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"Isola - Das 13. Gesicht" ist überdurchschnittlicher und Klischees vermeidender Japanhorror mit zwei glänzenden Hauptdarstellerinnen, die sich spannende psychische Auseinandersetzungen liefern und so gut 90 Minuten jegliche Langweile vermissen lassen. Es geht um das Aufeinandertreffen zweier Frauen, von denen die eine mit der Gabe des Gedankenlesens halb gesegnet und halb gestraft ist, während die andere als multiple Persönlichkeit ständig von einer Identität in die andere wechselt und besonders mit einer davon zu kämpfen hat, die sich neu eingenistet hat und auf telepathischem Wege missliebige Personen zum Selbstmord anregt. Dies wird originell und relativ hart dargestellt.

Als Hintergrund nimmt sich der Film ein tatsächlich vorgefallenes Erdbeben, das seinerzeit einen Teil der Stadt Kobe zerstörte. So verläuft die Selbstfindungsreise der Protagonistin zwischen halb eingestürzten Bauten und Auffanglagern, in denen verbitterte Menschen ihr Dasein fristen und die von ihr gutherzig angebotene Hilfe verstockt zurückweisen. Ähnlich unzugänglich verhält sich die junge Chihiro, die in sich eine Vielzahl von Persönlichkeiten beherbergt. Yu Kurosawa, die Enkelin von Akira, passt sehr gut in ihre Debütrolle und bietet als verschüchtertes Schulmädchen wie auch als provokantes Straßenluder überzeugende Vorstellungen. Mindestens ebenso überzeugt die beliebte Seriendarstellerin Yoshino Kimura als Gedankenleserin, da sie ihren warmherzigen, fast naiven Zugang zu Menschen sehr glaubwürdig vermittelt.

Es ist hervorzuheben, dass man hier mal nicht mit blassen, langhaarigen Geistermädchen konfrontiert wird, sondern die Bedrohung zumeist als unsichtbare Macht dargestellt wird. Erst gegen Ende begegnet man der Verursacherin der mysteriösen Ereignisse, und hier hat der Film einen kleinen Schwachpunkt: Über diese Schlüsselfigur, die sich als wandernde Seele in der multiplen Persönlichkeitsstruktur der jungen Chihiro eingenistet hat, erfährt man deutlich zu wenig. Die Darstellung ihrer Experimente zur Trennung von Körper und Geist ist interessant, man hätte sich aber mehr Informationen zu ihrer Motivation gewünscht.

Trotzdem ist "Isola" ein wirklich sehenswerter Film. Die realistischen, bedrückenden Szenarien des vom Erdbeben heimgesuchten Stadtgebiets bieten eine sehr atmosphärische Kulisse für die Darstellung zerrütteter Psychen auf ihrer Suche nach Frieden.

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