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Da war man mal das verdammt heißeste Ding, was Hollywood im Sommeraufgebot hatte und irgendwann schleicht sich die Flaute ein. Ruckzuck sind ein paar Jahre, bald schon ein Jahrzehnt rum und die Fans fragen sich, was eigentlich aus den Helden des letzten Jahrzehnts geworden ist. Vom Megastar zum angesehenen Star, bei dem die Zuschauer nicht mehr so recht wissen, was der letzte Knüller gewesen ist.
Da erinnert man sich doch gern mal wieder der alten Erfolge und bemerkt dann auch vielleicht, daß man da eine potentielle Trilogie noch nicht abgeschlossen hat. Das schnuppert nach einem Neustart für alle Beteiligten und siehe da, sie haben es, wie im Fall von "Men in Black 3" auch dringend nötig.
Ein Blick in die Runde tuts schon: Will Smith? Hatte seit 2008 nichts mehr auf der Pfanne, die letzte dramatische Schmalzgeschichte eher unter dem Schnitt, kreativ und finanziell in jeder Hinsicht, die Berichterstattung beschränkte sich auf die möglichen Eheprobleme des Stars. Tommy Lee Jones? Kleine, feine Schauspielrollen, die den kreativen Sektor des Schauspielers sicherlich recht glücklich machen, aber inzwischen schon zu alt, um noch zentral zu glänzen. Barry Sonnenfeld? Wer bitte schön, ist das denn? Nach "Men in Black 2", der auch schon 10 Jahre her ist. Eine mäßige Robin-Williams-Komödie. Fernseharbeit, Produzentenjobs.
Also sucht man ein Drehbuch, um einen gewissen Kickstart im 3D-geschwängerten Blockbusterprogramm, samt und sonders comicbasiert oder teenagerfreundlich, aus dem Boden zu stampfen. Gut, vielleicht hätte man sich nicht unbedingt einen mittelmäßigen Autor wie Etan Cohen heranholen sollen, der sich durch die Franchise durchknuspert und alles aussiebt, was irgendwie nach Erfolgsrezept aussieht. Aber immerhin: großes Budget, bekannte Stars und reichlich Erinnerungspotential. In 3D!

Und da sieht man ihn schließlich vor sich, 15 Jahre nach dem umjubelten und ziemlich originellen ersten Film und hält natürlich zwangsläufig Ausschau nach all den positiven Eindrücken und guten Gags, die das Original zu so einem denkwürdigen Film gemacht haben, daß man auch nach anderthalb Jahrzehnten immer wieder im TV an ihm hängen bleibt.
Leider ist eine derart hochwertige Ausbeute nicht zu erwarten, war doch schon der zweite Teil, fünf Jahre nach dem ersten, mehr oder weniger nur eine Hochgeschwindigkeitswiederkäuung bekannter Elemente, die mehr Gewicht auf Tempo als auf wirkliche Weiterentwicklung oder auch nur Raffinesse legte.
In diesem Fall kommen zwar alle Beteiligten wieder zusammen, erwarten konnte man aber keine erzählerische Glanzleistung, zu lange wartet man schon auf einen runden Abschluß.

Und so plätschert MIB3 dann auch mit 3D-Hypothek zum Aufhübschen im Rucksack in der ersten halben Stunde so gemächlich dahin, als sei es tatsächlich einfach nur eine beliebige Folge einer MIB-TV-Serie. Die Beziehungen zwischen den Titelcharakteren gelten als bekannt und gegeben und so darf man sich einfach in die Handlung stürzen: wieder mal ist ein Alien-Krimineller entkommen, nur haben ihm diesmal die aparten D-Körbchen von Nicole Scherzinger zur Flucht verholfen. Also machen sich J und K in ihrer Agentenrolle ans Werk und zumindest zu Beginn kann man der Angst verfallen, die kreative Trägheit hätte sich auch auf die Hauptdarsteller ausgewirkt, denn Will Smith spielt zumindest etwas (und dafür ist man eigentlich dankbar) mit gebremstem Schaum, Tommy Lee Jones dagegen, schon jenseits der 65, bietet dagegen (drehbuchgemäß) einen erschreckenden Anblick. Unemotional, unbeteiligt, nicht mal sonderlich kantig, sondern nur tiefenentspannt und mit dem motivierten Gesichtsausdruck eines Schlaganfallopfers, müht er sich durch "seine" halbe Stunde an Film, die ihm skriptgemäß auch nicht viel mehr bietet als diesen gemächlichen Aufwasch.

