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Der Stern von Regisseur Georges Lautner fing eigentlich erst in den 80er Jahre an zu sinken, doch als er am Anfang seiner Karriere stand, drehte er äußerst erfolgreiche Filme und meine Erwartungshaltung an diesen Streifen aus dem Jahre 1966 war schon einigermaßen hoch, gerade weil ich auch Lino Ventura in angenehmer Erinnerung behalten hatte und gerne mal wieder sehen wollte. Doch Lautner, der mich auch schon mit Belmondo's „Windhund" etwas enttäuscht hat, kann auch mit dieser grotesken Krimikomödie nicht überzeugen. Da nutzt auch der beschwingte deutsche Alternativtitel nichts, der bestimmt bei den meisten Zuschauern hohe Erwartungen schürt. Sicher, es wird hier und da auch ordentlich in die Luft gesprengt, doch sind die Zwischenräume nur mit einem dürftigen Flickenteppich aus müden Gags und unkomischen Gestalten ausgefüllt worden.

Dabei darf man am Anfang des Filmes schon gespannt sein, in welche Richtung sich das Ganze entwickelt, denn der Hauptakteur Antoine (Lino Ventura) hat sich aus dem Verbrechermilieu verabschiedet und sich zur Ruhe gesetzt. Für ihn ist die Welt als Bootsverleiher an der französischen Mittelmeerküste wieder gerade gerückt worden. Wenn da nicht zwei alte Bekannte wären, die seinen Laden aufsuchen, um ihn zur Herausgabe von 40.000 Franc und einem Boot zum Verduften gen Italien zu nötigen. Und wenn diese zwei finsteren Typen aus ihrem Fahrzeug steigen, und dabei mindestens vier mal im Wechsel die Autotüren beim Zuschmeißen wieder aufklappen, fragt man sich, ob hier bereits das Niveau der kommenden Gags festgelegt werden sollte, denn lustig wirkte das wirklich nicht.

Doch die Story entwickelt sich erst mal ganz flott, als Antoine nämlich den Tipp bekommt, sich die Piepen wieder zu holen von dem zwielichtigen Buchmacher Michalon (Jean Lefebvre) aus Nizza, denn der schuldet seinerseits den beiden Ganoven den gleichen Betrag. Dass Antoine sich nun auf den Weg macht, ohne seine Erfolgschancen abschätzen zu können und dabei auch vorübergehend seinen florierenden Laden verlässt, sei mal genauso dahingestellt wie die Tatsache, wie er sich denn bei dem Buchmacher als Berechtigter zu erkennen geben soll. Jedenfalls kann ihn Jeff, ein Gefährte aus früheren Tagen und mittlerweile ein Restaurantbesitzer, beim Aufspüren des Gesuchten helfen. Doch als dieser zur Rede gestellt werden sollte, nimmt die Geschichte eine dramatische Wendung, als ein bewaffneter Einbrecher ebenfalls von Michalon etwas Unangenehmes wollte. Dass Antoine diesen in Notwehr niederstreckt, ist der eigentliche Dreh- und Angelpunkt für das folgende Geschehen, wobei sein Motiv, das Geld zu bekommen, natürlich nicht darunter leiden durfte.

Doch was nach dem Kennen lernen mit Michalon besonders stört, ist das Ungleichgewicht in der nun folgenden Dreiecksbeziehung zwischen Antoine, seinem Freund Jeff und dem ängstlichen Michalon, der völlig von der Rolle ist und ein einziges Jammerbild abgibt. Sicher, der Buchmacher wurde als feige beschrieben und das Sprichwort mit den stillen Wassern stimmt ja manchmal auch, doch das dieses Häufchen Elend ein Betrüger sein soll, kann man Jean Lefebvre zu keiner Sekunde abnehmen. Doch muss man sein komödiantisches Talent loben, denn als tölpelhafter Einfaltspinsel, der in jedes bereit stehendes Fettnäpfchen tritt, kann er durchaus überzeugen. Es ist nur fraglich, warum Antoine, der die Szenerie recht deutlich beherrscht, auch noch von seinem Freund Jeff unterstützt werden muss. Dieser erweist sich nämlich irgendwie als störendes Element. Er hat eigentlich kaum eine wichtige Funktion zu erfüllen und sorgt nur dafür, dass der arme Michalon völlig untergebuttert wird. Ich bin mir sicher, Ventura und Lefebvre hätten als Duo besser funktioniert, da sich ihre Gegensätzlichkeiten und jeweiligen Stärken besser neutralisiert hätten. Ob das allerdings den Film aufgewertet hätte, ist fraglich.

