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Janet Leigh spielt eine junge Angestellte, die ihren Chef um 40.000 Dollar erleichtert und mit dem Geld flieht. Wegen des schlechten Wetters muss sie in dem Motel eines unheimlichen Psychopathen, gespielt von Anthony Perkins absteigen und prompt wird sie unter der Dusche erstochen. Ein paar Tage später machen sich ihre Schwester und deren Freund auf die Suche nach ihr und ihre Spur führt ebenfalls in das Motel des Psychopathen.

Wenn man die besten Filme aller Zeiten aufzählt wird Alfred Hitchcocks "Psycho" in einem Atemzug mit "Casablanca" oder "Citizen Kane" genannt und ist einer jener Klassiker, die man guten Gewissens als zeitlos bezeichnen kann. Hitchcock leistete mit "Psycho" überragende und wirklich wichtige Pionierarbeit und lieferte einige brutale und blutige Szenen, die damals einen Aufruhr verursachten. Darüber hinaus wurde Hitchcock ebenfalls kritisiert, da er seine Darstellerin Janet Leigh überaus freizügig in Szene setzte und in der berühmten Dusch-Szene trieb er es mit Sex und Gewalt auf die Spitze. Anfangs wurde sein Werk von den meisten Kritikern niedergemacht, die katholische Kirche beantragte ein Verbot des Films, Walt Disney verbot Hitchcock später in Disneyland zu drehen und einige Psychiater waren der Auffassung, dass man besser nicht in den Film gehen sollte. Nach dem überragenden finanziellen Erfolg, der so ziemlich alle Rahmen sprengte fanden alle Kritiker den Film aus heiterem Himmel wieder gut und erklärten ihn zu einem der wichtigsten und besten Filmen aller Zeiten. Hitchcock lieferte damit das wohl beste B-Movie aller Zeiten, zumal er bewusst mit einem kleinen Budget von nicht einmal einer Millionen Dollar arbeitete und inszenierte gleichzeitig einen der ersten Psycho-Thriller überhaupt mit einem schizophrenen Charakter, wie man es heute noch aus "Fight Club" oder "Identität" kennt. Außerdem lieferte er noch vor "Halloween", "Freitag der 13." und "Nightmare on Elm Street" einen der ersten Slasher-Filme und sorgte zudem dafür, dass die Zensurvorschriften gelockert wurden und das Hollywood mit der Zeit enttabuisiert wurde, womit er für Tausende weitere Filme und für bekannte Regisseure wie John Carpenter, Wes Craven und Brian de Palma den Weg ebnete. Aber auch wenn man diese Fakten beiseite lässt und den Film ganz nüchtern betrachtet, ist er auch beinahe 50 Jahre später noch schockierend und das mit Abstand beste, was ich je vom Altmeister gesehen habe.

Das Highlight des Films ist natürlich die Inszenierung von Hitchcock, die kaum visionärer und virtuoser sein könnte. Der Schnitt und die Perspektiven stimmen zu jedem Zeitpunkt und vor allem bei der nahezu legendären Dusch-Szene sieht man, wie perfektionistisch der Altmeister war, die Szene ist mit mehreren Perspektiven gedreht und sorgte sicherlich zu Recht für Aufsehen (unbedingt mal die Schnittfolge der Duschszene auf Wikipedia nachlesen). Die Grenzen zwischen Gut und Böse lässt Hitchcock dabei geschickt verschwimmen und richtet sowohl den Hass und die Furcht, aber auch das Mitleid des Zuschauers auf den Psychopathen. Er hält das Tempo relativ hoch und steigert konstant Spannung und Dramatik. Mit der düsteren Kulisse und der Inszenierung in schwarz-weiß, sowie dem legendären Soundtrack von Bernard Herrmann, der einem immer noch durch und durch geht, und natürlich einem Schuss Gewalt kann Hitchcock zudem eine gespannte und bedrohliche Atmosphäre aufbauen und bis zum Ende halten. So zünden die perfekt getimten Schock-Momente natürlich noch besser und "Psycho" erzielt eine noch verstörendere Wirkung. Immer, wenn man als Zuschauer meint, dass es nicht mehr spannender und schneller geht, legt Hitchcock noch einmal nach. Mit einem Hauch von Erotik rundet der Altmeister sein Werk ab und legt mit der beunruhigenden letzten Szene schon einmal den Grundstein für ein Sequel. Auch wenn die Slasher-Sequenzen höchstens noch einen nostalgischen Wert haben und man mittlerweile dutzende weitere Psycho-Thriller wie "Das Schweigen der Lämmer" gesehen hat, ist "Psycho" wirklich spannend und empfehlenswert und das auch für Zuschauer, wie mir, die eigentlich keine sonderlich großen Fans von Klassikern sind.

Die Story ist ebenfalls sehr gut, auch wenn sie, im Gegensatz zu Hitchcocks Inszenierung mittlerweile dutzendfach überboten wurde, da seit "Psycho" einige Psycho-Thriller mit schizophrenen Killern und mehrere Slasher-Filme abgedreht wurden. Die Charakterkonstruktion der Hauptfigur ist dabei ordentlich gelungen und vor allem zum Ende hin, wenn seine Schizophrenie begründet wird, gibt es einige hintergründige Informationen zur Hauptfigur. Ansonsten werden die Grenzen zwischen Gut und Böse geschickt aufgehoben und auch die übrigen Figuren sind ordentlich konstruiert. Die Handlung ist teilweise überraschend und schockierend, teilweise gibt es aber auch ein paar vorhersehbare Momente, zumal "Psycho" mehrfach kopiert wurde, da er einige Werke inspirierte. Die Story ist sicherlich ordentlich, auch wenn sie mittlerweile überboten wurde.

Mit der Rolle des Norman Bates wurde Anthony Perkins zum Superstar und belegt mit dieser, seiner Paraderolle immer noch Platz zwei der größten amerikanischen Schurken aller Zeiten. Er spielt hervorragend und ist mit seiner unheimlichen und undurchsichtigen Art überaus furchteinflössend und diabolisch. Darüber hinaus erregt er aber auch das Mitleid des Zuschauers und liefert somit eine, im Prinzip perfekte Vorstellung ab. Janet Leigh, die mit ihren freizügigen Szenen damals einen Skandal auslöste und damit ebenfalls durch "Psycho" zur Legende wurde, spielt überzeugend und ist die wohl erste Scream-Queen der Filmgeschichte und durfte später in "The Fog" und "Halloween H2O" wieder ähnliche Rollen übernehmen. Allein für diesen Ausdruck der beklemmenden Furcht und der Verstörung hätte sie den Oscar verdient gehabt, für den sie nominiert wurde. Auch Vera Miles macht sich ganz gut, spielt als neugierige Schwester von Leigh aber nicht so überzeugend wie die beiden anderen Hauptdarsteller, zumal sie bei der hohen Leinwandpräsenz von Perkins untergeht.

Fazit:
Mit einem guten Cast und einer gelungenen Story ist "Psycho" auf jeden Fall ein sehenswerter Psycho-Thriller. Das, was ihn zu einem der besten Filme aller Zeiten macht, ist die hervorragende Inszenierung von Alfred Hitchcock, die den Film kaum spannender gestalten könnte. Mit dem legendären Soundtrack und den perfekt in Szene gesetzten Slasher-Sequenzen avancierte "Psycho" zu Recht zu einem der besten Filme aller Zeiten und war ganz wichtige Pionierarbeit für dutzende weitere Psycho- und Slasher-Filme.

92%

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