Ergo klappert man relativ gagarm die üblichen Jokes ab, bringt ein paar Aliens zur Strecke, blitzdingst Unbeteiligte und erzählt irgendwelchen Stuß und der Ex-MIB-Boss in Gestalt von Rip Torn wird zu Grabe getragen, denn der Darsteller stand ja nun nicht mehr zur Verfügung (dank eines begangenen Bankraubs!!!). Gleichzeitig bekommt man mit Emma Thompson eine neue Chefin vorgestellt, die weder extrem glänzen kann, noch durchfällt, aber so etwas wie die unbemerkteste Romanze der Welt mit Jones hinlegen muß.
Während das Rudiment von Plot dahinflattert, bemerkt der geschulte Zuschauer, daß der filmumspannende Einsatz von Computern offensichtlich hier auch noch bei den Darstellern zur Politur angewendet wurde, denn Jones und Thompson wurden so brachial gründlich die Falten weggebügelt, daß man manchmal meint, es handele sich um deren CGI-Abbilder.

Erst wenn der eigentlich Plot rund um eine Zeit-Raum-Fraktur in Gang kommt (Jones wurde aus dem allgemeinen Gedächtnis aller Beteiligten gelöscht, weil in der Vergangenheit getötet), stellen sich neben dem Tempo auch die nötigen Witze ein (passenderweise kommt der erste brauchbare Joke von einem Fünfjährigen, dem Smith die Schokoladenmilch klaut). Und sobald Smith seinen Zeitsprung ins Jahr 1969 gemacht hat, kommt auch Josh Brolin als jüngere Version von Jones ins Spiel und klatscht alle gemütlich routiniert an die Wand, denn so perfekt ist wohl selten ein jüngeres Ich rübergekommen. Leider ist zu diesem Zeitpunkt schon der halbe Film rum und die Abenteuer in der Hippiezeit sind eigentlich nur amüsantes Beiwerk mit ein paar Standards, die schließlich (und fast überraschend) in einem echten erzählerischen Höhepunkt münden (der aber auch schon von der Filmgeschichte durchgenudelt wurde). Das erlaubt einem mehr als routinierten Film dann plötzlich einen schönen runden Abschluß, der nicht so ganz einleuchten will, aber ein bißchen mehr bietet als den finalen Catch des Alien-Schwerkriminellen. Der ist übrigens eher mäßig gezeichnet und kein Match für D'Onofrios Tour de Force aus dem ersten Film.

Es muß sich also schon etwas in Geduld geübt werden, um das wahre Amüsement hier herauszudestillieren. Am besten funktionieren eigentlich die sonst schon eher abgedroschenen Hautfarbenjokes, wenn Smith von zwei Polizisten 1969 wegen Autodiebstahls hochgenommen wird oder eine Sequenz in Andy Warhols "Factory", die einiges an unerwarteten Witzen und Wendungen bringt. Leider kann das den Film nicht mehr in den Bereich "erntefrisch aufbereitet" retten, zu gemächlich und routiniert geht man hier zu Werke, zu festgefahren ist schon das Konstrukt der Aliens und der planetenweiten Bedrohung (wieder mal rund um ein "Schmuckstück") und trotz netter 3D-Effekte bleibt selbst das großangelegte Finale beim Start von Apollo 11 im Vergleich ziemlich bieder. Als kuriose Schlüsselfigur "Griffin" kann wenigstens Michael Stuhlbarg die meisten emotionalen Szenen retten und für kuriose Aussetzer erzählerischer Natur sorgen.

Fest steht, die Saga ist jetzt rund und die üblichen 3D-Mätzchen hätte der Film nicht gebraucht, dafür mehr Humor und den Willen, die bestehenden Regeln einmal mehr zu brechen, anstatt nur ständig wie nebenbei damit herumzuspielen. So ist "MIB3" dann doch nicht besser geworden als die hektische Neuauflage von 2002, sondern eine gemächliche Weitererzählung, die ihrem emotionalen Kern etwas mehr hätte vertrauen sollen. Und das Fehlen substanzieller Frauenfiguren ist auch etwas, was sich in dieser Drei-Männer-Story eher negativ bemerkbar macht, denn die hintergründige Romanze zwischen den Agenten K und O bleibt so rudimentär und aufgesetzt, wie sie nur kann und findet auch am Ende keine Entsprechung im Zeitreiseplot.
Nette Sache also, aber bei weitem kein Highlight im endlosen Blockbusterkrieg. Daß dritte Teile auch in diesem Fall nicht die Spannung halten können, wird aber wieder mal belegt, nur überdreht hier keiner, stattdessen fängt man die Aliens eher untertourig. Aber, und das muß man allen Beteiligten zugestehen, wir werden nun mal nicht jünger... (6/10)

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