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Nach Mr. & Mrs. Gambler (2012) die zweite aktuelle Wong Jing Eigenregie diesen Jahres, mit durchaus demselben Themen von Liebe und Leidenschaft unter schweren Voraussetzungen und ebensolchen Umständen, wobei das Ganze auch erneut als Romantische Komödie, dann allerdings in die komplett andere Richtung und mit wesentlich mehr Aufwand erzählt wird. Während der Vorgänger sichtlich klein gehalten und eher auf das Publikum in Hong Kong zugeschnitten war, steht hier die große Ehrerbietung an das momentan boomende Filmland China und folgerichtig eine andere Anlage und Zielsetzung an. Wo zuvor die Mittel- bis Unterschicht in Augenschein genommen und so auch jede Möglichkeit des Einsparens an Aufwand und Budget sich selber auf die Fahnen geschrieben wurde, ist nunmehr der Blick auf die Reichen und die Schönen der Gesellschaft und dies auch wirklich von dem höchsten Hochhaus der damit eh schon vollgestopften Metropole Pekings gegeben:

Der kantonesische Geschäftsmann Baby Koo [ Ronald Cheng ] verdient sein Geld vor allem mit dem Kauf und Verkauf von Geschäften und Grundstücken sowie florierendem Aktienhandel, bei dem auch seine Mutter [ Pau Hei-ching ] zwar relativ wahllos, aber nach Lust und Laune ihre Finger mit im Spiel hat. Als er eines Tages die in Peking ansässige G.O.D. aufkauft, um sie danach schleunigst zu entrümpeln und gewinnbringend wieder abzusetzen, möchte er sich die Firma vorher in Begleitung seines Schwiegervaters Uncle Nine [ Stanley Fung ] und dessen Sohnes Ryan Szeto [ Chapman To ] doch einmal ansehen, und gleichzeitig eine Reise unternehmen. Aufgrunddessen, daß ihm zuvor vom verprellten Mitkonkurrenten Whizkid Xing [ Wen Chao ] heftige Drohungen und ein Todesurteil ausgesprochen wurden, und ihnen auch ein Auftragskiller hinterher zu folgen scheint, tauschen Baby Koo und Ryan für den Moment die Identitäten. Während in der übernommenen Firma Ryan nunmehr als vermeintlicher Arbeitgeber die anwesenden Damen, vor allem sein Schwarm Nikki [ Xie Na ] unsicher macht, verfällt der in Tarnung eines Leibwächters agierende Koo der gerade eine Trennung durchmachenden, und noch bei ihren Bruder [ Eric Tsang ] und dessen Frau [ Sandra Ng ] lebenden Angestellten Winnie Yip [ Gigi Leung ]. Doch die erste Lüge führt automatisch zu weiteren.

Das ist im Grunde nichts weiter als ein Aufguss bekannter Themen und Rezepte, selbst die Witze sind im Recycling des eigenen Œuvre, vorzugsweise die der blühenden und tatsächlich kreativen Jahre der Achtziger entstanden. Die Geschichte gab es bereits so und nicht anders in Prince Charming (1984), einer der Frühwerke der da noch jungen, bereits überbordenden und bald in alle Wege und Möglichkeiten davon stiebenden, auch noch mit Höhepunkten wie dem analogen Tricky Brains (1991) geprägten Karriere des Filmemachers. Mit dem Gedanken im Hinterkopf und der Möglichkeit des Vergleiches, vor allem auch zu seinen Stephen Chow - Kollaborationen und Manierismen, kann die Aktualität eigentlich nur Verlieren, hat abgesehen dieser mäßigen Kopie in viel zu heller, aseptischer Szenerie allerdings auch in der Abschwächung noch eine wenige positiven Seiten zu bieten. Zum einen ist die Idee vergleichsweise narrensicher, bietet sie doch von Vornherein die perfekte Ausrede für ein Versteckspiel der erst humoristischen und dann kurz vor dem Finale auch semi-dramatischen bis doch recht klebrigen Natur. Erst werden die Verwirrnisse gelegt, die Irrtümer geknüpft und sich in Tarnung blindlings in Unheil oder doch in letzter Sekunde mit heiler Haut daraus begeben. Dann stehen die Offenbarung gegenüber der Liebsten und eventuell noch die Konfrontation mit dem Antagonisten der Handlung und so das große Spannungsfieber an.

Glücklicherweise für den Film, der ansonsten Gesehen und Vergessen und auch bloß für den schnellen, den leichten, und dem so gar nicht richtig krumm sein könnenden Kommerz tätig ist, sind die Aspekte der Komik hier aufgrund der sicheren Nachahmung zuweilen ganz passabel und auf jeden Fall besser als bei den anderen zeitgenössischen Arbeiten wie Men Suddenly in Love (2011) oder Treasure Hunt (2011) gelöst. Phasenweise gelingen die Scherze im Timing, wenn auch sicher nicht in der Kreativität, werden auch nicht zu verkrampft und um jeden Preis in die Abteilung Schabernack und Humor-komm-raus, sondern auch durchaus zum Fortgang der Erzählung in die kurze Laufzeit geworfen. Getreu der Freundschaft zum Chinesischen Publikum, und gleichzeitig im proklamierten Bemühen "I will defend the last territory for Hong Kong style comedy" sind die Spässle gang und gäbe, aber simultan jetzt vergleichsam harmlos, da von der State Administration of Radio, Film, and Television administriert, und drehen sich so weniger bis gar nicht um Offensives in Ton oder gar Bild. Steht ja auch die süßliche Romantik als Ablöser für die schweren Zeiten in der Warteposition und hält dort auch bald die Auferwartung bereit.

Ein wohliges Gefühl oder gar eine richtige Emotion wird durch das Geturtel zwischen Ronald Cheng, der hier wenigstens etwas weniger hibbelig und zappelig ist, und seiner Traumpartnerin Gigi Leung sicherlich nicht erreicht. Er ist wie immer das Kind im Manne, der meist mit wirrem Verrenken, Körper-Slapstick aus der Retorte und großen Augen agiert, während Sie die Rolle im Schlaf spielen kann und viel mehr Lebensgeister auch nicht extra erweckt. Der Nebencast bekommt seine eigene Paarung und somit die nächste, theoretisch fast die gleiche Füllung der knapp 87min Spielzeit ab, während die Cameos einzig der bloßen Anwesenheit und viel mehr dann auch nicht wollen und dienen.

So richtig an- und aufregend wird also auch diese, immerhin finanziell sichere Produktion in Eigenanteil von Wong als Storygeber, Autor, Regisseur und Produzent nicht; mittlerer Standard mit Interesse für die wirklich nur noch ganz Hartgesottenen. Die Stimmung schwankt zwischen halb-frivoler Leichtigkeit, Anbiederung an die momentanen Zu- und Missstände, behäbiger Pflichterfüllung und scharwenzelndem Einheitsbrei im netten Outfit. Die Umgebung der Firma bietet die bekannte Dosis aus Gerüchteküche, Zickenkrieg sämtlicher Frauen, Klüngeleien und Tratschereien und ist selber in einem blassen Unschick aus monoton apathischen Designermöbeln in bevorzugt schöntuender Farbe gesetzt. 

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