Inhalt:
Jonathan Harker (Unax Ugalde) reist in die Karpaten um dort eine Stelle als Bibliothekar im Schlosse des Grafen Dracula (Thomas Kretschmann) anzutreten.
Er nutzt die Gelegenheit um Lucy Kisslinger (Asia Argento), eine alte Freundin seiner Frau Mina (Marta Gastini), zu besuchen und alles scheint in Ordnung zu sein doch Dracula ist (natürlich) ein Vampir und neben ihm halten sich im Schloss noch Tanja (Miriam Giovanelli), ein vampirisiertes Opfer des Grafen, und Renfield (Giovanni Franzoni), ein Dorfbewohner der den Vampiren dient, auf.
Jonathan merkt aber schon bald das nicht alles im Schlosse Dracula mit rechten Dingen zugeht und fällt dem Grafen zum Opfer.
Zur gleichen Zeit kommt Mina im Dorf an und wohnt zunächst bei ihrer Freundin Lucy und ihrem Vater Andrej Kisslinger (Augusto Zucchi).
Mina macht dann auch Bekanntschaft mit dem Grafen, der in ihr die Inkarnation seiner lange verstorbenen Geliebten zu erkennen glaubt.
Dracula macht Lucy zu einem Vampir, massakriert nebenbei einige Dorfbewohner (den Bürgermeister in Form einer riesigen Gottesanbeterin) doch dann erscheint Van Helsing (Rutger Hauer)... .
Meinung:
Als ich im X-rated Magazin 75 (2014) eine ziemlich vernichtende Kritik zu Dario Argentos Dracula las, war ich nicht voreingenommen und bin es immer noch nicht. Argentos Version des Dracula-Mythos ist nicht schlecht sondern einfach ein guter Vampirfilm, der die altbekannten Bestandteile des Mythos respektvoll behandelt.
CGI-Effekte werden häufig im Film verwendet fallen aber nicht weiter ins Gewicht. Da der Film FSK 18 ist, gibt es einige Splattereffekte (teilweise CGI, teilweise handgemacht) die den Film aber nicht dominieren.
Ein interessanter Punkt ist das Dracula das Dorf u. a. in Form von Geldspenden unterstützt und so mit einigen der Dorfbewohnern einen Pakt eingegangen ist, den diese dann brechen wollen was den meisten von ihnen nicht gut bekommt... .
Weiterhin ist die Beziehung zwischen Tanja und Renfield mehr interessanter als die zwischen Dracula und Mina:
Renfield liebt die Vampirin, diese erwidert seine Gefühle nur teilweise da sie mehr den Grafen / Jonathan bevorzugt.
In einer Szene gibt Renfield der Vampirin freiwillig von seinem Blut zu trinken. Und als sie dies tut stöhnt Renfield vor Lust was unterstreicht was Stephen King schon in Danse Macabre geschrieben hat: Das Bluttrinken des Vampirs von seinem Opfer ist ein Orgasmus, der sich bis in alle Ewigkeit wiederholt.
Als Tanja schließlich Van Helsing zum Opfer fällt ist Renfield am Boden zerstört und trauert während der Graf ihr Opfer als notwendiges Übel in Kauf nimmt.
Die Beziehung zwischen Van Helsing und Dracula wird nur verschwommen erläutert:
Van Helsing war früher Leiter einer Anstalt für männliche Geisteskranke wo der Graf eines Tages wegen Nahrungssuche auftauchte.
Mehr erfährt der Zuschauer aber nicht, was schade ist da dieser Punkt weiter ausgebaut hätte werden können.
Auch wird der Charakter des Vampirjägers leider zu spät eingeführt.
Im Film werden aber die altbekannten Motive positiv benutzt:
Der Vampir kann Anderen seinen Willen aufzwingen, er gebietet u. a. über Wölfe und ist stärker als Normalsterbliche.
Auch wird in diesem Film ein nicht so bekannter Fakt des Vampirmythos verwendet: Silberkugeln können nicht nur für Werwölfe gefährlich werden.
Der Charakter des Dracula wird zuerst als finsterer Bösewicht eingeführt, orientiert sich dann aber an Francis Ford Coppolas Dracula (Inkarnation der Geliebten) was nicht ganz funktioniert.
Es wäre besser gewesen den Grafen einfach als gieriges, böses Monster darzustellen, da Kretschmann es schafft den Charakter als böse und brutal zu inszenieren.
Die Szene mit dem Grafen als Gottesanbeterin hat sich mit mir nicht ganz erschlossen (warum nicht als Wolf oder einfach in seiner Orignalform ?).
Auch nimmt der Film in Form von Draculas verstorbener Geliebter Bezug auf Bram Stokers Kurzgeschichte Draculas Gast.
Fazit:
Dario Argentos Dracula ist kein Klassiker des Vampirfilms aber meiner Meinung nach nicht schlecht sondern einfach gute Unterhaltung (zudem zieht Miriam Giovanelli zieht blank).
Ich empfehle eine Ausleihe.
Literaturhinweis: Matthew Bunson: Das Buch der Vampire
Bram Stoker: Draculas Gast
(6/10)