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Mit drei „Transformers“-Filmen und „G.I. Joe“ hatte sich der Spielzeughersteller durchaus erfolgreich in der Filmbranche etabliert, weshalb selbst eine Verfilmung von „Schiffe versenken“, welches Hasbro etwas modischer raus brachte, durchgewinkt wurde.
Der aus den Quasivorgängern aus dem Hause Hasbro bewährte Mix aus Soldatentum plus Ironie bzw. Comedy soll auch hier zum Tragen kommen, führt man den Helden, Alex Hopper (Taylor Kitsch), hier als trunkenen Taugenichts ein, dem sein bei der Navy beschäftigter Bruder Stone (Alexander Skarsgård) in den Hintern tritt, damit er was aus seinem Leben macht. Alex will lieber der adretten Sam (Brooklyn Decker) gefallen, ihr dazu eine Burrito beschaffen und bricht dazu in einen Supermarkt ein, was ihm eine Verhaftung einbringt. Das ist milde amüsant, nicht zu platt, aber auch nur eine leichte Brechung des Soldatenklischees.
Zeitsprung: Alex schiebt gezwungenermaßen Dienst bei der Navy, da ihn das vorm Knast bewahrte, und ist mit Sam zusammen – deren Vater ausgerechnet der toughe Admiral Shane (Liam Neeson) ist. Als typischer Angry Young Man hört Alex nicht auf seine Vorgesetzten, auch nicht auf seinen Bruder, der dazu gehört, legt sich mit japanischen Kadetten an, als man vor einer gemeinsamen Übung sportlich gegeneinander antritt. „Top Gun“, ick hör dir trapsen, das klassische Klischee des jungen Heißsporn, der sich selbst im Wege steht, wird rausgeholt, wobei der Film hier extra aufträgt, wenn Alex mit seinen Eskapaden quasi jeden anpisst: Die Vorgesetzten, die Kameraden, den Bruder – selbst Sam wird langsam sauer.

Während der Übung plumpsen allerdings mehrere Alienschiffe ins Meer, die den drei Schiffen, die gemeinsam das Manöver proben, begegnen. Die Aliens gehen auf Konfrontationskurs – und vom Ausgang der Schlacht hängt der Fortbestand der Erde ab…
Am Regelpult des neuen Hasbro-Blockbuster sitzt Peter Berg, der Mann ohne eigene Handschrift, der sich wie ein Chamäleon an Kollegen orientiert. „The Kingdom“: Michael Mann. „Hancock“: Ein wenig Sam Raimi. Hier: Michael Bay. Wenn er allerdings für vielleicht 15 oder 20 Minuten Action, die fast alle im Showdown des Films vorkommen, mehr als zwei Stunden Film braucht, dann hat er sich leider nicht genug bei Bay abgeschaut, denn „Battleship“ gibt sich wesentlich schwerfälliger und versucht ernster als es ihm gut täte. Der Film geht auf kriegsversehrte Veteranen ein, die von Sam betreut werden, was den Film aber nicht weiter bringt. Es ist nur Aufhänger dafür, dass Sam mit einem Patienten, der Beinprothesen hat, einen Spaziergang macht, dabei auf an Land gelandete Aliens trifft und nun a) wichtige Informationen über den Plan der Aliens beigesteuert werden können und man b) mal einen Mann mit Beinprothesen im Gefecht zeigen kann. Denn mit Beinen oder ohne: In „Battleship“ sind die Soldaten Helden bis zum Schluss.
Weshalb dann auch eine Rentnergang aussortierter Veteranen auf einem alten Zerstörer rumhängt und bereit ist ins große Gefecht zu ziehen, wenn den Helden am Ende die Mannschaft ausgeht. Bis dahin muss man sich allerdings durch viele hohle Dialoge („Bitte Sir, geben Sie mir endlich einen Befehl!“) und eine schnarchige Invasionsgeschichte quälen, die zwar ansatzweise Vorgehen und Ethik der Aliens erklärt, dabei aber trotzdem erschreckend beliebig und uninteressant bleibt – bis zu einem Punkt, an dem man sich in den missratenen „Battle: Los Angeles“ zurückwünscht. Seltene Ironieeinsprengsel („Wer redet denn so?“) lockern das Ganze im Gegensatz zu der bierernsten Invasionskeule von Liebesman zwar auf, der hatte aber mehr auf der Geballerseite zu bieten.
Denn der Actionfan schaut weitestgehend in die Röhre, wird die meiste Zeit über mit ein paar putzigen Seeschlachten aus dem Rechenknecht abgespeist, die zwar ganz schick aussehen, drei Tage später aber auch wieder vergessen sind. Wenn der Film dann gegen Ende das Versprechen rumms-bummsiger Krawallaction einlöst, dann kann Michael Bay auch die natürlich besser, aber mit wirklich überzeugend getricksten CGI-Bombastgefechten kommt bei den Seeschlachten und dem Bombardement immer gut Laune auf, zum Mitfiebern lädt aber nur das Gefecht zwischen der USS Missouri und dem Mutterschiff ein. In einer der letzten Szenen wird auch gewollt das „Schiffe versenken“-Prinzip eingebaut (blind schießt man die Koordinaten sich nähernder Alienschiffe), Gerissenheitspreise räumt die Szene aber nicht ab.

Schauspielerisch ist hier wenig los: Taylor Kitsch bleibt enttäuschend blass, während Liam Neeson mal wieder als echter Bad Ass auftrumpft, aber in nur wenigen Szenen vorkommt. Weiterer, guter Support (Alexander Skarsgård , Tadanobu Asano) kommt begrenzt zum Tragen, Brooklyn Decker fällt nur durch die prall gefüllte Bluse auf und Rihanna ist eine dermaßen schlimme Antischauspielerin, dass die Filmversuche von Mariah Carrey und Michael Jackson fast schon wieder zu entschuldigen sind. Ganz ehrlich: Selbst Justin Bieber oder Miley Cyrus würde ich den toughen Soldatencharakter eher abnehmen.
Zudem verzettelt sich der Film in seinen Ansätzen: Die Schlacht als Reifen des Helden zu beschreiben ist durchaus okay – weniger okay ist allerdings, dass durch das Ungestüm des Helden erstmal Hunderte Soldaten zum Tode verurteilt werden, ehe er umdenkt, der Film ihn aber immer nochals Strahlemann deluxe verkaufen will. Da macht die Versöhnung mit den Japanern den Kohl auch nicht mehr fett.

In seinen Momenten krawalliger Action nach Bay-Strickmuster macht „Battleship“ dank toller FX und der unverbrauchten Actionform Seeschlacht durchaus Spaß, der Rest vom Fest ist allerdings zu einfallslos, zu stumpf und zu langweilig um das Ganze noch zu retten – nicht zuletzt, da der Film bei einer Länge von mehr als zwei Stunden verhältnismäßig wenig Radau zur eigenen Ehrenrettung auffährt.

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