Aufgrund einer anhaltend wachsenden Leserschaft, die die Romane um Kommissar Kluftinger aus Altusried ebenso getreu verfolgt haben wie auch die diversen Nebenbetätigungen des Autorenpaares Volker Klüpfel & Michael Kobr, erfolgte nach einer weitgehend positiv aufgenommenen Verfilmung des eigentlich zweiten Romanes in der Reihe hiermit auch die Inszenierung von Band 1. Während es zu befürworten ist, daß die bisher bis knapp über einem halben Dutzend angewachsenen belletristischen Erzeugnisse auch in Zukunft und auch in möglichst Reihenfolge zu einer Umwandlung von Buch zu Film gelangen werden, tut die hierbei fälschliche chronologische Folge dem Vergnügen ausnahmsweise keinerlei Bruch. Vielmehr ist das Werk, abermals wie auch bei Erntedank. Ein Allgäukrimi (2009) und Seegrund. Ein Kluftingerkrimi (2013) von Rainer Kaufmann in einer Art und Weise formuliert, welches sicherlich nicht den Inhalt in wahrhaftiger Kopie wiedergibt, aber der Ton dafür umso deutlicher trifft und so zugleich akkurat und selbstständig dennoch im Sujet:
Kurz vor dem Urlaub mit seiner Frau Erika [ Margret Gilgenreiner ] stehend, wird der Allgäuer Hauptkommissar Kluftinger [ Herbert Knaup ] gleichzeitig in eine Einbruchsserie in seinem Heimatdorf Altusried und die Ermordung des Betriebsleiters der örtlichen Molkerei hineingezogen. Während Erika ebenso bedröppelt alleine in die Sonne fliegt, wie auch der sich vorübergehend als Chef in Vertretung sehende Richard Maier [ Johannes Allmayer ] vom Bleiben seines Vorgesetzten enttäuscht ist, sieht sich dieser bald zusätzlichen Anfeindungen der ihr 'Weißes Gold' verteidigenden Bevölkerung gegenüber. Auch der eigene Vater Kluftinger Senior [ Tilo Prückner ] ist wenig vom bisherigen Ermittlungsstand beeindruckt und sucht sich noch aus dem Ruhestand heraus seine eigenen Quellen und Fährten. Zumindest kann Kluftinger auf seinen weiteren Assistenten Roland Hefele [ Jockel Tschiersch ] zählen, was auch nötig ist, da bald ein zweiter Toter auftaucht.
Wundersam ist eigentlich nur, warum die Handlung trotz mehrerer Stärken gerade im Kriminalistischen nie zu voller Form aufsteht; ein Problem des gefühlten Allerlei und Nebensächlichen, welches auch das Buch 'auszeichnet' und dafür eher die Person des Kluftinger in seinem Umfeld und Marotten umso deutlicher beschreibt und auch umso prägnanter trifft. Trotz dessen der Aufbau der Dramaturgie und ihre Behandlung aufgrund starker materieller Änderungen, dem Weglassen von Personen und Situationen und Hinzufügen eigener Ideen noch am Ehesten dem des handelsüblichen Krimis, allen voran der ursprünglich als Hausmarke angedachte Sonntagabend - Tatort entspricht, entwickelt sich keine richtige Begeisterung für den Fall. Das Opfer ist bereits tot und wird auch durch knappe Details Anderer nicht mehr zum ehemaligen Leben erweckt; die Umstände wenig gehaltvoll und der Rahmenkreis der möglichen Täter und Motive gleichst unaufgeregt.
Besser klappt es das schon mit der Zeichnung der Umstände von Berufs- und auch Privatleben des ermittelnden Personals; allen voran der Chef selber, an dessen Stuhl allerdings gleich von mehreren Seiten, von oben vom Vorgesetzten, von unten vom Emporkömmling und aus der eigenen Blutsverwandtschaft vom Kuftinger Senior, dem Kommissar A.D. gesägt wird. Zudem wird genau vor der Haustür die Klinken möglicher Mitwisser oder gar möglicher Mittäter geputzt, was bald die Idylle im Dorf und die bis dato ach so heimelige Freundschaft all der Menschen dort untereinander vergällt. Die Nachbarschaft ist klein, das Unwissen der Polizisten und das Verlangen nach Geheimnissen und Misstrauen unter den Anwohner groß, was unzweifelhaft zu schnellen Konflikten bis hin zu rasch ausgesprochenen Drohungen und Raufereien in der biederen Amtsstube und einen verzweifelten Appell an die sture, sich im eigenen Gutdünken suhlende Landbevölkerung führt.
In solchen Momenten, einem bald erschöpften, ungelenken Radau auf dem engen Dienstweg oder der kalten Schulter der bis dahin treuen Bandkollegen und anderer Bekannter auf dem Flur, in Situationen, die dem Alltag mehr entsprechen und ebenso öde und trist auch gefilmt, mit unterschwelliger Anspannung aber angeheizt sind, gelingt dem Stoff der Sprung nach vorn. Diesmal auch überraschenderweise mit sittsamer Kameraarbeit und gebremster Tonspur und so allein die Anwandlungen im Bildkader betrachtend statt um sie selber bemüht, vollzieht das professionell geschriebene und gedrehte Werk eine Umwandlung in das Erwachsentum und – mit den Feindbildern des 'Raubtierkapitalismus' von Discountern, gegenüber heruntergewirtschafteten und ausgenutzten Landwirten, vom Widerspruch von Marktwirtschaft und Subvention, vom Lebensmittelschutz usw. usf. – auch in die Aktualität, die als Rahmen und Brennpunkt des kriminalistischen Falles zugleich dienen können.
Das Privatleben und so der Charakter der titelgebenden Hauptfigur ist relativ analog zum Buch herausgearbeitet und nicht nur der cholerische und schwitzende Unsympath wie hiernach in der 'Fortsetzung' gezeigt. Kluftinger, diesmal allein zu Haus und irgendwie auch allein im Büro und in der Familie, und vom auf jeden Fall tadellos verkörpernden Herbert Knaup auch idealerweise besetzt, verhält sich trotz mehrerer Hindernisse bis hin zur Überforderung tatsächlich wie ein gestandener Mann und auch wie ein erfahrener Polizist. Selbst die komödiantischen Anteile, die diesmal durch den Zusatz von Intimfeind Dr. Martin Langhammer [ August Zirner ] und dessen Weltgewandtheit als Kontrast dargeboten werden, verfehlen ihr Ziel nicht; überhaupt ist dies Weggelassen der präsenten Nebenrolle in den anderen Verfilmungen das größere Rätsel, als es der Mordfall und seine Aufklärung an sich ist.