Review

Ich komme aus dem Staunen nicht mehr heraus, wenn mir einer verklickern will, dass Peter Berg´s "Battleship" auf dem Spiel "Schiffe versenken" basiert. Berg, der ja schon eine kleinere Zerstörungsorgie in "Hancock" ablieferte und somit Erfahrung auf diesem Sektor mitbringt, fackelt die Weltmeere (und weitere ländliche Locations) ab, wie es auch ein Emmerich oder ein Bay nicht besser hinbekommen hätten. Die Action, Effekte und Explosionen sind erste Sahne. wenn man auf Krawums steht, sollte man sich "Battleship" nicht entgehen lassen.

Es fehlt der Zucker auf dem Popcorn...

Auch wenn es der typische Hirnauschalt-Film ist und ich bekanntermaßen nicht abgeneigt bin, andere Schwächen für eine hohe Wertung zu verzeihen, hat "Battleship" dennoch arge Defizite in Sachen Handlung, Logik und vorallem den Charakteren, über die man nicht einfach so wegsehen kann.

Taylor Kitsch spielt die Hauptfigur Alex Hopper und mit ihm steht oder fällt der Film. Er wird in einer witzigen Anfangssequenz nett in Szene gesetzt, aber ganz ehrlich, im weiteren Filmverlauf wirkt er völlig deplaziert und ich kaufe ihm diese Rolle nicht ab. Denn ein Typ, der Buritos für ein Mädchen (Brooklyn Decker) klaut, die dann auch noch zufälligerweise die Tochter des Admirals (Liam Neeson in einer kleinen Nebenrolle) ist, dieser Typ ernste Probleme mit Disziplin, Zucht und Ordnung hat und nur wegen seinem Bruder (Alexander Skarsgard) bei der Navy ist, ist das Fass einfach am Überlaufen, wenn gerade dieser Tölpel aufgrund Personalmangels den Kapitän spielen muss, die weiteren Befehle gibt und Entscheidungen treffen muss, die evtl. den Untergang der Menschheit mit sich nachziehen könnte.

Man kann diese Rolle nicht als Totalausfall bezeichnen (naja, wenn ich mein Hirn anschalte, dann eigentlich doch), aber an ein Charisma eines Shia LaBeoufs kommt Taylor Kitsch nicht mal ansatzweise ran. Fairerweise muss ich sagen, dass er selber für seine Rolle nichts kann.
Auch andere Charaktere die auf See sind, sind durch die Bank weg austauschbar. An dieser Stelle will ich einmal noch die Sängerin Rihanna erwähnen, die ihr Spielfimdebüt feiert und weder positiv noch negativ auffällt. Sie erinnert mich nur ein wenig an Michelle Rodriguez (fehlt eben nur noch, dass Rihanna die Rotze durch die Nase hochzieht und den Yellow ausspuckt, dann wäre es perfekt).
Sinnbildlich für die austauschbaren Charaktere sind es gerade die Außenseiter und unkonventionellen Nebenrollen, die den Sympathiebonus  einheimsen und dieses Spektakel einigermaßen unterhaltsam machen. Schwerstbehinderte, Veteranen, schräge Wissenschaftler oder der japanische Admiral, der den entscheidenden Tipp gibt, sind die heimlichen Stars.

Kommen wir zu den Außerirdischen, die mit einer total überlegenen Technologie auf der Erde landen. Logischerweise wäre  nach fünf Minuten Feierabend (denn die erste Machtdemonstration der Aliens spricht Bände), doch die haben danach nichts besseres zu tun, als eine Knoppers-Pause einzulegen. So lange, dass sich die Menschheit (hüstel, die Amerikaner) neu ordnen kann, sich Taktiken ausdenkt und natürlich ordentlich zurückschlägt. Dummerweise sind die Außerirdischen im weiteren Filmverlauf nichtmals als die wahren Bösen auszumachen, denn sie unterscheiden Agresssoren von friedlichen Menschen (sieht man schön in einer "Terminator"-Ansicht: Rot= Feind, Grün=keine Gefahr) und verschonen dementsprechend hilflose Opfer bzw. unbewaffnete Zivilisten.  Da wünscht man sich schon mal, dass die Welt evtl. doch den Bach runter geht.

Wer sein Hirn gut ausschalten kann und keine Probleme mit dem üblichen amerikanischen Hurra-Patriotismus hat, bekommt in diesem "Transformers auf hoher See" bombastische Specialeffects, witzige Einlagen und einen coolen Soundtrack geboten. Nur in Charakterwahl und der Logik muss man noch mehr Abstriche machen, wie es ansonsten in vergleichbaren Filmen der Fall ist.

5/10

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