ACHTUNG! SPOILER!
Prolog:
„Dies ist die Geschichte von morgen, oder auch übermorgen. Die Geschichte der Männer einer Weltraumstation, die als riesiges Rad 1600 Kilometer von der Erde entfernt im All schwebt, gehalten ven dem Wechselspiel von Anziehung und Fliehkraft. Diese Station, die alle zwei Stunden einmal den Erdball umkreist, dient einem doppelten Zweck: Einmal als Beobachtungsposten und zum anderen als Startplatz für Raumschiffe zur Erforschung anderer Planeten und zum entscheidenden Vorstoß: Zur Eroberung des Weltalls!"
CONQUEST OF SPACE ist beseelt vom Geist der 50er Jahre, von der Idee des Aufbruchs in eine neue Zeit, in neue Dimensionen. Einhergehend mit der Befreiung des Menschen von seinen irdischen Fesseln, mit seinem Schritt in die Unendlichkeit des Alls, findet sich auch die unendliche Erweiterung seines Intellekts. Der Mensch, der, Gott gleich, zum Himmel hinauffährt, einem Himmel, in dem Gott nicht zu finden ist, muss seine tradierte Vorstellung vom Schöpfer neu definieren. Konsequent wird deshalb hier das All und der Mars zu einem, im wahrsten Sinne des Wortes, gottlosen Raum erklärt: „Uns geschieht ganz recht, das Gott das Schiff verflucht hat." - „Blödsinn. Was du sagst hat auf der Erde Gültigkeit, aber nicht im Weltraum, Millionen Meilen von der Erde weg. Nur Gott lässt Bäume wachsen...Na, und? Wo ist einer? Hier wächst doch nichts, weder Strauch noch Gras!" Erst der Mensch ist in der Lage, durch mitgebrachte Samenkörner, Leben auf dem Planeten entstehen zu lassen.
CONQUEST OF SPACE wird getragen von einem unerschütterlichen Fortschrittsglauben, der sich gegen alle Anfechtungen, gegen alle Rückschläge behauptet und der sich letztlich als der einzig richtige Weg herausstellt. Der Film erzählt vom Sieg der Ratio über die Spiritualität. Aber er erzählt auch, in einer sehr profanen, semi-dokumentarischen Art über einen Flug zum Mars und von einem ganz gewöhnlichen, um nicht zu sagen: stereotypen, Vater/Sohn Konflikt. Dieser Konflikt aber ist gleichzeitig auch der Konflikt zwischen Fortschritt (Jugend) und Reaktion (Alter).
Der Vater, Samuel Merritt, ist General, eine resolute Vertrauensperson, die keinen Widerspruch duldet. Sein Sohn Barney ist ihm unterstellt und hat zu gehorchen. Dieses Machtgefälle äußert sich auch in der Tatsache, dass Barney seinen Vater immer „Sir" oder „General" nennt, während Merrit seinen Sohn in der Regel mit dessen Vornamen anspricht. Als Barney seinem Vater eröffnet, dass er zur Erde versetzt werden möchte, reagiert dieser mit völliger Ablehnung. Er, der Erbauer der Raumstation, möchte sein Lebenswerk weitergeführt sehen: „Du bist mein Sohn! Dein Erbe ist das Weltall!" (!)
Ist Merritts Ablehnung des Fluges zum Mars zunächst noch von eher rationellen Überlegungen geprägt („Ich opfere nicht das Leben meiner Männer für eine Idee, die mir nicht einleuchtet.") so werden diese Skrupel im Verlauf des Fluges immer mehr von religiös begründeten, irrationalen Vorbehalten verdrängt. In diesem Kontext verweist dann auch der Name „Samuel Merritt" auf den zweischneidigen Charakter der Figur. Während sich der dem Alten Testament entlehnte Name des Propheten Samuel (hebräisch = von Gott erhört) auf die spirituelle Seite der Figur bezieht, verweist andererseits der Nachname „Merritt", abgeleitet von „merit", also dem Verdienst, der verdienten Persönlichkeit, auf den geachteten und rational denkenden General. Schließlich steigert sich Merritt, der während des Fluges fast nur noch in der Bibel liest, in einen religiösen Wahn, in dem er rationalen Argumenten nicht mehr zugänglich ist. Auch Barneys Einwand: „Das Universum sollen wir Menschen erschließen!" kann den General nicht umstimmen. Merritt ist überzeugt: „Uns Menschen gehört nur die Erde, sonst nichts. Dieser Vorstoß auf den Mars ist eine Art Blasphemie. Unser Vorhaben ist die größte Gotteslästerung."
