Review enthält leichte Spoiler!
Ein historischer Tag! Denn es ist mal wieder soweit, ich darf mich unbeliebt machen. Heute geht es um "Battleship" einem Film, der auf das Hasbro Spiel "Schiffe versenken" basiert. Wie lange habe ich auf diese Verfilmung gewartet, schon als ich damals für ganze 10 Minuten meines Lebens dieses Gesellschaftsspiel gespielt habe sagte ich mir, da MUSS eine Realverfilmung her, denn in diesem Spiel steckt einfach so unglaublich viel Potenzial für eine tiefsinnige Story. Und damit das ganze noch gut garniert wird, sollen selbstverständlich auch Aliens auftreten, die beim Gesellschaftsspiel eher im Hintergrund blieben. Bevor uns also noch eine Monopoly Verfilmung bevorsteht, bei der Zombies sich auf der Schlossallee rumbeißen dürfen ohne dass sie über LOS kommen, wurde mein Traum wahr und ich konnte mir diese lang ersehnte Verfilmung anschauen. Und es war ein Erlebnis, Welches ich nie wieder vergessen werde.
Alle die jetzt bis hier hin gelesen haben dürfen nun aufatmen, denn ab JETZT wird es ernst. Wenn man an einen Film herangeht und einen Film wie Transformers erwartet, dann erwartet man einen unterhaltsamen Actionfilm, der sich selbst nicht ganz so ernst nimmt und wenigstens mit witzigen Dialogen und grandiosen Effekten punkten kann. Was ich dann bei "Battleship" zu sehen bekam lässt sich kaum in Worte fassen. Es passiert wirklich nicht oft, dass ich mir während des Filme gucken ein Kissen aufs Gesicht presse und mit der Faust gegen schlage. Wie vielleicht einige der treuen Leser wissen, stört mich amerikanischer Patriotismus in Action - und Invasionsfilmen in der Regel nicht. Doch alles, ja auch bei mir, hat seine Grenzen, denn was hier veranstaltet wird lässt jeden noch so Pathos triefenden Film, der auf der Erde existiert, alt aussehen. Also nennen wir das Kind doch einfach beim Namen bevor es zu den einzelnen Punkten geht : "Battleship" ist mit weitem Abstand der schlechteste und unerträglichste Film den ich seit vielen vielen Jahren gesehen habe.
Alex Hopper ist ein Taugenichts. Er vegetiert vor sich hin und besäuft sich und macht vor allem seinen Bruder das Leben relativ schwer. Als er bei einem seiner Sauftouren in einer Bar eine bildhübsche und hungrige Frau kennenlernt entschließt er sich sie mit allem Mut anzusprechen. Die Frau möchte unbedingt einen Burito, doch der Barkeeper weigert sich um die späte Uhrzeit noch warmes Essen zuzubereiten. Was macht man da also als Gentleman? Man bricht mit viel Elan und Selbstbewusstsein in eine Tankstelle ein, um einen Burito zu "kaufen", um die arme hungrige Frau glücklich zu machen. Dummerweise wird er von der Polizei erwischt und mit einer Taser Gun nieder gestreckt. Doch im letzten Moment schafft er es, den Burito zu überreichen, nur hat er eben jetzt eine menge Ärger an der Backe. Alexs Bruder platzt der Kragen und schleppt ihn in die Marine, wo ihm Disziplin und Gehorsam beigebracht werden soll. Doch Alex benimmt sich auch in der Navy noch daneben. So legt er sich mit einem Offizier der japanischen Marine an und bringt Schande über seinen zukünftigen Schwiegervater, der der Vater der "Burito-Frau" ist. Diese geht nebenbei mit einem Ex-Soldaten auf psychotherapeutische Wanderung. Alex wiederum benimmt sich weiter wie ein Arschloch und kriegt die Quittung : Er soll in naher Zukunft aus der Marine entlassen werden. Achja! Nebenbei greifen noch böse Aliens an.
