Review

Eingängiges wie bewegendes Jugenddrama, für welches Robin Williams sicherlich zurecht den Oscar erhielt.
Ort der Handlung ist ein Internat für Jungen und ein erzkonservatives noch dazu: Kontakt mit dem anderen Geschlecht ist weitestgehend untersagt, die Lehrpläne streng und der Einfluss der Eltern auf die Laufbahn ihrer Sprösslinge immens. Im Gegenzug gilt das Internat als eine der besten College-Vorbereitungen und so muss stellt sich (wie häufig im Jugenddrama) die Frage: Was ist besser? Persönliche Freiheit oder Vorbereitung auf die große Karriere?
Eine Wahl hat die bunte Schülerriege allerdings nicht. Selbst Freizeitaktivitäten müssen sie aufgeben, wenn ihre despotischen Eltern eingreifen. Währenddessen lernt der Zuschauer die Schüler erst mal kennen und gewinnt einen Einblick in die Charaktere – noch lange bevor John Keating (Robin Williams), der neue Englischlehrer, aufkreuzt. Denn „Club der toten Dichter“ legt erfreulich viel Wert auf alle seine Charaktere, während ja viele andere Robin Williams Filme darauf komplett auf ihren Hauptdarsteller zugeschnitten waren.

Keating, selbst Absolvent des Internats, ist jedoch ein erfrischend unkonventioneller Lehrer, der die Schüler zum eigenen Denken und Verwirklichen der eigenen Ideen überreden will. Doch dies beißt sich natürlich mit der erzkonservativen Attitüde seiner Vorgesetzten und führt zu Komplikationen...
Um es gleich vorwegzunehmen: Die Geschichte von „Club der toten Dichter“ ist nicht unbedingt ein Musterbeispiel für Originalität. Der unkonventionelle Fremde, der sich gegen das alte System wehrt und für gesunden Menschenverstand plädiert – derartige Geschichten gibt es wie Sand am Meer. Doch „Club der toten Dichter“ ist eine sehr gelungene Variation dieses Plots, der zudem weitaus weniger kitschig als diverse andere Varianten endet: Der Schluss ist nicht sonderlich erbaulich, viele Charaktere haben etwas verloren – und lediglich ein kleiner Hoffnungsschimmer glimmt auf, um den Zuschauer versöhnlich zu stimmen.
Gleichzeitig erfreut der Film auch durch seine sehr bewegende Machart. Mit viel Herz schildert Regisseur Peter Weir die ganz normalen Nöte der Jugendlichen: Hoffnung auf Selbstverwirklichung (auch gegen den Willen des Vaters), Suche nach Anerkennung, Liebeskummer usw. Meist steht jeder aus der kleinen Schülerclique, die den „Club der toten Dichter“ bildet, exemplarisch für ein Problem, aber jeder geht es mit Keatings „Carpe diem“-Attitüde an und versucht so damit fertig zu werden. Dank Weir einfühlsamer Erzählweise erlebt man dann Freud und Leid zusammen mit den sehr glaubwürdigen Charakteren, denn auch wenn die Geschichte des Films nicht unbedingt innovativ ist, so kann er vor allem eines: Den Zuschauer bewegen.

Doch so ergreifend „Club der toten Dichter“ auch ist, kleine Schwachpunkte tun sich trotzdem auf. So werden einige Erzählstränge nicht wirklich konsequent zu Ende erzählt, sodass man am Schluss doch noch gerne mehr erfahren würde, z.B. ob der unglücklich verliebte Schüler nun endgültig erhört worden ist. Da kann auch die bewegende „Captain, mein Captain“-Szene am Ende trotz ihrer Intensität nicht drüber hinwegtäuschen, dass man gern noch mehr wissen möchte. Andrerseits ist es auch eine Leistung des Films, wenn der Zuschauer nach rund 2 Stunden Laufzeit immer noch mehr sehen möchte.
Schauspielerisch ist „Club der toten Dichter“ zudem tadellos. Robin Williams spielt den Lehrer mit dem richtigen Mix aus Dramatik und Komik, wirkt nie zu ernst oder zu klamaukig und zeigt, dass seine Performance zurecht mit dem Oscar geadelt wurde. Die Jungdarsteller, darunter auch Ethan Hawke, müssen sich aber nicht hinter dem Hauptdarsteller verstecken, denn auch ihr Spiel ist erste Sahne. An den Nebendarstellern (u.a. ein mal wieder herrlich mürrischer Kurtwood Smith) kann man auch nicht herummotzen, sodass „Club der toten Dichter“ schauspielerisch durchweg überzeugt.

So bleibt ein nicht unbedingt innovativer, aber sehr fesselnder und vor allem bewegender Jugendfilm, der vor allem durch die Leistungen von Regie und Schauspielern punktet. Gegen Ende bleiben leider einige Fragen unbeantwortet, weshalb „Club der toten Dichter“ nur 7,5 Punkte bei mir einfährt.

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