Achtet mal darauf: Wenn im Horrorfilm innerhalb der ersten fünf Minuten bereits blank gezogen oder gar Geschlechtsverkehr betrieben wird, ist der weitere Verlauf oftmals totaler Murks. Und tatsächlich liefert die hübsche Darstellerin Katie Keene den einzig sehenswerten Schauwert, indem sie splitterfasernackt unter die Dusche schlüpft, während die minimale Geschichte seit gefühlten 100.000 Terrorfilmen rein gar nicht mehr zünden will.
Tricia (Katie Keene) und ihr Verlobter Jeff (John Shartzer) begeben sich im kalifornischen Wüstengebiet auf die Suche nach Onkel Vern (Ezra Buzzington), der in der Geisterstadt Lost Lake übersinnliche Erscheinungen wahrgenommen haben will. Dort angekommen und von Vern herzlich begrüßt, nimmt das junge Paar im verlassenen Supermarkt tatsächlich ein paar merkwürdige Dinge wahr, doch dann tritt der wahre Schrecken zum Vorschein...
Autor und Langfilmdebütant Marcus Nash standen gerade einmal 450.000 Dollar Budget zur Verfügung, was nicht unbedingt auf die Qualität des Streifens schließen lassen muss.
Denn als das Paar (nach kurzer Einführung und dem obligatorischen Warner beim Zwischenstopp) in Lost Lake ankommt, überzeugt zunächst die verlassene Stadt in der Mojave-Wüste: Die Häuser sehen auf den ersten Blick seit langem verlassen aus, einige sind bereits zu Ruinen verfallen, während überall ein wenig Müll herumliegt und untermauert, dass hier schon ewig niemand mehr gelebt haben dürfte.
Als Katie schließlich eine alte Frau mit Mundschutz auf der Straße erblickt, verstärkt dies ihre Überzeugung von übersinnlichen Erscheinungen, welche auch ihr Onkel teilt. Doch mit den Geistererscheinungen war es das bereits, da sich der nahende Terror von langer Hand ankündigt und anbei wenig überrascht, wer oder was eine Hatz auf das junge Paar eröffnet.
Das größte Manko ist hierbei die unausgegorene Geschichte, die irgendwo zwischen Dämonen in einer Geisterstadt und unerklärlicher Besessenheit unter der Wüstensonne schwankt. Es kommen Fragen auf, die im Verlauf nicht eindeutig geklärt werden, die Anekdote von einer Hexe wird zusehends unter den Teppich gekehrt und während der Terror aufgrund der Location zu einem spannenden Versteckspiel einladen würde, laufen die potentiellen Opfer schnurstracks breite Straßen entlang, anstatt das Potential der Inventare in den Häusern zu nutzen.
Mal abgesehen von ausbleibender Spannung ist die Ausleuchtung im letzten Drittel katastrophal, so dass nur mit Mühe erahnt werden kann, was überhaupt vor sich geht. Darüber hinaus ist nahezu kein Score wahrnehmbar, die Konfrontationen beschränken sich auf kurze Hiebe mit Machete und Schaufel und so erhalten Splatterfreunde nicht mehr als zwei abgetrennte Fingerspitzen. Doch damit nicht genug, denn zum Showdown wird eine weitere Wendung ins Spiel gebracht, welche allenfalls durch die Ausstrahlung des Ortes erklärbar ist, auf rein logischer Verständnisbasis jedoch schon lange keinen Sinn mehr ergibt.
Schwache Mimen, eine sehr durchwachsene Synchro und zahlreiche narrative Ungereimtheiten kommen letztlich nicht mehr gegen die verlassenen Häuser der Geisterstadt an, welche zumindest im ersten Drittel ein wenig spooky Atmosphäre schüren können.
"Lost Lake" liefert inhaltlich zu wenig, nutzt die Möglichkeiten der eigentlich genialen Lokalität kaum aus und kommt mit minimalistischem Terror um die Ecke, welcher im Halbdunkel der Wüste in totaler Nichtigkeit versandet.
Zu wenige Konfrontationen, kaum Mitfiebern, von den Erscheinungen auf Geisterebene ganz zu schweigen, - ein unausgegorener Streifen, den man als Horrorfreund problemlos auslassen kann.
3 von 10