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Oha, hier will aber einer mit aller Macht zum Platzhirsch untern den Schlangenschockern aufsteigen. Denn „Anaconda" war - trotz oder gerade wegen des charmanten Trashfaktors - die gefühlte Nummer Eins auf dem Schlangen-Sektor. Schauspielerisch dabei durchaus solide, eine hübsche Dschungelatmosphäre und ein respektables Reptil konnten den Genrefan durchaus zufrieden stellen.

Das kann man von „Pythons 2" leider nicht behaupten, auch wenn man bei der Hauptdarstellerin ordentliche Geschütze aufgefahren hat. Das Vieh ist immerhin um ein mehrfaches länger als die Anaconda aus dem Busche. Dabei zischt sie nicht, was eigentlich auch zu einem Monsterexemplar gepasst hätte, sondern fabriziert eigenartige Brüllgeräusche, die eher nach einem hungrigen Löwen klingen. Außerdem absolut ärgerlich, dass eine wichtige Regel für einen Tierhorrorfilm sträflich missachtet wird, die da heißt: Lasse das Vieh nicht gleich in voller Pracht auf den Zuschauer los, sonst ist beizeiten Essig mit der Spannung. Doch leider sieht man bereits nach wenigen Minuten, wie ein Trupp Russen das mehr schlecht als recht animierte Schuppentier aus seinem Versteck kitzelt. Das russische Militär muss natürlich von einem erfahrenen Amerikaner angeführt werden. Okay, die Amis wollen die Schlange warum auch immer haben und trauen dem ehemaligen Klassenfeind wohl eine so gefährliche Safari nicht zu, dennoch eine peinliche Zurschaustellung des amerikanischen Überlegenheitsdenkens.

Überhaupt belustigen die Russen immens. Denn neben den hohlen Dialogen - die die Amis natürlich auch drauf haben, so einseitig dumm wird's dann doch nicht - haben sie ein derartig starken Klischeeakzent aufgedrückt bekommen, das man sich wegschmeißen könnte. Auch die russische Nadia ordnet sich diesem Bild unter, und als Ausreisewillige - sie träumt zumindest von einem Leben im güldenen Amerika - trägt sie auf ihrem Shirt die Amiflagge spazieren und mir wird das erste Mal so richtig schlecht. Und spätestens jetzt fragt man sich auch, wie sie überhaupt die Freundin eines amerikanischen Ex-Baseballspielers sein kann. Was der mit der Story zu tun hat? Na, der wird von mysteriösen Typen als Kurier engagiert, das Vieh für lumpige 100.000 Dollar in seinem Laster zu transportieren. Warum nun gerade ein Zivilist damit beauftragt wird? Nun fragt bitte nicht nach Logik, die findet man nämlich nicht, die ist irgendwo vergraben auf einem militärischen Gelände, wo die zwischendurch ausgebüchste Schlange untergekrochen ist. Wer wusste das eigentlich von den Beteiligten? Ach ja, und eine zweite Schlange im gleichen Format ist - woher weiß der Teufel - dann auch noch dazugekommen, doch leider verdoppelt das nicht die Qualität des Filmes.

Dabei denkt man als Zuschauer, dass hier durchaus Potenzial für einen gelungenen Tierschocker vorhanden gewesen wäre. Das militärische Areal wirkt in seiner Verlassenheit unheimlich, die weiteren Figuren sehen finster drein und am Schluss gibt es sogar ein paar beeindruckende Explosionen. Doch bis dahin quält sich der Zuschauer durch einen langweiligen Mittelteil, in der ein Haufen orientierungsloser Knallchargen durch dunkle Gänge irrt, ab und an mal dezimiert wird, entweder durch die Schlangen oder durch einen Typen, der erst später seine wahren Absichten offen legt. Doch das kann für einen spannenden Abschluss auch nicht mehr reichen und für einen gelungenen Horrorfilm erst recht nicht. Das haben wohl auch die Filmbosse so gesehen, jedenfalls ist Regienovize MacConnell seitdem wieder abgetaucht und ward nicht mehr gesehen. Ist vielleicht auch besser so.

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