Review

2012 hätte das Jahr von Taylor Kitsch werden können, ja sollen. Stattdessen wird Mr Kitsch am Ende wahrscheinlich froh sein, wenn er nicht vollends den Bach runter geht und demnächst nur noch Direct to DVD Filme in Bulgarien oder Moldawien dreht. Während andere aufstrebende Jungschausüieler mit gerade mal ein bis zwei potentiellen Blockbustern aufwarten, in denen sie auch noch möglichst Massenkompatibel in Szene gesetzt werden, kam Taylor Kitsch gleich mit DREI absoluten Blockbusteraspiranten innerhalb von vier Monaten in die US-Kinos. Und jeder einzelne von ihnen floppte auf’s Übelste.

In dieser Kritik widmen wir uns Battleship. Battleship ist das filmgewordene Spiel Schiffe Versenken von Hasbro. Da man nun mal nicht mit A2 oder I5 einen ganzen Film ausfüllen kann, wurde glatt eine Story um bösartige Aliens entworfen, die die Erde angreifen und nur die Navy kann uns retten. So weit so amerikanisch. Hinzu kommt eine Optik, die nicht umsonst sehr stark an Michael Bay erinnert – der Mann, der Hasbros anderes Franchise „Transformers“ so maßgeblich geprägt hat - und Jungschauspieler, die allesamt noch hungrig sind.

Man nehme dann einen gestandenen Schauspieler, der eigentlich schon über seinen Zenith ist (Liam Neeson), eine gerade angesagte Sängerin (Rihanna) und man hat gleich ein paar weitere Zuschauer hinzugewonnen.

Als Regisseur wird Peter Berg verpflichtet, der sich einen Namen gemacht hat als Chamäleon in Hollywood, er kann fast jeden namhaften Regisseur fast 1:1 kopieren, geht los über Tony Scott (Welcome to the Jungle), geht über Michael Mann (dieser Terror-Film mit Jamie Foxx), Steven Spielberg (erste Hälfte von Hancock) bis zu Michael Bay (Zweite Hälfte von Hancock), der hier laut Trailern zwar erneut auf Bays Spuren wandeln sollte. Doch dann kommt das Skript!

Natürlich ist hier alles Malen nach Zahlen: Junger Draufgänger mit Autoritätsproblem (Taylor Kitsch) steht gerade vor Rausschmiss aus Navy, im Auge der Katastrophe wächst er über sich hinaus, rettet alle und wird zum Hiro (weiter unten wird klar werden warum mit i).

So banal und vorhersehbar der Plot auf dem ersten Blick wirkt, so ist er auf seine Art herrlich altmodisch (wenn man die 90er Jahre als altmodisch abtun möchte) geraten. Die Kämpfe sind überschaubar, die Story nicht allzu hektisch geraten, die darsteller sind allesamt nicht so super gelackt wie bei Bay, sondern wirken allesamt normaler. Und die Aliens sind glücklicherweise in keinster Art und Weise solche pathetischen Witzfiguren wie die Transformers. Im Gegenteil, wir haben es hier mit einer Art Independence Day auf Sparflamme zu tun. Sparflamme insofern, weil hier nicht gleich die ganze Welt zerstört wird, sondern eine erste Angriffswelle zurückgeschlagen wird.

Im Prinzip könnte man auch sagen, bei Battleship handelt es sich um Avengers nur ohne Superhelden, dafür mit mehr Fun. Denn Spaß macht er allemal.

Was also bricht Battleship an den Kinokassen das Genick?

Die Story ist es sicherlich nicht, sie ist frech, frisch (den Umständen entsprechend) und massentauglich. Die Darsteller, allen voran natürlich Taylor Kitsch, können
sich für weitere Blockbuster bedenkenlos empfehlen, sogar eine Rihanna macht
eine nicht zu schlechte Figur.

Die Musik ist good old school, der Schnitt ist gut, die Kamera gefällig, die Ausstattung macht auch was her. Prinzipiell gibt es kaum etwas an dem Film als netter Popcorn-No-Brainer auszusetzen.
einzig die Effekte wirken teilweise nicht mehr 100%-ig zeitgemäß, aber das ist verkraftbar.

 Also was wird es gewesen sein?

Wenn man im Kielwasser des Monsterhits Avengers in die Kinos kommt, mit quasi der gleichen Story, nur mit weniger Zugkraft und dann auch noch wie der kleine sympathische Bruder dessen wirkt, dann hat man einfach keine Chance. Nicht mehr und nicht weniger.

Dabei hat Battleship wirklich mehr zu bieten als man meint: Er ist auf gewisse Weise weniger das gloriose neue Superamerika abfeiernd als man anfangs befürchten würde: So fällt beispielsweise schon auf, dass es eben nicht die Vorzeigebarbies und –kens der Navy sind, die den Tag retten, sondern:

Ein ausrangierter Panzerkreuzer mit uralten Veteranen

Ein japanischer Austauschoffizier

Ein beinamputierter depressiver ex-marine

Und natürlich ein heisssporniger junger Rebell mit Autoritätsproblem

Taylor Kitsch selbst kann also für diesen Flop nichts, selbst der Film kann nichts dafür, war nur zur falschen Zeit der falsche Film. Schade eigentlich. Weitaus besser als Transformers. Aber auf der anderen Seite: Auch besser so, denn mehr von Alienfilmen dieser Art braucht die Welt weissgott nicht. Vielleicht mal wieder was Originelles?

7 Punkte

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