Denn das Trio hat trotz der Meinungsverschiedenheiten einen gemeinsamen Gegner, oder besser gesagt eine ganze Schar von Gegnern. Denn der von Antoine Getötete gehörte zu einer englischen Ganovenbande. Die Motive, die hinter dem geplanten Mord an Michalon führte, werden zwar im weiteren Verlauf sichtbar, doch wird weder geklärt, ob Michalon wirklich seine Rolle als Augenzeuge bei einem geplanten Coup der Engländer einnahm noch wird dieser Coup zum zentralen Thema erhoben, was für den weiteren Verlauf einer Krimikomödie jedoch passend genug gewesen wäre. Und hier fängt der Film an, sich nicht nur in langweiligen Nebenschauplätzen zu verzetteln, sondern auch den gemeinsamen Gegenspieler als äußerst hirnverbrannt darzustellen.

Erst einmal fragt man sich, was das denn überhaupt soll mit eine englische Bande, die in Frankreich ihr Unwesen treibt. Warum sich der Anführer Colonel nennt und die Kumpanen schwuchtlige Uniformen tragen und sich auf in Reih und Glied hübsch aufgereihte rote Mopeds schwingen, um zu ihrem nächsten Verbrechen zu jetten. Ich hoffe mal, die Öfchen sind alle frisiert, sonst kann's eine kurze Flucht vor dem Arm des Gesetzes werden. Der Oberhammer ist allerdings das urplötzliche ekstatische Rumgetanze im Garten und wenn sich diese Gestalten auf irgendwelchen Vorsprüngen stehend mit Gitarre und Kontrabass als Beatniks outen. Junge, Junge, ich wette, dass der Film jenseits der Nordsee nicht so gut angekommen ist. Doch das kann mir letztlich egal sein, warum sollte man die Engländer nicht verarschen dürfen, viel mehr stört, dass man anhand solcher burlesken Blödeleien nicht mehr die Intention Lautners verstehen kann, was er hier eigentlich für einen Film drehen wollte: Eine stimmige Krimikomödie mit irren Wendungen? Oder ein patriotisches Hohelied auf die französische Lebensart, der fremde ausländische Einflüsse zuwider sind? Oder einen dünnen Vorwand für deftige Action im letzten Teil?

Denn komischerweise macht der Film am Schluss, getreu seinem Titel, noch am meisten Spaß, wenn nämlich das Dynamit zum Einsatz kommt. Fröhlich reiht sich eine Explosion an die andere und es sieht auch noch hübsch aus, wenn die Tommies mit ihrem fahrbaren Untersatz in schwindelerregender Höhe auf einem Viaduktpfeiler festsitzen, weil die Straße davor und dahinter eben mal unterbrochen wurde. Doch das kann für den Rest des absurden Treibens auch nicht mehr entschädigen. „Ne nous fâchons pas" ist über große Strecken überraschend nahe am Trash gebaut, allerdings ohne dabei richtig Spaß zu machen. Lautners Komödie nimmt dabei über weite Strecken auch stark satirische Züge an, wirkt aber konzeptionell eher fragwürdig, da von dieser Überzeichnung nur bestimmte Personen betroffen sind. Und mit Lefebvre hatte ich am Ende sogar ein wenig Mitleid: Immer noch 40.000 Franc in der Kreide, seine Frau, die auch noch irgendwie mit reingequetscht werden musste, an Antoine verloren und die ganze Zeit über mit Ohrfeigen überschüttet. Und es ist nicht nur bei ihm schade, wenn man nicht nur über Leute lacht, weil sie komisch sind, sondern wenn man sie auslacht, weil sie vorgeführt werden.

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