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Pünktlich zum 25. Jahrestag der Erstveröffentlichung produzierte Weiterführung der Inspector Morse Saga vom anderen Ende und anderem Medium her, basierend auf den Romanen des britischen Autoren Colin Dexter, dessen Mystery and Other Stories ab 1987 bis einschließlich 2000 in über dreißig Adaptionen und Inspirationen verfilmt wurde. Während die Idee des Charakters mehr oder minder indirekt und eher als Verweis im spin-off von Inspector Lewis weitergeführt wurde, und dort auch bereits über eine zusätzliche Aufstückelung diskutiert wird, ist Endeavour der große Schritt zurück an den Beginn; die Vorgeschichte und ersten Taten und Erfahrungen des damals noch als Detective Constable die Sporen Verdienenden:

1965. Trotz Überlegung, bereits in jungen Jahren und nach kurzem Dienst die Karriere in der Carshall Newton Police wieder an den Nagel zu hängen, nimmt DC Endeavour Morse [ Shaun Evans ] an den Ermittlungen zum Verschwinden des Schulmädchens Mary Tremlett teil. Dabei erregen sowohl Marys Freund Miles Percival [ Harry Kershaw ] als auch ihr Tutor Dr. Rowan Stromming [ Richard Lintern ], ausgerechnet der Ehemann seiner heimlichen Bewunderung, der sich zur Ruhe gesetzten Sängerin Rosalind Stromming [ Flora Montgomery ] sein Aufsehen. Zusätzlich wird die nur zögerlich voran schreitende Detektivarbeit von den Augen DS Arthur Lott [ Danny Webb ] immer wieder argwöhnisch und lästernd beobachtet, vom höher gestellten DI Fred Thursday [ Roger Allam ] allerdings noch und gegen den Ratschlag seiner Kollegen unterstützt. Bald tun sich Abgründe in der Gesellschaft um Oxford, einschließlich ihrer Polizisten und Politiker auf.

Die Prequel - Gestaltung, vom Schriftsteller zur jetzt sogenannten "Oxford - Trilogie" autorisiert, ermöglicht dabei in geschickter Weise die erneute Belebung einer mittlerweile zur Institution gewordenen Figur und kann zumindest in dieser Pilotfolge, die unlängst zu Fortsetzungen und somit festem Bestandteil akquiriert wurde, auch eine weitere prägnante Komponente englischer Krimikunst mit besonderer Note beifügen. Denn anders als die Figur, die zwar bereits den Grundinstinkt für Beobachtung, Wahrnehmung, Nachforschung, Verhör und Hartnäckigkeit im Ansatz entwickelt, aber noch nicht zur vollständigen Reife oder gar auch der erforderlichen Sturheit und dem Gewinn der sicheren Routine gefestigt hat, ist die filmische Produktion auf sicherem Gebiet, zumindest was die Ausgestaltung selber angeht fundamentiert. Im Auftrag ITV, dem traditionellen Mutter- und Hauptkommerziellen Sender gefertigt und so in enger Verwandtschaft zu dem sowieso für Krimis in Spielfilmform und längerer Reihe bekannten Ausstrahlungsprogramms gesetzt, verbindet man hier eher anerkannt Ausgewiesenes im neuen Gewand, als das man sich grundsätzlich in Testphasen ergeht. Der Schritt zurück in die Epoche der Sechziger statt der aktuellen Gegenwart ist dabei ebenso wenig Risiko wie die Betrachtung einer (einst) populären, heute eher für die Älteren der Zuschauer noch greifbaren Person. Vielmehr als Sonderdividende zu sehen, wird durch den Kontakt zu bereits Bewährtem und der Erfrischung im Neuanfang und Wiedereinsetzung gleichsam die Erinnerungen, die Restaurierung dieser und zudem noch fröhliches Urständ eines weiteren Erzählstranges gefeiert.

Grundsätzlich mit akklimatisierten Konstanten wie dem sich gegen Missstände stemmenden Inspector, des schmierigen, korrupten, anderweitig hinterhältig agierenden Sergeant, des noch grün hinter den Ohren seienden Constables und dieser Gemeinschaft an konventionell widerstreitenden Subjekten besetzt, ist auch das Casting entsprechend einprägsam und die Konstellation auf den ersten Blick klar. Geeignet für zwischenzeitlich Neugierige, Neueinsteiger, aber auch passionierte Ratefüchse mit englischer Bibliothek wird die Geschichte erst in Puzzles und Kurzeindrücken und dann in der gemächlichen Aufklärung mit viel Sachkenntnis im Weitblick formuliert. Vor allem das Setting ist wie im künstlichen Koma versetzt: Dunkle Pubs, tiefgrüne Wälder, starre Vereinbarungen in den Bürokratien sowohl von Universität als auch Polizei, alte oder gesetzte, zumindest aber reife Männer, blutjunge, erst noch heranwachsende Frauen bzw. Mädchen in der beginnenden Reifezeit, dazu einiges Mysteriöses an espionage des Kalten Krieges und seiner heimlichtuerischen Struktur.   

Ebenso, wie Morse hier an den Ursprung seiner Jugend und an noch sattsam empfindliche, gleichzeitig schöne, vergangene, noch bittersüß schmerzvolle Andenken zurückkehrt, so ist auch diese Folge mehr Retrospektive und dadurch auch synchron wieder Progress; am Ende gar mit direktem Bild- und Tonverweis auf den gealterten, dem Zuschauer bekannten und liebgewonnenen Morse. Zwischen Anbiederung, Sicherstellung, vergangene Zeiten mit neuen Augen gesehen; geistig beweglich, etwas schwermütig, etwas alt- und/oder neunmalklug, auch durchaus vorausschaubar, und so sicherlich nicht risikofreudig im Extrem. Die volle Season von vier Langspiel-Episoden wurde nach den überragenden Einschaltquoten von 8.2 Mio. Zuschauern bereits bestellt und befindet sich im Dreh.

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