Die Blütezeit des Giallo liegt bereits einige Jahrzehnte zurück, doch ab und an versuchen Filmer die Spuren Martinos und Bavas aufzunehmen und das Genre zu reanimieren, wie „Amer“ oder „Giallo“ von Argento. Manche probieren hingegen so etwas wie eine Hommage, was im Fall der beiden französischen Regisseure Gaillard und Robin reichlich daneben geht.
Angela ist von ihrer Nachbarin Anna-Marie, in deren Wohnung lesbische Orgien stattfinden sichtlich angetan. Als Anna-Marie ermordet wird und Angela in ihrer Wohnung die Splitter einer Kristallkugel findet, meint sie, durch diese in die Zukunft blicken zu können, doch dabei sieht sie auch ihren eigenen Tod voraus…
Der Look erinnert durchaus an die dreckigen Italo-Slasher der Siebziger, was nicht unbedingt positiv stimmen muss: Weichzeichner, Überbelichtung, Rotfilter und schwammige Bilder in düsterer Umgebung dominieren die Optik, welche an einen Softporno aus den Achtzigern erinnert. Dazu wirken die Mimen wie laienhafte Anfänger, obgleich ein paar ansehnliche Damen mitwirken, von denen einige ein wenig blank ziehen.
Figurentechnisch begibt man sich auf recht dünnes Eis, denn wir haben es nicht unbedingt mit charakterstarken Persönlichkeiten, noch überhaupt mit interessanten Individuen zu tun. Angela kontaktiert häufig ihren Freund und Therapeuten, dazwischen gibt es zahlreiche Visionen und Alpträume, während in regelmäßigen Abständen eine rot gekleidete Dame auftaucht und einige Leute mit scharfer Klinge um die Ecke bringt.
Immerhin kommen dabei einige derbe Gewaltmomente zustande. Eine große Scherbe landet im Arm, ein Rasiermesser tranchiert einen Augapfel, diverse Schnitte mit Skalpell sind auszumachen und Schläge mit einer Eisenkette hinterlassen klaffende Wunden. Die Qualität der Effekte geht voll in Ordnung, - so ziemlich der einzig positive Aspekt bei dieser Produktion.
Denn das was die Splattereffekte rausholen, wird durch den billigen Score wieder zunichte gemacht, welcher zuweilen über die Grenze des Erträglichen hinaus geht. Die Synthesizer stammen größtenteils aus den Mitteachtzigern und entsprechend schräg fallen einige Soundkollagen aus. Phasenweise ersetzt die Musik minutenlang Dialogpassagen, so dass man bereits geneigt ist, den Ton komplett abzustellen, zumal auch die Synchro übel ist.
Storytechnisch wird nicht gerade Geistreiches geboten, denn erst nach dem eigentlichen Finale versucht ein Polizist den Mordfall, der zu einer Mordserie mutierte, zu rekapitulieren und liefert eine detaillierte Chronologie, die auch die letzten Fragen beantwortet.
Zum Leidwesen für den geneigten Betrachter, dem besser noch Raum für Spekulationen geblieben wären, anstatt alle Vorgänge haarklein vorgekaut zu bekommen.
Am Ende bietet „Blackaria“ mehr Schein als Sein, viel Style over Substance, was optisch überwiegend amateurhaft wirkt und null Atmosphäre aufkommen lässt. Von spannenden Momenten ganz zu schweigen, dürften allenfalls eingefleischte Genrefans und Giallo-Jünger Gefallen an dem gerade einmal 70 Minuten andauernden Werk finden, alle anderen sollten einen großen Bogen drum machen.
2,5 von 10