Und dann kam alles anders. Mit dem dritten Teil der Rebuild-Reihe verabschiedete sich Hideaki Anno aus der bekannten Evangelion-Welt. Spielten die ersten beiden Filme noch innerhalb der Zeit der Serie, ist man hier darüber hinaus. Das ist insofern nachvollziehbar, als dass der Vorgänger da endete, wo auch die Serie gegen Ende unterwegs war. Doch statt dort anzuschließen, findet erst mal ein Zeitsprung von vierzehn Jahren statt.
Da hat sich viel verändert, die Fronten wurden neu verteilt, neue Figuren bevölkern die Szenerie und die Geschichte nimmt einen unbekannten Verlauf. Über die Hintergründe wird dabei nicht nur Shinji, sondern auch der Zuschauer lange im Dunkeln gelassen, was für zumindest bei mir für länger anhaltende Verwirrung sorgte. Zwar wird manches erklärt, am Ende stehen aber wieder einige Fragezeichen.
So ging es wohl auch Shinji, der am Schluss auch nicht so recht weiß, was hier eigentlich passiert ist. Immerhin ist er hier wieder der Alte, dreht zwischendurch am Rad und fragt andere, was er denn tun soll. Am Ende ist er wieder in seiner Lethargie, die man schon öfters in der Serie an ihm gesehen hat. Nachvollziehbar, ist er doch schon wieder in bester Absicht gescheitert.
Ein nettes Detail hierbei ist sein Walkman. Liefen in den ersten beiden Filmen die Tracks 25 und 26 abwechselnd, stellvertretend für die finalen Folgen der Serie, so läuft hier Nummer 28. Eins der Zeichen, dass Anno über den alten Kanon hinaus ist.
Manch bekannte Figur wurde neu charakterisiert, was zwar nach der vergangenen Zeit und Ereignissen nachvollziehbar, aber trotzdem befremdlich ist. Gerade Misato dient hier als Beispiel. Die meisten neuen Figuren werden nicht charakterisiert und dienen nur als Staffage.
Der (near) Third Impact ist durch, der nächste steht vor der Tür. Dabei gibt sich der dritte Teil nicht so actionlastig wie die Vorgänger, nur am Anfang und Ende geht es rund. Dazwischen freundet sich Shinji mit Kaworu an, der hier eine größere Rolle einnimmt. Und ich muss zugeben, dass sein Verhalten mir aufgrund seiner Identität nicht einleuchtet. Aber vielleicht gibt es dazu noch was im abschließenden Teil. Oder auch nicht. Es gehört nicht zu den dringlichsten Ansinnen Annos, alles erläutern zu wollen.
Die Idee dieses Sprungs durch die Zeit und der somit hergestellten Möglichkeit, eine gänzlich neue Richtung einzuschlagen, ist durchaus positiv zu bewerten. Die Filme waren nicht als reine Neuerzählung der bekannten Geschichte gedacht. Aber es bleibt das Gefühl, dass diese neue Möglichkeit (zumindest in diesem Film) nicht stringent genutzt wurde.
Die Optik ist wieder hochwertig, das Design ebenso. Gerade das zerstörte NERV-Hauptquartier ist eine atmosphärische Kulisse und erzeugt eine bedrückende Stimmung. Insgesamt leidet der Film aber für meinen Geschmack unter dem inflationären Einsatz von CGI. Da waren die Vorgänger doch stimmiger. Dafür gibt es einige neue und neu interpretierte Schauplätze, an Abwechslung mangelt es nicht. Manchmal aber an Übersicht, auch dramaturgisch.
Der dritte Teil der Reihe schafft es nicht, das Niveau der Vorgänger zu halten. Zwar inhaltlich und visuell mit neuen Impulsen versehen, zünden die neuen Idee in der Umsetzung nicht durchgehend.