Mit einem vergleichsweise geringen Budget von 200.00 Dollar ist es ein leichtes, lediglich eine Figur durch den Wald latschen zu lassen, ohne dass etwas Einschneidendes passiert: Keine Monster, keine Zombies, kein Redneck oder Vermummter mit Axt, keine mutierten Viecher und auch keine Aliens. Bis es im letzten Akt mal wieder heißt, die Trommel für den großen Twist zu rühren, der den kargen Vorlauf zumindest in Ansätzen rechtfertigt.
Halb eingebuddelt in der Erde erwacht John Evans ohne jegliche Erinnerung im Wald. Er irrt umher und gelangt an eine Waldhütte, in der er beunruhigendes Material vorfindet: Die dokumentierte Ermordung einer Schwangeren und eine Leiche. Kurz darauf befindet sich John selbst in der Schusslinie des Killers…
Wenn man wie Autor und Regisseur Joko Anwar in Indonesien lebt, weiß man eigentlich um die besonders sehenswerten Landstriche Bescheid, doch als Kulisse dient ein recht austauschbarer Wald ohne markante Einzelheiten. Das ist insofern fundamental, als dass der Großteil der Handlung an eben jenem Schauplatz stattfindet und John, mal gehetzt, mal verwirrt, meistens ziellos durchs Grüne latscht, während zu wenige Einflüsse sein Handeln lenken.
Erst als John unter Beschuss steht, nimmt die Geschichte Form an, - bis dahin sind allerdings bereits dreißig Minuten vergangen.
Etwas aufgelockert wird das Geduldsspiel, als einige Indizien geliefert werden, welche zwar zunächst noch mehr Fragen aufwerfen als ohnehin schon vorhanden, doch man erhält zumindest etwas Greifbares wie einen Wecker, eine Truhe oder eine Botschaft auf dem Bauch einer Leiche. Allerdings dämmert zu diesem Zeitpunkt noch nicht, wohin die Chose am Ende tatsächlich führt.
Der letzte Akt hat es ein wenig in sich, denn es wird nicht nur etwas Blut vergossen, sondern der Titel erhält in diesem Zusammenhang seine ganz eigene zynische Bedeutung.
Da lässt sich beim Beginn des Abspanns nur sagen: Vor dem Film ist nach dem Film oder umgekehrt.
Aufgrund der geringen Produktionskosten wirkt die Inszenierung nicht immer professionell, die Ausleuchtung fällt zuweilen zu schwach aus und auch die Kamera liefert nicht allzu variable Einstellungen. Demgegenüber ist der ruhige Score mit einigen Soundkollagen recht treffend gewählt und auch Hauptdarsteller Rio Dewanto vermag mit der variablen Darstellung seines ambivalenten Charakters zu überzeugen.
Auf atmosphärischer Ebene punktet „Modus Anomali“ primär während des finalen Aktes, als die Erwartungshaltung des Zuschauers ziemlich gegen die Wand gefahren wird und stattdessen eine latent beklemmende Spannung herrscht.
Auch wenn der ausufernde Vorlauf teilweise notwendig war, so dürfte er manchen Betrachter dazu verleiten, die Konzentration weichen zu lassen oder die Sichtung vorzeitig zu beenden.
Ob der gelungene Twist letztlich den zähen ersten Teil rechtfertigt sei dahingestellt, denn verraten werden soll an dieser Stelle nichts.
Ein interessanter Streifen mit unübersehbaren Schwächen und Stärken, was definitiv einer vorsichtigen Sichtung bedarf.
5,5 von 10