Review

Heimvideos des Bösen

Durch eine Studie, bei der den unerfahrenen Probanden verschiedenste Horrorfilme gezeigt wurden und dabei Pulsmessungen durchgeführt wurden, kam „Sinister“ nochmal kurz in die Schlagzeilen - da er dort mit Abstand am besten, positivsten und scheinbar adrenalintreibendsten abschnitt. Und, ist „Sinister“ wirklich ein Contender für den Creepmeisteraward?! Nein, sicher nicht. Jeder, der schon mehr als fünfzehn Horrorfilme gesehen hat, sollte nicht halb so stark auf ihn reagieren wie scheinbar die zartbesaiteten Versuchsobjekte. Dennoch heißt das ja nicht, dass er seinen Zweck nicht erfüllt oder kein guter Schocker sei. Ganz im Gegenteil. Er hat schon Zug, tolle Momente und ein paar echte Fieslights… Es geht um die Familie eines Krimibuchschreibers, die in ein neues Haus zieht, wo zuvor eine andere Familie schockierend ermordet wurde - was den einstigen Bestsellerautor zu neuer Inspiration führen soll, jedoch eher in eine wahnhafte Obsession und eine teuflische Verschwörung zieht. Mitsamt wirklich verstörender 8mm-„Heimvideos“, die er auf dem Dachboden findet…

Hochs & Tiefs

„Sinister“ ist für mich ein Film der Extreme. Ich mag Hawke - aber seine Filmfamilie bekommt extrem wenig Profil und Licht. Apropos: der Film ist extrem düster beleuchtet und sein versuchtes Spiel mit Kontrasten gelingt nicht immer. Ich liebe die creepy Heimvideos im 8mm-Style - die Passagen mit den „verlorenen Kindern“, die in Zeitlupe hinter Hawke herlaufen dagegen fühlen sich lächerlich an. Die verzerrte und fast experimentelle Sounduntermalung ist stark - der restliche Score dagegen unauffällig. Dass die Hauptfigur ein hadernder Schriftsteller ist feiere ich - einige Irrungen und Wirrungen und dumme Nebenfiguren und Subplots ergeben für mich aber gar keinen Sinn. Die Laufzeit fühlt sich nicht gestreckt an - wird aber doch mit vielen billigen Jumpscares gefüllt. „Mr. Boogies“ Gesicht hat es in sich - aber er wird erstaunlich wenig genutzt. Und so hat fast jeder positiver Aspekt auch (teils wortwörtlich) seine Schattenseite. Und daher ist „Sinister“ ganz sicher nicht der (damals) neue perfekte Heilsbringer und Hit Hollywoods, den man sich erhofft hat. Aber er macht genug solide um zumindest die Highs im Kopf zu behalten - und das sind selbstredend die snuffigen Tötungsvideos. 

Fazit: die „Horrorheimvideos“ sind wahnsinnig creepy und fies. „Boguls“ Fratze taugt was. Die Soundkulisse ist unangenehm und düster. Hawke ist (über-)engagiert. Der Rest ist aber eher spooky Stangenware nahe eines Jumpscarefestivals. Trotzdem für das Hollywoodniveau der letzten Jahre ordentlich. 

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