Bei der Landung auf dem Mars, die Merritt mit den Worten: „Wir landen nicht. Wir haben kein Recht dazu!" verhindern will, ist es sein Sohn, der rational und kühl handelt, seinen Vater überwältigt und das Raumschiff sicher landet. Damit hat Barney den entscheidenden Schritt getan und die Position und Verantwortung seines Vaters übernommen. Dass er schließlich seinen Tod mitverursacht, ist nur die letzte, konsequente Auflösung des Konflikts. Alles, was dem Fortschritt, dem neuen Denken, im Wege steht, hat letztlich keine Überlebenschance. Doch erst, als durch Barneys Einsatz der Start zur Erde gelingt, wird seine neue Führungsposition auch von den anderen Besatzungsmitgliedern akzeptiert. Zunächst wurde er von einigen als Mörder angesehen, der vor ein Kriegsgericht gehört.
George Pal, der 1950 mit dem Film „Destination Moon" erstmals versuchte, einen Flug zum Mond möglichst realistisch darzustellen, hatte mit CONQUEST OF SPACE wohl eine Fortsetzung dieses Films im Auge. So hat er die nüchterne Schilderung des Aufbruchs ins Weltall hier weitgehend beibehalten. Anders als in den meisten Space-Operas und Invasions-Filmen der 50er Jahre taucht hier weder ein grässliches Monster noch irgendwelche Aliens auf. Der Mensch ist allein im All.
Pal sah sich im Übrigen gezwungen, aufgrund von Budgetkürzungen und Änderungen am Drehbuch durch die Verantwortlichen bei Paramount, viele seiner ursprünglichen Ideen fallen zu lassen. Zuvor waren schon mehrere Autoren an einer Adaption des Ausgangsmaterials für ein Drehbuch gescheitert. Das schließlich verwendete Buch von James O'Hanlon ist wohl der größte Schwachpunkt des Films.Abgesehen von den Figuren Samuel und Barney Merritt, deren Charaktere zumindest halbwegs durchdacht sind, auch wenn sich die innere Wandlung des Generals vom linientreuen Militaristen zum spirituell argumentierenden Zweifler, der in Konsequenz auch vor Sabotage nicht zurückschreckt, doch etwas zu unvermittelt vollzieht. Die Nebenfiguren kommen dagegen kaum über ein rudimentäres Persönlichkeitsbild hinaus. Da auch die meisten Darsteller nicht gerade ihren besten Tag hatten, erscheint die ganze Mannschaft der angeblich hochspezialisierten Astronauten eher wie ein Haufen tumber Nichtskönner. Wenig erbaulich ist auch der vorherrschende militaristische Tonfall von Befehl und Gehorsam, der aber typisch ist für Genre-Filme aus dieser Zeit. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, war es in der berüchtigten McCarthy-Ära immer wieder das Militär, welches in vielen SF-Filmen bereitstand, um die Menschen vor außerirdischen Eindringlingen zu schützen, um das All zu erobern oder um überhaupt (ob gefragt oder ungefragt) die Verantwortung für allerlei weltbewegende Entscheidungen zu übernehmen.
In visueller Hinsicht ist CONQUEST OF SPACE sicher einer der schönsten SF-Filme aus den 50er Jahren überhaupt. In strahlenden Technicolor-Farben hat SpE-Veteran John P.Fulton hier wahre Wunder auf die Leinwand gezaubert, auch wenn diese nicht in jedem Moment makellos sind. So stören an manchen Stellen flackernde Matte-Linien die Illusion und die Proportionen der Modelle sind oft nicht stimmig. Obwohl die Spezialeffekte von vielen Kritikern über die Jahre mit viel Hohn und Spott bedacht wurden, so sind und bleiben diese doch beeindruckend. Zweifellos haben zahlreiche danach entstandene Filme von diesem Bilderreichtum profitiert. Auch die Ausstatter haben hervorragende Arbeit geleistet und Räume gestaltet, die heute noch beeindrucken, auch wenn vieles inzwischen natürlich anachronistisch wirkt.
