Als die Frau des Managers Takayuki entführt wird, verpatzt der die Lösegeldübergabe. Von seiner Schwester bekommt der junge, zunächst etwas unüberlegt wirkende Entführer immerhin ein nicht unbeträchtliches Bündel Geldscheine. Episodenhaft dröselt das Drehbuch nach und nach den gesamten Coup auf, der hinter dieser scheinbar einfachen Entführung steckt, die die hübsche Saori Kurijama selbst inszeniert hat, zusammen mit dem angeheuerten Kopora. Im Appartment einer Freundin, die gerade im Urlaub ist, versuchen die beiden, ihr vorgetäuschtes Verbrechen authentisch nachzustellen, doch ehe sie sich versehen, werden sie selbst zu Opfern. Scheinbar spielt noch jemand in dem Spiel mit, Kopora findet sich in einem mysteriösen Rätsel wieder, dass sich auch für den Zuschauer als chronologisch verschachteltes Werk offenbart. Dabei ist die Geschichte immer wieder verblüffend simpel, wenn Stück für Stück das Puzzle zusammengesetzt wird, der Erzählstil ist der eines ruhigen Thrillers. Die Cut-Ups und wechselnd beleuchteten Figuren machen aus der eigentlich gar nicht so besonderen Story ein zumindest interessantes Stück zwischen wenigen intriganten Personen. Adrenalinkino ist das dagegen überhaupt nicht, Hideo Nakata ("The Ring“) legt es auf immer wieder neue Konstellationen zwischen den wenigen Protagonisten an, statt mit Gewalt- oder Actionszenen nachzuhelfen. Oftmals nur angedeutet sind auch die erotischen Obsessionen der Figuren, auch hier übt er sich in Zurückhaltung und durchbricht sein hinterhältiges Treiben nur selten durch kurze Schockszenen. Besonders beeindruckend ist eine kurze S/W-Sequenz als Referenz an den klassischen Psychothriller in seiner eruptiven Phase. Tatsächlich chaotisch geht es hingegen nicht zu, denn die Größe Zeit als Kunstgriff zu nutzen kennt man schon konsequenter von Filmen wie „Memento“ oder „Irreversible“. Mit diesem konzeptionellen Gerüst ist die Experimentierfreude Nakatas auch wieder erfreulich, keine schwarzhaarigen Gruselmädchen weit und breit. Wer sich auf verschachtelt erzählte Plottwists aufmerksam einlässt, bekommt mit „Chaos“ allemal einen sehenswerten Film, der große filmische Coup ist es jedoch nicht.
Fazit: Frei von Gruselmärchen schafft Hideo Nakata einen sehr puristischen Thriller, der mit seiner Vorliebe der Falltüren für den Zuschauer kokettiert. 5/10 Punkten