Was zum Teufel ging hier nur in Regisseur Peter Bergs Kopf vor? Nicht nur, dass er hier den schlechtesten Cast seit langer Zeit zusammen geschustert hat, dazu später mehr, er bringt uns zudem noch eine Story, die derart langweilig ist, dass man sich schon nach 5 Minuten wünscht, dass der Film gleich zu Ende ist. Dabei greifen die Aliens erst viel später an, viel zu spät sogar. Aber auch dann wird der Film nicht besser, denn wenn man schon einen Film vorgesetzt bekommt, bei dem die Story nichts taugt, will man wenigstens ein paar ordentliche Effekte zu Gesicht bekommen, doch auch die bleiben hier vollkommen aus. Mag sein, dass dieser eklige Film vor 6 bis 7 Jahren optisch ein Meisterwerk gewesen wäre, doch auf heutigen Standard gemessen, kann der Film auch von den Effekten her überhaupt nicht beeindrucken. Dazu sehen die Aliens total dämlich aus, fast schon wie Karikaturen. Aber auch darüber könnte man theoretisch hinwegsehen, wenn der Film sich selbst nicht ernst nimmt. Doch auch das tut der Film nicht. Im Gegenteil, er nimmt sich sogar todernst und mit Ausnahme von einem Typen, der wie ein Matt Damon Double aussieht, der alle 30 Minuten ein dummen Spruch abgibt (wovon kein einziger auch nur ansatzweise lustig ist), gibt es hier absolut keinen Humor. Dann haben wir den amerikanischen Patriotismus. Meine Güte, was schlägt man hier doch über Stränge. Die Amis sind die Helden? Juckt mich nicht, gehört dazu. Die Navy werden als permanent ehrenhafte Männer dargestellt? Auch damit komme ich gut zurecht. Eine amerikanische Flagge? Überhaupt kein Problem. Doch hier gibt es genau zwei Szenen, eine kurze und eine ewig ewig Lange, wo man gewisse Grenzen überschritten hat. Die eine Szene betrifft einen bestimmten Charakter, auf den ich später eingehe. Die andere Szene kommt kurz vor dem Finale. Unsere Mannschaft ist in Not, sie brauchen ein Schiff und wollen zum finalen Schlag ausholen, doch sie haben nur noch ein altes Schiff aus dem zweiten Weltkrieg zur Verfügung. Was tun? Natürlich! Veteranen aus dem zweiten Weltkrieg, die in cooler Zeitlupe auf die Bildfläche treten und nochmal richtig cool in den Krieg gegen die Aliens ziehen dürfen und dabei auch ordentlich ballern dürfen. Was für eine gequirrlte Scheiße hat uns Peter Berg hier nur geboten? Ich bitte um Vergebung für diese vulgäre Aussprache, aber als ich den Film gesehen habe, konnte ich vor lauter Zorn fast schon nicht mehr atmen! Dieser Mann hat uns Filme wie "Very Bad Things" gebracht, ein wirklich großartiger Film. Oder auch "Hancock", der zwar nicht perfekt war, aber zumindest gut unterhalten konnte. Was für eine Laus ist ihm nur über die Leber gelaufen, dass er uns mit so einem Film hier quält?
Beim Cast hat man durch die Bank weg nur Fehler gemacht. Wie konnte sich nur ein so großartiger Schauspieler wie Liam Neeson dazu herablassen hier bei diesem Film mitzumachen? So viel Geld KÖNNEN die ihm doch gar nicht geboten haben. Liam Neeson spielt hier zwar kaum mit, aber in so einer schlechten Verfassung habe ich diesen großartigen Mann wirklich noch nie gesehen und ich bin mir ziemlich sicher, dass dieser Film den Tiefpunkt seiner Karriere darstellen wird, ja sogar noch weit unter seiner Performance als Zeus in "Kampf/Zorn der Titanen". Taylor Kitsch darf hier mal wieder die Hauptrolle übernehmen und nachdem er schon in "John Carter" komplett scheiterte, beweist er hier wieder mal, dass er als Schauspieler so gar nichts auf dem Kasten hat. Erst versaut er uns den großartigen Comichelden "Gambit", dann die historische Literaturfigur John Carter und jetzt schafft er es hier nicht einmal als simple Matrosenschlafmütze zu überzeugen. Selbst Donald Duck hat als Matrose mehr Persönlichkeit und Charaktertiefe. Alex Hopper ist eine Hauptfigur, die permanent an den Nerven zerrt und unbelehrbar daherkommt. Warum er