Nicht nur wegen der mangelhaften SpE wurde der Film von der Kritik durchgängig gescholten, ignoriert und verrissen, sondern auch wegen des Drehbuchs (zu Recht) und der Darsteller. In vielen Büchern über das Science-Fiction-Kino taucht das Werk erstaunlicherweise gar nicht erst auf oder wird nur mit ein paar Zeilen bedacht. Damit wird man dem Werk, das auch an der Kinokasse floppte, aber kaum gerecht. Der inkonsistente Status des Films kommt in folgendem Statement recht gut zum Ausdruck:
„THE CONQUEST OF SPACE is by no means a towering cinematic masterpice, but it is a minor classic of its genre, and a neglected one." **
Die deutsche Fassung des Films wurde im Juli 1955 uraufgeführt und besticht durch eine hervorragende, atmosphärische Synchronisation die von der Berliner Synchron GmbH erstellt wurde. Zu den deutschen Sprechern zählen u.a. Siegfried Schürenberg, G.G.Hoffmann, Gerd Martienzen, Friedrich Joloff und Herbert Stass.
Auf einer Raumstation, irgendwann in der Zukunft. Unter der Leitung von Colonel Samuel Merritt (Walter Brooke), bereitet sich ein Teil der Besatzung physisch und psychisch auf einen Flug zum Mond vor. Wenige Tage vor dem geplanten Start wird Merritt zum General befördert und erhält zugleich neue Order. Das Ziel der Mission soll nun der Mars sein. Trotz seiner Bedenken bezüglich der Notwendigkeit und der Erfolgsaussichten einer solchen Mission, erklärt sich Merritt bereit, den Flug zu wagen. Er stellt seine Mannschaft zusammen, zu der auch sein Sohn Barney (Eric Fleming) gehört. Barney hatte eigentlich darum ersucht, wieder zur Erde versetzt zu werden, da er kürzlich geheiratet hat und er seinen Platz an der Seite seiner Frau sieht. Er beugt sich aber dem Willen seines Vaters. Schon bald ist das Raumschiff mit Kurs auf den Mars unterwegs. Als eine Antenne des Schiffs ausfällt, versuchen die Astronauten Imoto (Benson Fong) und Fodor (Ross Martin) in einem Einsatz außerhalb des Schiffs den Schaden zu beheben. Während der Arbeiten taucht ein riesiger Asteroid in der Flugbahn des Raumschiffs auf. Im letzten Moment kann eine Kollision verhindert werden, aber Fodor kommt durch „Meteoritensplitter" ums Leben. Durch diesen Vorfall wird Merritt in seiner Ablehnung der Mission weiter bestärkt und schließlich kommt er zu der Überzeugung, dass sich ihr Vorhaben nicht mehr mit dem Willen Gottes vereinbaren lässt. Da aber ein Abbruch der Mission nicht mehr möglich ist, versucht Merritt die Landung auf dem Mars zu sabotieren. Sein Sohn Barney kann im letzten Moment eine Katastrophe verhindern und das Schiff sicher landen. Kurz darauf betreten die Astronauten die Oberfläche des roten Planeten. Merritt bleibt allein an Bord zurück. Während die Mannschaft den Planeten erkundet, sabotiert General Merritt die Trinkwassertanks des Raumschiffs. Barney eilt zum Schiff zurück, um seinen Vater, der inzwischen völlig einem religiösen Wahn verfallen ist, zur Räson zu bringen. Der General schießt auf seinen Sohn und es kommt zu einem Handgemenge, in dessen Verlauf sich ein weiterer Schuss löst, der den General tödlich trifft. Samuel Merritt wird auf dem Mars beigesetzt. Im Zuge ihrer Experimente haben die Raumfahrer inzwischen festgestellt, dass der Planet durchaus fruchtbar ist und sich zur Urbarmachung durch den Menschen eignet. Nach einem langen Aufenthalt auf dem Mars nähert sich der Zeitpunkt für den Rückflug, als es unverhofft zu einem kurzen Beben kommt, wodurch die Rakete in Schräglage gerät und ein Start unmöglich wird. Erst dank Barneys energischem Handeln gelingt es, durch mehrfache Zündung der Triebwerke, die Rakete wieder aufzurichten. Nicht ohne noch einmal des Generals Samuel Merritt zu gedenken, dem „...Eroberer des Weltalls", machen sich die Astronauten auf den Heimflug...
**R.Kinnard: „A new Look at an old Classic", Fantastic Films, Vol.2, No.2 , Seite 53
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