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Der bodenständigste Geheimagent aller Zeiten 

Der Beginn des neuen Jahrtausends: während James Bond auf CGI-Wellen reitet & sich zum Teil in "Die Another Day" lächerlich macht, schwingt sich dessen absolutes Gegenstück auf, sein Gedächtnis zurück zu holen & die Welt zu erobern: Jason Bourne! Für mich ist vor allem dieser erste Teil der originalen Bourne-Trilogie einer der wichtigsten Thriller der 00er-Jahre & einer der besten Agentenfilme aller Zeiten - weil er einfach so viel mehr als das ist, so grundsolide, sympathisch & anders als sein selbstbewusster Agentenkollege & Frauenheld mit denselben Anfangsbuchstaben. 

Jason Bourne ist ein sympathischer Nobody, anfangs ein Everyman & leeres Blatt, welches sich langsam & angsteinflössend mit allerlei Skills füllt. Während in den 90ern alles schneller, lauter & größer, gerade in Hollywood, werden musste, ging dieser schonungslose Anti-Bond & Anti-Hollywood-Film in die entgegengesetzte Richtung - und härter hätte er den Zahn der Zeit kaum treffen können. Ohne dieses Original (in jeder Beziehung), wären die Fortsetzungen nicht da oder nur halb so gut & effektiv. Vor allem in Sachen Charakterentwicklung & Grundsteine, schafft der Regisseur Doug Liman Bewundernswertes. Matt Damon wird vor unseren Augen zu einer Legende & Killermaschine & ganz nebenbei übertraf man seine literarischen Vorlagen bei weitem. 

In Teil 1 der etwas anderen, handfesten & extrem kinetischen Espionage-Trilogie (mittlerweile noch ausgewachsen durch den mageren Renner-Bourne & den jüngsten, zu späten "Jason Bourne"), wacht Jason Bourne angeschossen & ohne Erinnerungen im Meer auf, macht sich auf seine Identität zu finden, lernt dabei die bezaubernde Marie kennen & nimmt es mit dem halben Geheimdienst (endlich mal eher negativ dargestellt!) der Vereinigten Staaten auf. Egal ob es das packende Mysterium um seine Vergangenheit, die großartigen Nebendarsteller (vor allem die bösen Killer auf seinen Spuren, wie z.B. Clive Owen), die atemberaubenden Actionsequenzen (ob mit dem Auto atemberaubend durch Paris oder knochenbrechenden Mann-gegen-Mann-Kämpfen) oder die spürbare Chemie zwischen Damon & Potente, als fast so etwas wie die Jedermanns-Bonnie & Clyde - hier stimmt einfach fast alles. 

Der Film hat sich hervorragend gehalten & kein Wunder, dass Herr Liman über ein Jahrzehnt später mit "Edge of Tomorrow" zu dieser Qualität zurückfand. Seine ruhigere Kamera & klarere Struktur in der Geschichte samt intimeren Momenten der Charakterzeichnung, schieben diesen Auftakt so weit nach oben in der Bourne-Hierarchie. Sind also nicht nur Original-Extrapunkte. Jason Bourne wird nicht alt & ist für mich niemals langweilig. Gerade weil er so unscheinbar & normal daher kommt, die Action so realistisch & greifbar wirkt & alles wirklich so passieren könnte, wird die gesamte Filmreihe auf ein ungewöhnlich hartes & gern gesehenes Podest in Sachen Spy-Filme katapultiert. Dazu noch ein pulsierender Soundtrack & fertig ist eine neue Ikone des dritten Jahrtausends!

Fazit: Anfang des neuen Jahrtausends sicher der bessere Bond & die perfekte Verkörperung einer sich verändernden Killermaschine mit Amnesie - Matt Damons Rolle seines Lebens!

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