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"Ich weiß nicht wer ich bin."

Auf einem Schiffskutter erwacht Jason Bourne (Matt Damon), ohne sich daran zu erinnern wer er ist und wie er in die stürmische See gelang. Die Bankverbindung, die er eingenäht in einem Chip in seiner Hüfte findet, verweist ihn zu einer Schweizer Bank. In dessen Schließfach findet er nicht nur eine Menge Geld, sondern auch zahreiche Pässe und eine Pistole.
Parallel verfolgt das CIA die Spur von Bourne. CIA-Abteilungsleiter Alexander Conklin (Chris Cooper) aktiviert viele Agenten, um Bourne auszuschalten. Dieser hat sich mittlerweile mit der deutschen Weltenbummlerin Marie Helena Kreutz (Franka Potente) zusammengetan, um Hinweisen über seine Herkunft in Paris zu folgen.

Durch seine bodenständige Inszenierung und temporeiche Erzählweise, fällt "Die Bourne Identität" aus seinem Genre heraus. Besonders auffällig ist das europäische Flair. Die Locations sind wirklich fantastisch gewählt und machen den Film realistischer, als die meisten anderen Agententhriller. Es gibt kaum Hochglanzbilder. Die Straßen wirken kalt, nass und dreckig. Einfach realistisch. Bis auf ein paar Aussetzer, hält der Film dieses Niveau.

Zu Beginn ist das Publikum genau so schlau wie der Protagonist selbst. Nachdem er mit zwei Löchern im Rücken und Gedächtnisverlust aus dem Meer gefischt worden ist, sucht er nach seiner Identität. Das Finden der Wahrheit soll sich aber nur für ihn als schwierig gestalten, denn als Zuschauer hat man seine Herkunft recht früh geklärt, ohne dabei groß ins Grübeln zu kommen.
Da die Handlung weitgehend geradlinig ist und Überraschungen fast gänzlich fehlen, erweist sich der Großteil der Laufzeit schließlich als etwas langwierig. Nebenplots werden zwar aufgezogen, jedoch nie zusammengeschnürt. Für sich allein stehend macht "Die Bourne Identität" nicht richtig satt und lässt einfach zu viele Fragen offen.

Auch mit seinen Figuren gelingt es dem Film nicht sich dem Publikum völligst zu öffnen. Die Protagonisten bleiben zu profillos, als dass sie Charaktere werden, mit denen man sich identifizieren kann. Marie's Hintergrund spart sich "Die Bourne Identität" völlig aus, Jason versucht man, indem man ihn überraschend mit seinen antrainierten Fähigkeiten konfrontiert, zumindest etwas Zeit zu widmen.

Von den Actionszenen bleiben vor allem eine Verfolgungsjagd durch Paris in der Mitte des Films hängen, sowie ein paar handfeste Nahkämpfe. Die verwackelte Kameraführung vermindert die Qualität der an sich gelungenen Szenen dann aber doch. Den restlichen überschaubaren Actionszenen fehlt es an Wucht. Allgemein hat der Film keine echten Höhen.

Die Darsteller sind ordentlich, werden aber nicht gänzlich gefordert. Matt Damon ("Elysium", "Good Will Hunting") wirkt professionell, aber auch etwas steif und emotionslos. Franka Potente ("Lola rennt", "Anatomie"-Reihe) an seiner Seite zeigt sich etwas vielseitiger, kann aus ihrer eingeschränkten Rolle aber nicht ausbrechen. Chris Cooper ("American Beauty", "Adaption") sowie Clive Owen ("Sin City", "Shoot 'Em Up") bleiben in ihren Nebenrollen unscheinbar.

"Die Bourne Identität" bemüht sich weitestgehend um Realismus in einem atmosphärisch kalt inszenierten Europa. Dieses Setting wirkt im Vergleich zu ähnlichen Filmen unverbraucht. Der Geschichte und den Figuren fehlt es jedoch an Wendungen und Tiefe. Da zu Beginn schon annähernd alle Puzzleteile zusammengeheftet werden, ist später einzig die solide Action, die zu wenige Höhen enthält, unterhaltsam. Knappe ...

4 / 10

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