"Transformers ahoi!"
„Schiffe versenken" hat uns doch in der Kindheit allen mächtig Spaß gemacht. Warum daraus nicht einen Sommerblockuster zimmern mit ordentlich Krach, mächtig Bumm(s) und ganz viel Peng?
So oder ähnlich dürften sich das die Universal-Bosse ausgemalt haben, denn wer will schon zum Hundertjährigen kampflos das Feld der lästigen Konkurrenz von Paramount und Warner überlassen. Und der Plan ist keineswegs abwegig. Das Zielpublikum ist riesig, schließlich haben sich alles in Schutt und Asche schlagende und dabei fröhlich transformierende Riesenrobotor bereits drei Mal in Windeseile amortisiert und für einen globalen Dollardauerregen gesorgt.
Infantilität gepaart mit Bombast und garniert mit einer ordentlichen Prise Zerstörungslust ist neben der Superheldenwundertüte sicherlich das Hollywoodhit-Rezept der Stunde. Und wer ein bisschen Kleingeld für die nicht ganz billigen Zutaten mitbringt, dem dürfte angesichts der simplen Rezeptur relativ problemlos ein massenkompatibles Menü gelingen.
Gesagt, getan. Schnell mal einen Popcornerfahrenen aber nicht allzu eigensinnigen Regisseur verpflichtet (Peter „Hancock" Berg), dazu ein zwei sixbepackte Jungstars aus der zweiten Reihe (hier Alexander Skarsgart und Taylor Kitsch) und ein noch relativ unverbrauchtes Pin-up Girl (hier Brooklyn Decker), um dann das damit gesparte Geld in einen zugkräftigen Qualitäts-Namen (diesmal Liam Neeson) - wer will schon völlig auf die zahlungskräftigen Zuschauerschichten jenseits der Pubertät verzichten - und vor allem in die Special Effects zu pumpen, schließlich ist Style-over-Substance hier essentielles Programm.
Ach ja, natürlich nicht zu vergessen der Anruf bei den bereits mit den blank bestiefelten Füßen scharrenden US-Streitkräften, denn wenn die Welt bedroht wird, ist der heroische Einsatz Ehrensache. Eine klassische Win-Win-Situation also, bekommen doch die Filmemacher militärisches Equipment und Personal zum Schnäppchenpreis und die stolze US-Armee im Gegenzug eine zweistündige, kostenlose Hochglanzwerbung. Diese fruchtbare Beziehung besteht übrigens bereits seit fast 30 Jahren, als Tom Cruise anno 1986 in Top Gun erstmals für einen landesweiten Wirbelsturm auf die Rekrutierunsgbüros der Navy sorgte. Doch während damals nur die Jagdfliegerstaffeln profitierten, dürfen sich diesmal auch die „richtigen" Schiffsbesatzungen auf ganz viel begeisterten Frischfleischzulauf freuen.
Und zumindest die Rechnung dürfte aufgehen. Peter Berg weiß jedenfalls wie man schicke Marineuniformen ins rechte Heldenlicht rückt, ist er doch familiär vorbelastet und wurde von seinem Vater - einem Marine und Navy-Fetischisten - von einem maritimen Museum zum nächsten geschleift.
Auch der in der Tag hineinlebende Alex Hopper braucht den verwandschaftlichen Arschtritt, um die Vorzüge der Seestreitkräfte schätzen zu lernen. Erst eine lautstarke Ansprache seines bereits konvertierten Offiziers-Bruders Stone (Alexander Skarsgard) treibt ihn in die starken Arme der US-Navy und gibt seinem bis dato ziellosen Leben einen Sinn. Für zusätzlich Zündstoff sorgt seine Liebelei mit der drallen Blondine Samantha (Brooklyn Decker) - laut Drehbuch soll sie auch noch hochintelligent sein -, entpuppt diese sich doch als Tochter des kernigen Alphatier-Admirals Shane (Liam Neeson) - Armageddon lässt fröhlich grüßen.
Berg inszeniert diese Exposition der Hauptakteure einigermaßen humorvoll, wobei die angesteuerten Gewässer hier gefährlich seicht sind. Bevor der sündteure Kahn allerdings vollends auf Grund läuft, reißt der routinierte Steuermann beherzt das Ruder herum und macht uns klar, wofür wir hier eigentlich Eintritt bezahlt haben. Aufgrund eines von naiv-findigen Wissenschaftlern ausgesandten Signals, fühlen sich außerirdische Invasoren angesprochen und machen es sich im Ozean gemütlich. Zum Glück, bzw. zunächst Pech, findet gerade das multinationale RIMPAC- Flottenmanöver statt, bei der unter der Ägide der USA eine stattliche Seestreitmacht durch den Pazifik schippert.