später diesen plötzlichen Sinneswandel hat und zum heroischen Musketier erwacht, wird im Film nie erklärt. Noch dazu spielt Taylor Kitsch so unglaublich eindimensional und ohne irgendwelche Emotionen. Im Prinzip ist es genau die gleiche Art wie er Gambit und John Carter verkörpert hat. Dann haben wir als weiblichen Cast die großartige Charakterdarstellerin Rihanna, die man hier mit einer bestimmten goldenen Frucht begraben sollte. Wie kommt man nur auf die Idee, eine so talentfreie Nudel wie Rihanna (für mich sowohl musikalisch, als auch schauspielerisch) in einer Rolle als Mannsweib unterzubringen? Ihre Stimme ist einfach unerträglich und quietscht so ekelhaft, dass ich mir jedes mal gewünscht habe, dass ich bitte jetzt einen schweren Hörsturz kriegen werde. Aber bitte, wer wollte nicht schon immer Rihanna mit einer riesigen Kanone rum ballern sehen? Rihanna erreicht hier ungefähr das Niveau von Megan Fox in "Transformers". Nämlich gar keins. Dann haben wir als weiblichen "Hauptcast" Reila Aphrodite als Sam. Ich habe von dieser guten Dame noch nie etwas gehört, aber besonders gut scheint sie nicht zu sein. Sie sagt halt fleißig ihre Texte auf und sorgt ansonsten nur für den üblichen "Bring mein Vater dazu dich zu mögen" Scheiß. Dann haben wir noch Alexander Skarsgard, der ein ganz ganz minimaler Lichtblick ist. Ich mag den Kerl irgendwie, weil man von ihm auch in Zukunft noch viel Gutes erwarten kann. Doch man merkt hier richtig, dass er hier in der Rolle als Alexs Bruder vollkommen unterfordert ist und man weiß schon von der ersten Sekunde an, wohin die Reise mit ihm gehen wird. So kommen wir aber jetzt zum absoluten Knaller. Hier spielt außerdem noch ein Mann namens Gregory D. Gadson mit. Ein echter Soldat, der auch im wahren Leben beide Beine durch den Krieg verloren hat und seither nur auf 2 Prothesen laufen kann. An sich finde ich das ja ganz löblich und ich bewundere auch die Courage von diesem Mann. Doch was der Kerl hier in diesem Film anstellen muss hat wirklich einen üblen Beigeschmack. Nicht nur, dass er stolz mit einem Maschinengewehr auf die Aliens ballern darf und somit beweisen darf, dass er noch ein guter Soldat ist, nein, er darf dann sogar noch munter aufstehen, und Mann gegen Mann gegen eines dieser bösen Aliens kämpfen. Und dabei trägt er noch ein T-Shirt auf dem dick "Army" drauf steht. Ich finde es wirklich erschreckend dass dieser vom Schicksal gebeutelte und sicher auch bewundernswerte Mann sich so eine Blöße geben muss. Ich habe fast das Kotzen bekommen, obwohl Gregory D. Gadson eigentlich gar nicht so schlecht gespielt hat. Zum Rest muss man wirklich nicht mehr viel sagen. Ein dummer Charakter folgt dem Nächsten, sei es Matt Damon für Arme oder dieser seltsame Satellitenaufpasser, dessen Rolle total rein gepresst wirkt.
"Battleship" ist eine filmische Katastrophe und würde auch in einer "Top 20 der schlechtesten Filme die ich jemals gesehen habe" Liste auftauchen, wenn ich eine machen würde. Grottenschlechte Schauspieler, 0 Unterhaltungswert, enttäuschende Effekte die höchstens Mittelmaß sind und eine Finalschlacht, wie man sie schlechter nicht hätte inszenieren können. Aus diesen Gründen rate ich allen die Finger von diesem Haufen Mist zu lassen. Trash-Fans sollten lieber zur Asylum Version greifen, Welche gar nicht erst versucht ein guter Film zu sein und weil dort wenigstens die Trash-Unterhaltung vorhanden ist.
Fazit : Jedes 6 Stunden lange "Schiffe versenken" Spiel ist spannender als dieser Scheißfilm. "Battleship" hat mich nicht enttäuscht, es hat mich im Höchsten Maße verärgert und ich wünschte ich hätte diesen Kram niemals gesehen. Allerdings gibt es nach dem Abspann eine kleine Zusatzszene. Unglaublich aber wahr, diese kleine Szene nach den Credits gefiel mir! Und diese belohnen ich auch mit einem grandiosen Punkt!
1/10