Einen Agententhriller in klassischem Gewand, der heutzutage zum Kassenknüller avanciert, sieht man nicht alle Tage. Vor nicht allzu langer Zeit schaffte das „Die Bourne Identität“ mühelos, was die Frage aufwirft, weshalb die Zuschauer die Kinosäle stürmten, um sich an einem Genrebeitrag von altem Schrot und Korn zu begeistern. Sicherlich, Doug Limans Film verweigert sich nicht komplett moderner Hilfsmittel, bei der Verfolgung von Jason Bourne bedient sich die CIA allerlei neuartigster Computersysteme und auch mancher Stakkato-Schnitt bleibt nicht aus.
Trotzdem besteht dieser Thriller größtenteils aus echter Hand-made Action aus längst vergangenen Tagen, sind CGI-Tricks wie beispielsweise im letzten Bond-Abenteuer „Die Another Day“ ein Fremdwort. Das Genre besinnt sich auf seine Wurzeln, zumindest was die Actionsequenzen und die unterkühlte Inszenierung angeht. Herausragend in dieser Hinsicht natürlich die ungewöhnlichste Autoverfolgungsjagd seit langer Zeit (Bourne und Marie fliehen in einem bereits schrottreifem Mini vor der Polizei) und eine wahrhaft meisterliche Sequenz gegen Ende, als Bourne einen Sniper in der Morgendämmerung erledigt. Atmosphärisch ist eh das komplette Werk überzeugend, die Schauplätze quer durch Frankreich genauso winterlich, so kalt und schroff wie die Machart an vielen Stellen.
Dass die „Bourne Identität“ dennoch nicht an Retro-Meisterwerke der Marke „Ronin“ heranreicht, liegt in erster Linie an der schwachen Figurenzeichnung bzw. den Darstellern. Für ersten Punkt kann man vielleicht niemand Konkretem einen Vorwurf machen, denn in dieser Hinsicht ist das Genre eben schon ziemlich ausgereizt. Doch so eine stereotype Figur wie den korrupten CIA-Oberen (wieder einmal eine 08/15-Rolle für Chris Cooper, wie viele solcher Charaktere hat er eigentlich in letzter Zeit gespielt?) haben wir sicher nicht verdient. Matt Damon bleibt in der Hauptrolle leider recht ausdruckslos, macht aber immerhin jedes Mal dann eine gute Figur, wenn er richtig in Aktion ist. Dass sein Jason Bourne auf der Jagd nach seiner Identität mitunter recht dämlich kombiniert (der Zuschauer ist ihm da stets zwei Schritte voraus), sollte nicht unerwähnt bleiben. Erfreulich, dass mit Franka Potente ein deutsches „Bourne“-Girl an seiner Seite steht, weniger erfreulich ist ihre oftmals erwähnte Selbstsynchronisation, die ihre ansonsten astreine Darstellung etwas runterzieht.
Unterhaltsam ist der Film aber zu jeder Zeit, wenn er auch richtige Klasse nur in der ersten Dreiviertelstunde und gegen Ende erreicht. Dann, wenn man nämlich ungefähr weiß, was es mit Bournes Vergangenheit auf sich hat, ist es weniger prickelnd, ihn auf seiner Identitäts-Suche zu begleiten. Für einen kurzweiligen Abend reicht das aber immer noch locker!