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„Der Bär ist los"

Seth MacFarlane ist nicht gerade für subtilen Humor berühmt. Nichtsdestotrotz bzw. gerade deswegen huldigt dem Schöpfer derb-satirischer Cartoon-Serien wie Family Guy und American Dad eine ansehnliche Fangemeinde. Für seinen ersten Kinofilm Ted greift MacFarlane nun auf das bewährte Erfolgsrezept zurück und lässt ein wahres Feuerwerk aus Sarkasmus, Anarchowitz und popkulturellen Anspielungen auf das geneigte Publikum einprasseln.

Wem sein Humor schon immer zu bösartig und/oder zu weit unter der Gürtellinie angesiedelt war, wird allerdings auch hier nur wenig Spaß haben. Zwar hangelt sich der Film am massenkompatiblen Grundgerüst einer typisch-amerikanischen RomCom entlang - mitsamt deren klassischer Drei-Akt-Dramaturgie und dem sattsam bekannten Ausgang -, nimmt auf dem vorgezeichneten Weg aber immer wieder brachial-komische Abzweigungen oder düst über richtig abgefahrene Nebenstraßen.

Hauptattraktion ist klar der Titel(anti)held, seines Zeichens ein lebender, sprechender Teddybär, der seinem Besitzer John Bennet (Mark Wahlberg) seit dessen 8. Lebensjahr treu in absolut jeder Lebenslage zur Seite steht. Aus der anfänglichen Kuscheltier-Beziehung ist im Laufe der Jahre eine waschechte Männerfreundschaft geworden, bei der es fast ausschließlich um Kiffen, anzügliche Frotzeleien und hemmungslosen Filmkonsum geht. Dieser reichlich infantile Lebenswandel ist allerdings immer weniger mit den Beziehungsvorstellungen von Johns Langzeitfreundin Lori (Mila Kunis) kompatibel, die den ewigen Kindskopf vor das Ultimatum stellt: „der Bär oder ich" ...

Regisseur und Autor MacFarlane benutzt in Ted den gleichen Kunstkniff wie bei seinen TV-Formaten und verpasst dem Protagonisten einen schrägen Sidekick (z.B. Hunde-Snob Brian in Family Guy) der hemmungslos politische Unkorrektheiten vom Stapel lässt und sich auch sonst wenig um Etikette, gute Manieren oder ähnliche gesellschaftliche Zwänge schert.
Dazu sind beide - ganz wie ihr Schöpfer - eingefleischte Fans der 80er und deren Pop-Kultur, was in zahlreichen, zündenden Insidergags über Star Wars, Indiana Jones, Knight Rider, Top Gun oder Pop-Sternchen „Tiffany" zelebriert wird. Besonderes Highlight ist dabei ihre kultische Verehrung für die Science-Fiction-Trash-Granate Flash Gordon (1980), die in einem urkomischen Cameo von Flash-Darsteller Sam Jones gipfelt.

Dass die eigentliche Handlung um den manchmal schwierigen Abschied von der Kindheit und die nicht immer ganz einfachen Lebensentscheidungen innerhalb einer Beziehung bei all den Gags, Anspielungen und teilweise derben Blödeleien nicht vollständig zur bloßen Staffage verkommt, liegt insbesondere an den nicht nur gut aufgelegten, sondern auch clever gecasteten Hauptdarstellern.
Der inzwischen vor allem in harten Thriller- oder Actionrollen gern gesehene Mark Wahlberg verfügt über so gut wie gar kein komödiantisches Talent, was ihn letztlich zum perfekten Partner für seinen zotigen Teddy-Buddy macht, da er dessen Albernheiten vollkommen ernst nimmt und dementsprechend natürlich darauf reagiert (Ähnliches klappte ja auch schon in der Polizei-Klamotte Die etwas anderen Cops mit Will Ferell).
Mila Kunis ist dagegen zwar durchaus Comedy-erprobt (u.a. Nie wieder Sex mit der Ex, Freunde mit gewissen Vorzügen), besitzt aber ähnlich wie Wahlberg einen hemdsärmeligen Kumpelcharme der sie sympathisch, bodenständig und damit lebensecht wirken lässt. Die Chemie zwischen den beiden stimmt jedenfalls und sorgt auch dafür, dass ihr animierter Plüschtier-Untermieter zeitweise wie ein völlig normaler Charakter wahrgenommen wird.

Seit dem Überraschungshit Hangover sind derbe Buddy-Komödien im Mainstreamkino wieder salonfähig geworden und machen inzwischen auch nicht vor dem vermeintlich zarten Geschlecht halt (Bride Wars). Trotz der zweifellos vorhandenen Parallelen, wäre es aber zu kurz gegriffen Ted als mehr oder weniger originellen Trittbrettfahrer abzustempeln. Family Guy-Schöpfer Seth MacFarlane hat eine gehörige Portion Bösartigkeit, Drastik und politische Unkorrektheit aus seinen bissigen TV-Formaten auf die große Leinwand herüber gerettet und lässt die erwähnten Vorbilder teilweise wie spießbürgerliche Lustspiele aussehen. Das mag nicht immer geschmackssicher oder gar hintersinnig sein, dafür aber im doppelten Sinn unverschämt unterhaltsam.

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