Frisch ist das Thema, das uns die Verfilmung des ersten Bourne-Romans auftischt, nun wahrlich nicht. Ein junger Mann, der an Amnesie leidet, aber mörderische Kombinationsgaben und Fähigkeiten besitzt, wird mit großer Wahrscheinlichkeit - das sagt uns die Erfahrung - eine brisante Vergangenheit haben. Dass es sich dann aber um einen nun vom Arbeitgeber geächteten Agenten beziehungsweise Profikiller handelt, gab es dann doch wirklich schon zu Genüge.
Somit ist die in "Die Bourne Identität" präsentierte Geschichte heutzutage nicht mehr allzu reizvoll. Das ändert auch keine unfreiwillig involvierte Marie Kreutz, gespielt von Franka Potente, die dem eigentlich Identitätslosen zur Seite stehen wird, und schon gar nicht ein klischeebehafteter CIA-Chef. Wenngleich man sich immerhin Zeit für die Figuren genommen hat, ist die unkonventionelle Inszenierung doch deutlich attraktiver geraten. Atmosphärisch kühl, leicht steril präsentiert Doug Liman angenehme Action nach alter Schule, ohne dabei zu irgendeiner Zeit seinen ruhigen, realistischen Stil zu verlieren. Musikalisch lässt er die gebotenen Bilder kaum unterstützen, was sich in diesem Falle mit der Thematik und den Bildkompositionen ganz gut verträgt. Einen Höhepunkt bildet eine brisante Verfolgungsjagd, bei der die Protagonisten sich mit einem schrottreifen Mini durch Paris kämpfen müssen. Ausgesprochen spannende Momente stellen allerdings auch Auseinandersetzungen in der stillen Wildnis oder in einem Apartment dar.
Schauspielerisch ist Franka Potentes Auftritt als Marie allemal zufrieden stellend, ebenso wie Matt Damons Verkörperung des Jason Bourne, doch ein harmonisches Duo vermögen beide beim besten Willen nicht zu bilden. Zu spürbar sind dafür die unterschiedlichen Nationalitäten. Diesen Eindruck verstärkt nicht zuletzt die Selbstsynchronisation Franka Potentes in der deutschen Fassung noch erheblich. Und so bleibt die größte Stärke in "Die Bourne Identität" tatsächlich die abwechslungsreiche Inszenierung, die sich sehr um Einklang mit den europäischen Schauplätzen bemüht. Gerade deshalb ein sehenswerter Agententhriller.