Der erste Schlagabtausch endet indes alles andere als ermutigend. Die Bilanz des Tages: zwei versenkte Kriegsschiffe, die Errichtung einer für die restliche Flotte, sämtliche Geschosse und Flugzeuge undurchdringliche Schutzschildkuppel (diesmal lässt Independence Day grüßen) sowie der dadurch ungehinderte Beschuss diverser globaler Metropolen und Militäreinrichtungen (haben wir dank Michael und Roland auch schon ein paar Mal erleben dürfen).
im Krieg gehts ja bekanntlich oft ganz schnell und so ist der 24-jährige Heißsporn Hopper plötzlich ranghöchster Offizier der von der Hauptgruppe abgeschnittenen US-Flotte. Zusammen mit seinem japanischen Intimfeind Nagata (Tadanobu Asano) - sie gerieten anfangs im RIMPAC-Fußballfinale aneinander - gibt er daraufhin den technisch haushoch überlegenen Aliens eine Gratislektion in Taktik und Strategie und nimmt zumindest in dieser Sequenz deutlich Bezug auf das titelgebende Spiel.
Womit wir auch bei den Stärken der martialischen Plantscherei angelangt wären. Die Seegefechte sorgen nicht zuletzt durch die abwechslungsreiche Mischung aus Trickserei und Ballerei für ordentlich Kurzweil und stimmungsvolle Popcornatmosphäre. Trotz ordentlich Krawumm hat man aber glücklicherweise nicht den mit Sicherheit verführerischen Fehler gemacht, die in den Transformers-Sequels aus dem Ruder gelaufenen Zerstörungsorgien toppen zu wollen. Der CGI-Overkill bleibt ebenso aus wie der ins Abstruse gesteigerte Gigantismus.
Ein netter Einfall ist zudem die auf absolute Ebenbürtigkeit angelegte, japanisch-amerikanische Teamwork, was in dieser offensiven Darbietung, zumal in einem propagandistischen US-Navy-Trailer, doch ein bemerkenswertes Novum darstellt. Auf den ersten Blick gilt das auch für den Beitrag einer Handvoll knittriger Veteranen mitsamt einem bereits ausrangiertem Flugzeugträger. Leider wird die pfiffige Idee völlig unmotiviert in den Untiefen der Lächerlichkeit versenkt, indem man die ohnehin niedrige Erwartungshaltung an Nachvollziehbarkeit und Logik mal so ganz nebenbei in gefährliche Tiefen zieht und uns weismachen will, dass das Museumsschiff binnen Minuten von einer Handvoll Rentner nicht nur flott gemacht werden kann, sondern voll aufmunitioniert aus allen Rohren feuernd den außerirdischen Invasoren den entscheidenden Punch versetzt.
Ähnlich ärgerlich ist die triefige finale Ordensverleihung, bei der Stone Hopper posthum für seine Tapferkeit ausgezeichnet wird. Das ist dann selbst mit dem für diese Filme üblichen Pathosmodus nicht mehr entschuldbar, wenn ein zunächst als besonnener und umsichtiger Führungsoffizier eingeführter Vernunftmensch entgegen aller Erfolgsaussichten Leib und Leben der ihm anvertrauten Männer riskiert, indem er sich entblödet den Feind mit Dauerfeuer zu belegen, dafür zu Recht mit Mann und Maus versenkt wird und zur Krönung schlussendlich für diese Dämlichkeit auch noch mit Orden behangen wird.
Zum Glück fährt Battleship nicht dauerhaft in solch brackigem Gewässer und lässt auch die gefürchteten Patriotismusknüppel nur hin und wieder aus dem Seesack. Das ist angesichts des schneidigen Szenarios durchaus bemerkenswert und keine Selbstverständlichkeit.
Die Story hat zwar Groschenheftcharakter, schreitet aber wohltuend zügig voran und wartet auch ein ums andere Mal mit nicht allzu peinlichen Humoreinlagen auf. Dialogisch und figurentechnisch konnte man wenigstens das Fremdschämfestival von Transformers 2 umschiffen, was zwar keine Kunst, aber immerhin erfreulich ist.
Lediglich gegen Ende, wenn alles plötzlich ruckzuck und wie geschmiert geht und den zuvor als ultimative Bedrohung aufgebauten Invasoren mit fast schon spielerischer Leichtigkeit der Marsch geblasen wird, befindet man sich nochmals auf Kollisionskurs mit dem Logik-Eisberg.
„Schiffe versenken" ist halt doch nicht so banal wie memoriert und erhofft, ein bisschen Taktik und Raffinesse hat auch hier nie geschadet. Also noch mal zurück in die Werft zur Nachbesserung, damit der angedeutete zweite Stapellauf etwas runder verläuft.