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Was Harry Palmer für James Bond in den 60er Jahren war, das könnte Jason Bourne für Ethan Hunt werden.
So zumindest scheint es, wenn man sich die Figuren genauer anschaut. Bond war High Tech, Hunt ist High Tech, Palmer war schäbiger, etwas kritischer und wirkte einfach nur intellektuell und dreckig. So kommt auch Bourne rüber: dreckig, hart, rauh.
Dass ausgerechnet ein Milchbubi Jason Bourne spielen muss, erweist sich prinzipiell nicht als hinderlich, weil Matt Damon irgendwann doch beginnt, seine Rolle auch physisch auszufüllen. Und auch palmer war ja schließlich kein Überagent.
Zugegebenermaßen hören hier aber die Gemeinsamkeiten doch auf, den Bourne ist ein Überagent, und im Gegenteil zu Palmer agiert Bourne beispielsweise nicht aus einem moralischen Kodex oder aus dem beruflichen Zwang heraus, sondern eher aus nacktem Überlebensinstinkt. Ist Palmer ein Gentleman-Agent, so ist Bourne mehr Bond und Hunt: Er ist ein voll ausgebildeter Nahkampfkiller.

Aber das ist nicht der einzige Vergleich, den sich Bourne gefallen lassen muß, denn die Bourne Identität ist das eigentlich überflüssige Remake eines Fernseh-Zweiteilers mit einem zwar fehlbesetzten aber zu dem Zeitpunkt doch charismatischen Richard Chamberlain. Das Original ist eine schicke 80er Jahre Produktion, die über jeden Zweifel erhaben ist, und für eine 80er Jahre produktion von höchster Qualität, vor allem dadurch bedingt, dass man bei 180 Minuten Gesamtlaufzeit auch Mal Zeit und Raum für Charakterstudien hat.

So kommt es auch nicht von ungefähr, dass die Charaktere etwas zu kurz kommen, dafür werden wir mit harter, ungeschönter Ästehtik (Hahaha) versorgt und viel nervenaufreibender Action.
Dabei bekommt man doch Sympathien für Jason Bourne, da er sich nicht erinnern kann und eigentlich nur um sein Leben rennt, gegen einen übermächtig scheinenden Gegner.
Auch Lola, äh Franka Potente, verleiht ihrer kurz angebundenen Rolle etwas mehr Menschlichkeit, indem sie sie mehr schwächeln läßt als sonst in solchen Filmen üblich, ohne sie zu einem jammernden, kreischenden Weibchen zu degradieren.

Matt Damon hat sichtlich Spaß an seiner harten Rolle und wenn die drehbücher für Folgefilme auch so spannend und kurzweilig gehalten bleiben, dann kann er gerne nochmal auf uns zukommen.
Aber: Bitte nicht zu oft. Harry Palmer ist uns auch nur im Vergleich mit Bond in Erinnerung geblieben, weil er nur wenige Abenteuer zu bestehen hatte. Wenige, aber dafür sehr gute.

8 Punkte

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