"Für so ne Scheiße hab ich nicht angeheuert."
Alex Hopper (Taylor Kitsch) ist Lieutenant der Navy und als Offizier auf einem Zerstörer stationiert. Trotz mehrerer Disziplinarverfahren fällt er immer wieder negativ auf. Sein letztes Vergehen veranlasst Admiral Shane (Liam Neeson) ihn endgültig aus der Navy auszuschließen, sobald das nächste Manöver beendet ist. Ein ziemlicher Rückschlag für ihn, da er mit dessen Tochter Samantha (Brooklyn Decker) zusammen ist und um eine Einwilligung zu einem Heiratsantrag bitten wollte. Aber plötzlich fallen merkwürdige Objekte vom Himmel und mehrere Schiffe, auf einem von denen auch Alex's älterer Bruder Stone (Alexander Skarsgard) stationiert ist, nehmen Kurs auf die Absturzstelle im Ozean. Vor Ort angekommen stellen sich die Gebilde als außerirdisch heraus.
Regisseur Peter Berg konnte bereits mit "Hancock" nicht das Feingefühl für Charaktere und eine Verknüpfung zwischen Handlung und effektreicher Materialschlacht belegen. Der von Spielehersteller Hasbro in Auftrag gegebene Science-Fiction Actionfilm "Battleship", der auf dem kurzweiligen Spiel "Schiffe versenken" basiert, enthält vom Konzept schon kaum Raum für eine anspruchsvolle Geschichte oder gar tiefgehende Figuren. Dummerweise zieht sich der Film allerdings in seiner Verzweiflung durch Pseudo-Anspruch in die Länge und strotzt nur so vor Logiklöchern.
Wer krachende Action und protzige Sprüche a la Michael Bay sehen will, ist bei "Battleship" genau richtig. Ganz im Stil solch eines Blockbusters ist der Film mal kurios witzig, mal überschwänglich dramatisch und stets heroisch.
Der zu erwartende Konflikt zwischen dem Militär und den Außerirdischen wird bombastisch präsentiert und erscheint mit einer frischen Idee: Die fast ausschließlichen Schlachten zu Wasser sind bislang nicht ausgereizt. Kein Wunder ist es also, dass die Actionszenen und ihre Inszenierung temporeich ausfällt und vor detaillierten Effekten nur so strotzt.
Tatsächlich könnte dies die Spannungskurve auch über die gesamte Laufzeit halten. Gerade aber zu Beginn und auch in der späteren Hälfte beschäftigt sich "Battleship" mit Belanglosigkeiten und bleibt sich selbst nicht treu.
Zugegeben, am Anfang enthält der Film noch Ideen und überrascht mit einer ungewohnt ironischen Sequenz während eines Einbruchs, zu dem die unverkennbare Melodie aus "Der rosarote Panther" stimmungsvoll genutzt wird. Solche Ausbrüche aus der strikten Erzählweise finden sich später allerdings nicht mehr.
Die ersten 30 Minuten erweisen sich als übermäßig langatmig. Neben einer oberflächlichen Charaktereinführung und den üblichen Figurenklischees folgen zu erwartende patriotische Elemente, die überaus freizügig den gesamten Film untermalen. Die durchaus unterhaltsamen Gefechte unterbricht "Battleship" immer wieder durch eine Nebenhandlung, die eigentlich völlig Unnütz ist und am Ende die Handlung überlädt. Gerade durch diesen lieblos eingebundenen Ausbau der Handlung wirkt der Film zu lang.
Es ist aber nicht die inhaltliche Einfallslosigkeit oder der aufdringliche amerikanische Heroismus, was dem Film das Genick bricht. Erzählerische Lücken und Mängel in der Logik reißen immer wieder aus dem Rythmus heraus und wollen die Atmosphäre, unterlegt durch einen stimmungsvoll rockigen Soundtrack, nicht endgültig aufkommen lassen.
Das Potential weniger hochkarätiger Darsteller wird verschwendet, während die weiteren wohl nur aus optischen oder namentlichen Gründen hinzu gezogen wurden. Das Taylor Kitsch ("The Bang Bang Club") sowie Liam Neeson ("The Grey - Unter Wölfen", "96 Hours") zu gänzlich anderen Leistungen in der Lage sind, hat man in ausgearbeiteteren Rollen bereits gesehen.
Der überwiegend auf ihre Reize beschränkte Auftritt von Brooklyn Decker ("Meine erfundene Frau") wird nur von dem überaus fraglichen Auftritt von R&B-Diva Rihanna unterboten.
Gegen Ende gibt es eine Sequenz die "Battleship" gut beschreibt: In Form von Bojen entsteht ein Raster, welches das Militär zum blinden Beschuss nutzt. Hier erkennt man wie nahe der Film seiner Spielvorlage ist und wie gut dies funktionieren kann. Neben wenigen originellen Ausbrüchen und einer immensen destruktiven Ader bietet der Actionfilm allerdings nicht viel und versenkt sich nebenbei beinahe selbst. Denn so verzeihlich der überschwängerte Patriotismus und die klischeehafte Figurenzeichnung auch ist, der verzweifelte Versuch ein Drama zu entwickeln sowie die enorme Anzahl von Handlungs- und Logiklücken stehen dem anspruchslosen Popcorn Kino überhaupt nicht. Der vergleichbare "World Invasion: Battle Los Angeles" war da zumindestens ehrlich.
4 / 10