„Die Bourne Identität“ bringt uns einen Film, der in diesem Kinojahr aus der Masse an Filmen herausragt.
Ein Mann (Matt Damon) treibt im Meer und wird von einigen Fischern gerettet. Er hat zwei Kugeln im Rücken und eine Kontonummer in der Hüfte. Allerdings kann sich der Mann nicht an seine Vergangenheit erinnern. Die dunklen Szenen auf dem Kutter sind atmosphärisch wirklich sehr stimmig und dicht und können auf ganzer Linie überzeugen.
An Land macht sich der Mann auf nach Zürich, wo er sich das Bankschließfach befindet. In ihm findet er sechs verschiedene Pässe und damit sechs verschiedene Identitäten, eine Pistole und eine Riesensumme Geld. Bis auf die Pistole steckt er alles ein und entscheidet sich für die Identität als Jason Bourne. Schon allein die Tatsache, dass noch nicht mal der Name des Helden wirklich feststeht gehört zu den tollen Dingen der Story von „Die Bourne Identität“, die immer wieder überrascht.
Doch Bourne wird bald von geheimnisvollen Verfolgern gejagt, wobei er seine exzellenten Fähigkeiten im Überleben und Kämpfen entdeckt. Da niemand geringeres als der CIA selbst hinter ihm her ist, will er einer Spur nach Paris folgen. Er überzeugt die Deutsche Marie (Franka Potente) ihn für 20.000 Dollar dorthin zu bringen, doch die Häscher sind ihnen auf den Fersen.
Die Verfilmung des Bestsellers von Robert Ludlum kann vor allem mit der Darstellung der Agentenfähigkeiten überzeugen, damit sind nicht nur Kämpfe usw. gemeint, sondern auch die subtilen Details, z.B. wenn Bourne erklärt wie sein Agentenverstand den einen Schnellimbiss abcheckt und er nicht weiß warum (zu dem Zeitpunkt relativ früh weiß nur der Zuschauer, dass er ein Agent war). Doch gerade diese durchdachte Art den Verfolgern ein Schnippchen zu schlagen, macht das besondere Flair des Films aus.
Die Story ist spannend, rasant und bietet einige wirklich überraschende Wendungen. Längen gibt es nur kleine und auch die Tatsache, dass derartige Plots schon oft verfilmt wurden (z.B. in „Tödliche Weihnachten“), stört nicht wirklich. Lediglich der Showdown ist ein wenig kurz und unspektakulär, hier wäre ein imposanteres Finale schöner gewesen.
Ein Actionspektakel ist „Die Bourne Identität“ auf gar keinen Fall, auch wenn es einige tolle Actionszenen gibt. Vor allem wenn Matt Damon einige furiose Nahkampfkünste zeigt (vor allem der Apartmentfight) ist man beeindruckt und auch die Verfolgungsjagd mit einem Mini (!!) durch Paris ist so spektakulär wie die Verfolgungsjagden in „Ronin“. Hinzu kommen noch ein paar Schießereien. Dabei sind die Actionszenen nie unrealistisch (Matt Damon schaltet keine Hundertschaften an Gegner aus) und zudem in den Punkten Spannung und Inszenierung sehr gelungen.
Matt Damon überzeugt als Agent ohne Identität auf ganzer Linie, auch wenn man sonst eher softe Rollen von ihm gewohnt ist. Auch Franka Potente ist recht gut, aber gegen die tollen Fieslinge, allen voran Oberbösewicht Chris Cooper („American Beauty) sieht sie blass aus. Auf böser Seite hätte nur Julia Stiles („10 Dinge, die ich an dir hasse“) eine größere Rolle verdient.
„Die Bourne Identität“ bietet (nicht nur) dem Freund temporeicher Agentenstoffe flotte Unterhaltung an der es nur wenig auszusetzen gibt.