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"Cube" war etwas außergewöhnlich Innovatives. Der Schluss klärte nichts, ließ alle Fragen offen, war mysteriös. Eines zweiten Teiles bedurfte es eigentlich nicht. Aber wie so oft konnte man sich nicht im Zaum halten und unter der Regie von Andrzej Sekula wurde "Cube 2: Hypercube" gedreht. Eines war dabei klar: Leicht würde es der Nachfolger wahrlich nicht haben, lief er doch Gefahr, bereits Gekochtes ein weiteres Mal auf der Herdplatte zu erwärmen und es im schlimmsten Falle auch noch anbrennen zu lassen.

Zunächst sieht alles danach aus: Wieder sind Personen in einer offenbar riesigen Konstruktion gelandet, die aus vielen würfelförmigen Räumen besteht, die durch Luken miteinander verbunden sind. Und wieder weiß niemand, wie er überhaupt dort hingelangt ist und was es mit seinem Aufenthalt in dem Kubus auf sich hat. Hat man dann erst einmal zueinander gefunden, bahnen sich auch schon die Konflikte an. Denn wirft man einen Blick auf die Profile der Figuren, findet man mitunter eine an Alzheimer leidende Seniorin, die einen unfreiwillig zur Weißglut treiben kann, sowie einen ausgesprochen aggressiven Privatdetektiv, der ein Messer bei sich trägt. Man muss nicht Nostradamus heißen, um vorauszusehen, dass der Privatschnüffler eine tickende Zeitbombe ist, die sich allmählich immer weiter aufheizt und es nicht allzu lange dauern wird, bis sie irgendwann einmal explodiert.

Die Konflikte sind folglich bekannt; im Unterschied zum Original sind allerdings diesmal alle Räume weiß und nicht mit Fallen versehen. Jedoch gibt es andere tödliche, selten mit blendend schöner Computertechnik präsentierte Phänomene, die jederzeit urplötzlich auftreten können - wie etwa ein schwebendes Quadrat, das sich multipliziert und heranwächst zu einem herumwirbelnden Gebilde mit rasiermesserscharfen Kanten. Natürlich sorgen diese Erscheinungen immer wieder dafür, die Gruppe langsam zu einem Grüppchen schrumpfen zu lassen. Die perfiden Fallen im Erstling konnten allerdings weitaus mehr überzeugen. So bleibt als einzig interessante Neuerung schließlich nur eine mit den Phänomenen einhergehende Idee, die noch viel tiefer als der Vorgänger in die unendlichen Science-Fiction-Weiten eintaucht:

Höhe, Länge und Breite ergeben die Räumlichkeit. Hier wird die Dreidimensionalität jedoch überschritten und mathematische wie physikalische Theorien werden Wirklichkeit, wenn die Gravitation sich verändert oder die Zeit verrückt spielt. Mit Zukunft und Vergangenheit werden die Protagonisten konfrontiert. Auch bilden die Würfel dadurch kein festes Kontinuum, sondern wechseln ungeachtet der irdischen Raum-Zeit-Gesetze beliebig ihre Positionen, sodass man nach dem Öffnen der Luke jedes Mal ganz woanders landen kann. Infolge dessen gibt es einige Überraschungen, allerdings wird man nie das Gefühl los, dass das anständige, sich auch aus der Vier- oder gar Mehrdimensionalität ergebende Potenzial insgesamt ungenutzt bleibt. Hyperqualität wird nie erreicht; der Vorgänger zeichnete sich vor allem durch psychologische Tiefe aus. Hier bleibt sie auf der Strecke.

Dagegen konzentriert man sich lediglich auf das Ableben der nicht gerade herausragend gespielten Protagonisten und setzt vorwiegend auf den Effekt. Eine Kontroverse bildet allenfalls das kühle Ende, das die Cube-Thematik zwar etwas entmystifiziert, aber dies notwendigerweise auch musste, um sie voranzubringen - um "Cube 2: Hypercube" überhaupt eine Existenzberechtigung zu geben. Denn Andrzej Sekulas Werk mag als eigenständiger Film noch funktionieren, als "Cube"-Nachfolger ist es fast überflüssig.

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