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Zu viele Filme über den Holocaust geraten in die Vergessenheit, wobei es gerade diese Filme sind, die doch so sehr begeistern (siehe den tschechoslowakischen Vertreter „Obchod na korze“). Andrzej Wajdas „Korczak“ ist wieder einer dieser Filme über einen der größten
Gegner des Holocaust.


Der angesehene jüdische Arzt Dr. Janusz Korczak (Wojciech Pszoniak) ist der Leiter eines Waisenhauses im polnischen Warschau. Korczaks Leben sind seine Kinder, die er liebevoll erzieht und ihnen dabei die nötigen Werte des Lebens mit auf dem Weg gibt. Zwar gibt es auch strenge Regeln in dem Waisenhaus, z.B. hat es sein eigenes Gericht, doch sind es hier immer die Kinder, die als Richter auftreten und so auch Korczak als auch die Betreuerin Wilczynska bei Fehlverhalten richten können.
Die Lage für Korczak und seine Kinder ändert sich, als die Deutschen in Polen einmarschieren. Korczak und seine jüdischen Waisenkinder werden in das Warschauer Ghetto verlegt. Von da an wird es für Korczak immer schwieriger, Nahrung für seine Kinder zu bekommen. Korczak versucht überall, Lebensmittel und Geld zu bekommen, besonders bei den reichen Juden. Doch selbst für die jüdische Oberschicht wird es immer schwieriger, Korczak zu helfen, da sie mittlerweile auch selber in Gefahr sind. Bald beginnen die Nazis, das Ghetto nach und nach zu „säubern“ und die Juden in die Vernichtungslager zu bringen. Als auch sein Waisenhaus nach Treblinka deportiert werden soll, könnte sich Korczak retten, da er immer noch Freunde hat und auch sonst ein angesehener Mann in Polen ist. Doch für Korczak wäre dies ein Verrat an seinen Kindern. So besteigt Korczak zusammen mit seinen Kindern den Zug ins Vernichtungslager Treblinka...


Polens großer Regisseur Andrzej Wajda hat schon einige großartige polnische Filme gedreht. Mit „Korczak“ setzte Wajda dem wirklichen Janusz Korczak aka Henryk Goldszmit ein unvergessliches Denkmal, ähnlich wie Steven Spielberg Oskar Schindler.
Als Darsteller für Janusz Korczak wählte Wajda den in Polen sehr berühmten Wojciech Pszoniak, der schon in einigen Wajda-Filmen wichtige Rollen hatte. Um es kurz zu fassen: Pzoniak spielt brillant in der Rolle des Dr. Korczak und sieht wirklich beinah so aus wie der Arzt und Pädagoge. Fast glaubt man, den echten Janusz Korczak auf dem Bildschirm zu sehen, was wohl das größte Kompliment für einen Schauspieler sein dürfte. Doch auch die anderen Rollen sind treffend besetzt. Alle Kinder in diesem Film sind authentisch in ihren Rollen und man nimmt ihn das umgebende Grauen immer ab. Doch immer steht Korczak an ihrer Seite, der sie selbst in den schwersten Zeiten noch zu guten Menschen erzieht und alles versucht, dass das Grauen der Nazis sie nicht betrifft.

Wajda geht ohne Effekte an den Film heran und beschränkt sich zum großen Teil auf das Leben von Janusz Korczak in dem Warschauer Ghetto. Wajda schildern eindringlich, wie sich die Lage für die Juden immer mehr ändert und es auch immer schwieriger für Korczak wird, seine Kinder am Leben zu erhalten. Dabei hält sich Wajda sehr zurück, was allzu graphische Greultaten der Nazis betrifft, was dem Film auch gut tut. Wie Korczak seine kinder isoliert Wajda den Zuschauer fast von den Nazis. Doch jeder Zuschauer weiß, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis die Räumung des Warschauer Ghettos bevor steht.

Wajda filmte seinen Film in obligatorischen schwarz-weiß Bildern und unterlegt seinen Film auch mit relativ wenig Musik. Diese ist aber meisterlich komponiert vom polnischen Musiker Wojcieh Kilar. Meistens zurückhaltend, doch im richtigen Moment nicht mehr zu überhören und beschreibt das kommende Schicksal der Kinder und Korczak kompromisslos.

Wenn am Ende Korczak und seine Kinder mit der David-Stern-Flagge durch das Ghetto in Richtung des Zuges laufen, nur Korczak weiß, was sie erwartet, muss jedem Zuschauer Unwohl werden. Verstärkt wird dies durch die bereits oben beschriebene Musik von Wojciech Kilar, die hier aber komplett anders und verstörend ist.
Wajda beendet den Film mit einer Sequenz, die Hoffnung weckt. Doch eine unvermeidliche Texttafel verkündet das, was der Zuschauer weiß. Janusz Korcak und seine mittlerweile über 200 Waisenkinder wurden im Jahre 1942 im Vernichtungslager Treblinka von den Nazis ermordet.


Fazit: Neben den zahlreichen Holocaustfilmen ist „Korczak“ sicherlich einer der wichtigsten Filme überhaupt. Es fällt schwer, Worte zu fassen über das, was Janusz Korczak getan hat. Korczak, der immer für seine Kinder gelebt hat, wusste genau, was ihm am Ende der Zugfahrt erwarten würde, der sichere Tod. Er hatte genug Möglichkeiten gehabt, auch kurz vor der Deportation, zu fliehen. Doch für Korczak wäre es der absolute Höchstverrat an seine Kinder gewesen, außerdem konnte er sie in dieser Situation nicht mehr alleine lassen. Auch so nahm Korczak den Kindern die Angst, da die Kinder wussten, wo immer Korczak mit ihnen hingehen würde, dort kann ihnen nichts passieren. Ein bewegender und rührender Film, der leider nicht den Stellenwert hat, den er haben müsste.

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