Der elterliche Horror
„Ghoul“ ist auf den ersten Blick ein weiterer „Kinder“-Grusler im Fahrwasser von „Stranger Things“ oder „Summer of 84“. Oder wenn man weiter zurück geht von „The Monster Squad“, „Stand By Me“ oder „The Gate“. Nur für das Fernsehen produziert, mit wesentlich kleineren Mitteln und ohne größere Namen. Guckt man jedoch genauer hin, hinter die leichte 80er-Comicfan-Fassade, die hier wirklich nur noch als das bezeichnet werden kann, kommt ein extrem düsteres und mit schwersten Themen hantierendes Horrordrama zu tragen, bei dem die Kinder nahezu allesamt von ihren Eltern drangsaliert werden - von Vernachlässigung über Alkoholismus und Gewalt bis zu sexuellem Missbrauch…
Auch in vielen der oben genannten Vorbildern und Vergleichen spielt elterliches Versagen oft eine Rolle. Hier ist es jedoch meiner Meinung nach absolut nicht nur Subtext sondern Kern der Sache. Und das ist bockstark. Klar gibt es da auch noch eine Ghoul, ebenfalls mit tragischer Hintergrundgeschichte. Doch das Hauptaugenmerk ist ganz klar auf den Kids, ihrem ganz realen Horror, den Horroreltern, die uns leider allen (und sei es nur vom Hörensagen) nur allzu bekannt und echt vorkommen. Trinker, Vergewaltiger, Leute, die nie Bock darauf hatten Eltern zu sein. Und dass sich ein Film wie „Ghoul“ dermaßen schonungslos mit solchen Themen beschäftigt und hinter seine Kids stellt, ihnen ihre angebrochenen Rücken versucht zu stärken, gebührt absolut mein Respekt. Und da verzeiht man dann das Minibudget und die ein oder andere technische sowie optische, schauspielerische sowie geschichtliche Schwäche deutlich eher. Erst recht wenn man seine TV-Historie in die Einschätzung mit einbezieht. Und noch interessanter wird’s, wenn man sich sein „Baujahr“ anguckt - jip, 2012, weit vor der Retrowelle und den Kids aus Hawkins!
Fazit: dieser TV-Grusler kommt über seine echt heftigen Themen - und das erstaunlich konsequent und hart! Da verzeiht man leicht den arg beschränkt-billigen Look.