In Zeiten überdrehter und völlig überzogener Action-Filme war es 2002 Doug Liman, der mit dem ersten der "Bourne"-Filme, basierend auf dem literarischen Werk von Robert Ludlum, neuen Impulse im Genre setzte. Realismus, Bodenständigkeit und Verletzlichkeit waren wieder angesagt.
Die Story: Im Mittelmeer wird ein Mann (Matt Damon) aus dem Wasser gefischt, der sich nicht mehr daran erinnern kann, wie er heißt und wie er ins Wasser gekommen ist. Allerdings scheint irgendjemand hinter ihm her zu sein und so flüchtet Bourne, wie er nun anscheinend heißt, mit der Aussteigerin Marie (Franka Potente) nach Paris, wo er eine Wohnung haben soll. Schnell wird klar, dass Bourne in Agententätigkeit für ein geheimes Ausbildungsprogramm stand, denn er verfügt über beachtliche Nahkampffähigkeiten.
Auch wenn im ersten Film die Geschichte noch arg verworren bleibt und der Zuschauer genauso wenig zu verstehen glaubt wie der Protagonist, so ist doch die "Bourne Identity" an Spannung und Action kaum zu überbieten.
Die Macher hetzen Bourne durch Europa und lassen ihn allerlei Situationen meistern, bei denen man als Normalo aufgeschmissen wäre. Ob die Flucht aus der US-Botschaft oder die Autoverfolgungsjagd durch Paris, die Macher setzen auf handfeste, aber niemals unnötig brutale Action mit ordentlich Pfiff. Dabei steht der Realismusgrad an erster Stelle, was heißt das auf unnötige Explosionen oder andere effekthascherische Einstellungen weitesgehend verzichtet wird.
Besonders gelungen sind auch die spannenden Zweikämpfe, insbesondere das Finale in dem Treppenhaus ist originell und irrwitzig.
Dabei zwingt sich der Vergleich mit der Bond-Reihe quasi auf (nicht nur der Initialen wegen). Während die Bond-Filme immer stärker fast schon in Science-Fiction abdrifteten und nach Realismus gar nicht mehr gefragt werden brauchte ("Die Another Day" war schon schlimm), setzt Bourne genau hier neue Akzente.
Das liegt auch an dem Hauptdarsteller selbst. Matt Damon ist für nicht wenige eine Fehlbesetzung in der Rolle des tödlichen Agenten. Für mich aber klar eine gute Wahl. Nicht nur, dass Damon besser schauspielern kann als die meisten Actionhaudegen, er sieht nun mal nicht nach einem Killer aus. Und genau deshalb funktioniert er in der Rolle so blendend. Schließlich wird man bei dem Treadstone-Programme eher unscheinbare Typen zu Agenten/Schläfern ausgebildetet haben.
Daneben agiert auch Franka Potente als Zufallsbekanntschaft bodenständig (ein Bond-Girl ist sie nun wirklich nicht) und empfahl sich mit der Rolle für anderen ausländische Produktionen.
Daneben wissen auch Chris Cooper und Brian Cox als Bösewichter zu überzeugen. Beide sind nicht durchgeknallt oder machtversessen, eher Arbeitstiere, die routiniert ihre Jobs zu erledigen suchen.
Fazit: Was Bond nicht mehr leisten konnte, schafft Bourne: Frischen Wind ins alte Genre zu bringen. Die Story ist zwar nicht immer glaubhaft, aber durchweg spannend, gut gespielt und mit toller Musik unterlegt. Auch wegen der genialen Actionszenen sollte der Film in keiner entsprechenden Sammlung fehlen.