"Step up: Miami heat" ist ein Tanzfilm, dazu noch in 3D gedreht, der nur ein Ziel verfolgt - schöne und gut trainierte junge Menschen in Solo- und Gruppentänzen zu performen, um vor coolen Locations zu rhythmischer Musik das Auge der daran Interessierten zu erfreuen. Angesichts der üblichen Professionalität im us-amerikanischen Film und dessen unerschöpflichen Fundus an Talenten, überrascht es nicht, das diese Zielvorgabe souverän umgesetzt wurde. Viel mehr bräuchte man über den Film nicht zu erwähnen, wenn es sich dabei nicht um ein drittes Sequel handelte, das zudem den schönen Zusatz "Revolution" im Titel trägt.
Ausnahmsweise hatten die deutschen Verleiher einmal das richtige Gespür, diesen auch im Deutschen leicht verständlichen Begriff wegzulassen und den Film stattdessen austauschbar, aber wesentlich treffender Miami Heat zu benennen. Während früher Fred Astaire und Ginger Rogers auch naive Stories mit ihrer Persönlichkeit anreicherten, werden die Darsteller für jeden "Step up" - Tanz - Film neu gecastet. Keine Frage - sie können tanzen, sind hübsch und verfügen über einen perfekten Body, aber es fällt schwer, sie in Erinnerung zu behalten. Das die beiden Hauptdarsteller (Ryan Guzman, Kathryn McCormick) in ihrer Physiognomie dem Massengeschmack entsprechen, war zu erwarten, aber auch die Nebenfiguren, deren Status von cool, über abgedreht, bis nerdig und künstlerisch reicht, sind vollständig nach Klischee getrimmt, eben so, wie sich das durchschnittliche Publikum solche Typen vorstellt.
Das alles wäre legitim, wenn nicht gleichzeitig eine Story erzählt würde, deren Wahrscheinlichkeit gegen null tendiert. Im Mittelpunkt steht eine Tanzgruppe, die sich "The mob" nennt, weil sie plötzlich mitten im Alltag ihre Performance abzieht, egal ob auf den Straßen von Miami oder in einem Museum. So weit, so spektakulär, denn das eine solche Qualität nur durch ständiges Trainieren und Proben möglich ist, darüber durften Tanzfilme schon immer hinweg sehen, aber gleichzeitig erzählt der Film noch die Mär der einfachen jungen Leute, die einfachen Jobs nachgehen und in einem ursprünglichen, leicht herunter gekommenen - natürlich alles schön pittoresk gefilmt - Hafenviertel von Miami leben.
Sean (Ryan Guzman) und sein bester Freund arbeiten als Kellner in einem großen Hotelkomplex, ein eher schlecht bezahlter Job, ähnliches gilt für ihre "Mob"-Freunde, aber wenn man sich ihre technische Ausrüstung und Klamotten-Ausstattung ansieht, fragt man sich automatisch, welcher Millionär sie sponsert. Allein die Musikanlage, mit der die super-coole Penelope (Cleopatra Coleman) ihrer Truppe auf den Straßen Miamis einheizt, dürfte locker ein Jahreseinkommen kosten. Unter diesen Umständen ist es auch nicht erstaunlich, das die Tanzeinlagen beim "Youtube"-Publikum bestens ankommen, für das immer eine Kamera die Szenen in top-Qualität festhält. Nach außen spielt der Film immer mit dem Risiko, dabei im Knast landen zu können, aber angesichts ihrer perfekt restaurierten Oldtimer, auf denen die Gruppe ihre Tänze gleich zu Beginn absolviert, hätte die Polizei keine Chance gegen die Publikumsmeinung.
Interessant wäre es gewesen, wenn begabte Tänzer ohne den Ausstattungsfirlefanz, ohne perfekte Musikbeschallung und ohne die Oscar-taugliche Kameraführung mit einer innovativen Gestaltung den Straßenverkehr unterbrochen hätten. Das wäre ein Risiko gewesen und hätte die Bezeichnung "Revolution" ein wenig verdient gehabt. Stattdessen fährt der Film, um diesen noch zu untermauern, weitere schwere Geschütze auf, indem er einen Magnaten (Peter Gallagher) ausgerechnet in ihrem Hafenviertel einen Hotelkomplex planen lässt. Zudem handelt es sich bei Emiliy (Kathryn McCormik) nicht nur um die beste Tänzerin und das Love-Interest des männlichen Protagonisten, sondern auch noch um die Tochter des Big-Boss, die sich auf die Seite des "Mob" stellt, der mit seinen Aktionen gegen dessen Pläne antritt.
Herausgekommen ist dabei die us-amerikanische hollywoodsche Revolutionsvorstellung. Nachdem der "Mob" bei der feierlichen Eröffnung des Bauvorhabens ein Feuerwerk an Tanzeinlagen abgezogen hatte, das an Aufwand jeder Las-Vegas-Show zur Ehre gereicht hätte, wird natürlich auch der Bürgermeister und der Big-Boss weich und verschiebt den Komplex einfach um ein paar hundert Meter - Geschäft bleibt schließlich trotzdem Geschäft und darf in den USA nicht einmal im Film geopfert werden. Und so schön multi-kulti die Tanztruppe sonst daher kommt, das im Mittelpunkt stehende Paar ist selbstverständlich weiß. Klar doch, das der "Mob" auch noch ein super Engagement bekommt. Es lebe die Revolution! - Ein Auge kann sich schon an den Tänzen erfreuen, aber das andere muss dafür blind sein (2/10).