal richtig beendet. Die sporadischen Besuche des Protagonisten bei seinem Großvater im Altenheim sowie das Techtelmechtel mit der leidlich süßen Tussie sind hart an der Grenze zum Überfluss.

Glücklicherweise ist der Film aber nicht nur schlecht: Positiv ist auf jeden Fall Pacinos Leistung zu bewerten (natürlich schränkt in die Rolle ein, aber er holt noch ausreichend raus). Dann schafft er es auch tatsächlich mal, den Zuschauer mitzureißen, wie bei Pacinos Besinnung zur Gerechtigkeit bei der letzten Verhandlung. Überhaupt dürften Justizfreaks leichter über die Schwächen in der Charakterentwicklung hinwegsehen können. Darüber hinaus bemüht sich der Film ja auch um eine gewisse Authentizität (erstickt deshalb aber wiederum im trockenen Justizsetting).

Insgesamt bleibt ein Streifen, den man sich einmal ansieht und dann auf Ewigkeit ignoriert. Pacino zum Trotz langweilt die arge Melodramatik und die Story versucht erst gar nicht, hier irgendwas zu kompensieren. Die staubtrockene Inszenerung gibt einem den Rest.

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