"Der Club der toten Dichter" ist ein sehr poetischer Film mit vielen versteckten, aber auch offensichtlichen Botschaften über das Leben.
Die Privatschule Hellton ist mit ihren vier Grundprinzipien Tradition, Disziplin, Exzellenz und Ehre in dem Amerika der Fünfziger Jahre eines der am höchsten angesehenen Internate des ganzen Landes. Eltern, die von sich behaupten können, ihr Kind gehe auf diese Schule, sind alleine darauf schon sehr stolz, prahlen damit und setzen ihr Kind so natürlich enorm unter Druck. Die Schüler sind einer sehr strengen Lernatmosphäre ausgesetzt und dürfen sich im Gebäude schon fast kein Lächeln mehr leisten. Die Lehrer sind altmodisch und vermitteln mit langweiligem Unterricht uninteressanten Stoff. Der gute Ruf des Internats und der Leistungsdruck, unter dem die Schüler stehen, lässt ein bisschen Spaß nicht zu. Der strenge Gehorsam und die unfreundliche Atmosphäre im Internatsgebäude, die man im entfernten Sinne mit einer Art Gefängnis vergleichen könnte, wurden sehr schön eingefangen.
Licht am Ende des grauen Tunnels sehen die fünf mitten in der Pubertät steckenden Freunde Knox, Neil, Charlie, Todd und Richard (oft auch Cameron genannt) in ihrem Englischlehrer Mr. Keating, dessen Unterrichtsmethoden sich deutlich von den anderen Lehrern unterscheiden. Er versucht den Schülern den Zauber der Poesie spüren zu lassen. Sein außergewöhnlicher Unterrichtsstil bringt Frische in das trostlose Internat - Da werden dann schonmal Seiten aus Schulbüchern herausgerissen oder man steigt auf Tische, um "die Welt aus einer anderer Perspektive zu sehen". Mr. Keating ist es auch, der schließlich der Auslöser ist, dass Knox, Neil, Charlie, Todd und Cameron den Club der toten Dichter gründen.
Die Botschaften des Filmes werden von Mr. Keating, der immer wieder gerne ein Zitat in die Runde wirft, an den Mann gebracht. Das berühmte "Carpe Diem" ("Nutze den Tag" oder "Seize the day") wird beim Wort genannt und stellt Keatings Lebensphilosophie dar. Er versucht seinen Schülern die Augen zu öffnen, dass sie sich beispielsweise nicht alles von ihren Eltern vorschreiben lassen sollten. Sie sollen mit ihrem eigenen Kopf denken, denn sie sind schließlich alle individuelle Persönlichkeiten. Deutlich wird in Keatings Aussagen aber auch, dass das Handeln sehr weit oben steht und man sollte damit nicht zu lange warten. Träume und Wünsche zu realisieren und einfach nur glücklich sein ist vielleicht die Antwort auf die immer wieder kehrende Antwort der Menschen nach dem Sinn des Lebens.
Keatings wichtigstes Mittel, dies den Schülern und vielleicht sogar den Zuschauern zu vermitteln, bleibt immer die Poesie. Neben Zitaten verwendet er auch viele Gedichte wie unter anderem Robert Frosts "The Road Not Taken", in dem es um einen Wanderer geht, der vor einer Weggablung steht und sich nun für einen Weg entscheiden muss. Dieser als Metapher getarnten Situation begegnen wir täglich in unserem Leben. Entscheidungen zu fällen ist ein wichtiger Teil unseres Lebens und er gestaltet sich nicht immer leicht. Folgt man Keatings Worten "Gehe den am wenigsten betretenden Weg" in Bezug auf Robert Frosts Gedicht, so wird klar, dass man offen und mutig für Neues sein soll. Die Schüler versuchen dies auch in die Tat umzusetzen, sowie Knox, der Mut beweist, indem er seiner großen Liebe seine Gefühle in einem Gedicht gesteht.
Die Probleme der Jugendlichen, wie eben mit der Liebe oder den Eltern, nehmen einen doch größeren und bedeutenden Part ein, als sich anfangs vermuten lässt. Dies zeigt das schmerzhaft tragische Ende doch recht deutlich.
Die überwiegend jungen Schauspieler wissen zu überzeugen. Im Mittelpunkt stehen natürlich die fünf Freunde, die den Club der toten Dichter gründen und sich später fragen müssen, ob in ihren Reihen auch von wahrer Freundschaft die Rede sein kann. Robin Williams in der Rolle als Mr. Keating macht eine besonders beeindruckende Figur. Die Freude seines Filmcharakters am Lehrerberuf kommt prima rüber und außerdem ist sein Charme und seine Ausstrahlung hier wohl unvergleichlich.
"Der Club der toten Dichter" ist ein sehr anspruchsvolles Filmwerk, dessen Kunst dicht an den Kitsch grenzt, diesen ganz eindeutig aber nicht erreicht. Trotzdem wird der Film mit Sicherheit nicht jedem gefallen, denn Popcornunterhaltung bietet und ist er nicht. Die Worte sind es, die hier faszinieren und in den Bann ziehen können. Der eine oder andere nimmt vielleicht ein wenig von diesem Film mit auf seinem Weg durchs Leben, das viele Entscheidungen bereithält, die getroffen werden müssen. Dabei sollte man seinem Herzen folgen und nicht vergessen, dass Leben zu genießen... (8+/10 Punkten)