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Es ist ein schrecklicher Anblick, mit dem "Sinister" beginnt. Vier gefesselte Menschen mit vermummten Köpfen werden gleichzeitig durch einen großen, herabfallenden Ast, der zuvor angesägt wurde, hochgezogen und erhängt. Man sieht noch ihre Zuckungen, bis diese endgültig erlahmen. Die Qualität des kurzen grobkörnigen Films ist schwach, von einer Super 8 Kamera gefilmt, aber für Elison Oswalt (Ethan Hawke) bedeutet er eine große Chance.

Die erfolgreiche Zeit des Kriminalautors, der sich realen, ungeklärten Fällen annimmt und diese zu entschlüsseln versucht, liegt schon mehr als 10 Jahre zurück, weshalb er mit seiner Familie in das Haus gezogen ist, in dessen Garten die Eltern und zwei ihrer Kinder starben - nur die kleine Tochter wurde verschont, blieb aber seitdem verschwunden. Der Sheriff (Fred Dalton Thompson) reagiert wenig erfreut auf die neuen Bewohner, deren Anwesenheit er als Einmischung in die Polizeiarbeit ansieht. Auch Elisons Frau Tracy (Juliet Rylance) und ihre Kinder Trevor (Michael Hall D'Addario) und Ashley (Clare Foley) wären gerne an ihrem früheren Wohnort geblieben, akzeptierten aber seinen Wunsch, in der Nähe des Tatorts zu wohnen, um besser recherchieren zu können. Das sie sich unmittelbar an dem Ort befinden, an dem die Familie starb, ahnen sie nicht, denn Elison wagte es nicht, es ihnen mitzuteilen.

Überzeugend gelingt es "Sinister" die Situation eines Mannes aufzubauen, der erheblich unter Druck steht. Es ist kein Druck von Außen - auch seine Frau kritisiert an ihm vor allem, das er sich zu wenig Zeit für seine Familie nimmt - sondern das Gefühl des persönlichen Versagens. Obwohl ihn seine Familie unterstützt, verkörpert Hawke hier einen psychisch einsamen Mann, weshalb es nachvollziehbar ist, das er Niemanden informiert, als sich innerhalb des Hauses zunehmend unerklärliche Dinge ereignen. Schon am ersten Abend, als er auf dem Dachstuhl einen großen Skorpion - ein in dieser Region normalerweise nicht vorkommendes Tier - mit einer dort herumstehenden Kiste tötet, findet er zufällig darin einige Super 8 Filme mit harmlosen Aufschriften und den dazu gehörigen Projektor.

Als er sich die Filme in seinem Arbeitszimmer ansieht, findet er nicht nur die Aufzeichnung des Todes der früheren Bewohner des Hauses, sondern auch anderer Familien, die grausam ermordet wurden. Diese Filme erinnern in ihrer Qualität an die mit der subjektiven Kamera gedrehten Aufnahmen von "Blair Witch Projekt", nur eine weitere Ebene hinzunehmend. Elison nimmt beim Anblick der Morde die Position Desjenigen ein, der die Tötungen filmte, ohne dessen Identität zu kennen. Offen bleibt auch, ob es sich um Selbsttötung oder Mord handelte - und wohin das Familienmitglied verschwunden ist, das jeweils nicht zu Tode kam. Doch dann entdeckt er kleine, fast unsichtbare Spiegelungen auf den Filmen und setzt ein Gesicht zusammen - der Anblick einer schwer zu definierenden Fratze.

Doch der Film beschränkt sich nicht auf diese sehr spannend erzählte Entwicklung, sondern konfrontiert Elison zunehmend mit weiteren Ereignissen in seinem Wohnhaus, die davon zeugen, das er selbst schon in den Fokus eines Unbekannten geraten zu sein scheint. Wenn Elison nachts aus dem Ehebett steigt, von Geräuschen aufgeschreckt, dann erzeugt der Film eine gruselige Atmosphäre, aber er verlangt auch vom Betrachter, sein Gehirn auszuschalten. Warum Elison nicht als erstes die Deckenbeleuchtung anschaltet, wenn er durch die langen, dunklen Flure in sein Arbeitszimmer geht, ist ähnlich schwer zu erklären, wie die Tatsache, das immer nur er aufwacht, seine sonst so aufmerksame Ehefrau aber nicht einmal merkt, das er aufgestanden ist.

"Sinister" begeht den Fehler, sich zu sehr auf die Schaffung einer überzeugenden Atmosphäre zu konzentrieren, die Schlüssigkeit der Story aber zu vernachlässigen. Dabei agieren die Protagonisten lange Zeit nachvollziehbar, lassen besonders die Auseinandersetzungen zwischen Elison und seiner selbstbewussten Frau ihre psychische Situation deutlich werden. Die Frage, warum der Kriminalautor nur den Deputy (James Ransone) in seine Entdeckungen einweiht, seine Frau trotz immer offensichtlicherer Ereignisse aber nicht, drängt sich mit fortschreitender Laufzeit auf, da sie ihn auch längst durchschaut hatte und ihre passive Haltung in diesem Zusammenhang nicht zu ihrem sonstigen Charakter passen will.

Insgesamt verliert "Sinister" in seiner zweiten Hälfte an Spannung, da er hauptsächlich bekannte Muster übernatürlicher Erscheinungen bedient und damit die dichte Atmosphäre des Beginns abnimmt. Zwar ist die Lösung in seiner detaillierten Ausgestaltung originell, kann aber in seiner letztlichen Auswirkung nicht wirklich überraschen (6,5/10).

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