Review

Nach dem eher ernüchternden Versuch, sich mit dem banalen „The Rommate“ in den USA einen Namen zu machen, kehrt Regisseur Christian E. Christiansen zu seinen Wurzeln zurück und versucht sich mit einer dänischen Variante der „Bourne Identität“.
Darstellerisch und handwerklich sieht das auch gar nicht so schlecht aus, doch die Erzählung benötigt viel zu lange, um final ein wenig an Fahrt aufzunehmen.

Die titelgebende Ida (Tuva Novotny) erwacht in einem Fluss irgendwo in Frankreich, hat eine Verletzung am Kopf und einen Rucksack mit einigen Millionen Euro bei sich. Allerdings kann sie sich weder an ihren Namen, noch an etwaige Vorgänge vor ihrem Erwachen erinnern. Eine Spur führt sie nach Kopenhagen, während stets Verfolger an ihren Fersen heften…

Retrograde Amnesie ist meistens ein willkommenes Sujet für einen spannenden Thriller, wenn man nicht mehr weiß als die Hauptfigur und entsprechend Puzzleteile zusammenfügen muss, um der Wahrheit ein Stück näher zu rücken. Nur sollte man dabei recht behutsam und nicht zu konstruiert vorgehen, wie es im vorliegenden Fall einige Male vorkommt.
Ida spricht und versteht zwar problemlos französisch, stellt beim Lesen einer international verfassten Karte fest, dass sie eigentlich nur Dänin sein kann, um kurz darauf in Kopenhagen die Stimme eines Tenors zu hören, der sich zufällig als ihr Ehemann entpuppt, - reichlich hanebüchen.

Dennoch bleibt die Geschichte einigermaßen ansprechend, da die Geheimnisse um die Millionen und die mysteriösen Verfolger noch längst nicht geklärt sind und Ida, bis auf den angeheuerten Privatdetektiv niemandem trauen kann.
Leider ist die Inszenierung über weite Teile viel zu ruhig und unspektakulär ausgefallen, viele Figuren spielen letztlich überhaupt keine Rolle, während die Thematik der Amnesie bis zum entscheidenden Flashback immer weiter in den Hintergrund rückt und an Suspense einbüßt.
Viel zu sehr klebt die Kamera an der zugegebenermaßen hervorragend performenden Hauptdarstellerin, als diese überhaupt genug recherchieren würde, denn das meiste fällt ihr reichlich zufällig in die Hände.

So geht es im Verlauf noch um eine kommunistische Untergrundorganisation, einen ermordeten Politiker und einen helfenden Transvestiten, wobei sich alles in einem 35-minütigen Flashback aufklärt, dem zwar einige Twists und Turns mitschwingen, die allerdings allesamt kaum umhauen, da sie überwiegend erahnbar erscheinen.

Was die Sache noch im Positiven abrundet, ist die Wahl der durchweg markanten Gesichter, welche durchweg überzeugend performen. Hinzu kommt ein gutes Händchen für die Inszenierung einiger sehenswerter Momente, etwa beim grandios in Szene gesetzten Fall in den Fluss oder bei einer kurzen Hatz durch ein mehrstöckiges Kaufhaus.
Aber das ist im Zuge mangelnder Action, eines zuweilen ereignislosen Mäanderns und der eher unspektakulären Auflösung kein übermäßiger Pluspunkt, denn im Gesamtbild bleibt es ein leidlich unterhaltsamer, selten spannender und zu keiner Zeit mitreißender Thriller, dem es vor allem an Drive und einer ausgeklügelten Geschichte mit Pep mangelt.
5 von 10

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