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Ein wildes Zusammenwürfeln diverser Comichelden aus dem Hause Marvel sollte für den ultimativen „Nerdgasmus“ seiner Jünger sorgen. Vor wenigen Jahrzehnten wäre ein solch überkandideltes filmisches Unterfangen zumeist noch auf Verwunderung gestoßen. Heute, wo spleenige Comicheftsammler und picklige Computerhacker nicht nur zum fixen Bestandteil hollywood‘scher Rolemodels gehören, sondern das gesellschaftliche Image dieser einstigen Sonderlinge einen Wandel, weg von negativen, hin zu tendenziell positiven Klischees erfahren hat, lassen sich mit solchen doch sehr speziellen Comic-Mash-ups Millionen in die Kinos locken. Lange angekündigt, bietet sich The Avengers nun als ultimativer Fanfilm an, der lang gehegte, durch Internetforen geisternde Comicheldenvergleiche bzw. Fanwünsche filmisch passieren lässt.

Die nordische Gottheit Thor (Chris Hemsworth); der heroische Daniel Düsentrieb Stark alias Iron Man (gewohnt als süffisanter Großkotz von Robert Downey Jr. gespielt); die grüne Jekyll and Hyde Variation Hulk (Mark Ruffalo) sowie die Patriotenkeule Captain America (Chris Evans) finden sich zusammen, um unter der Leitung von Nick Fury (Samuel L. Jackson) die Welt zu retten. Dazwischen dürfen noch die im Vergleich etwas unscheinbaren Figuren Black Widow (Scarlett Johansson) und Hawkeye (Jeremy Renner) fleißig mitretten. Auffällig an dieser Heldenkonstellation ist ihre Verschiedenheit. So lässt sich etwa der sagenhaft mythische Thor nur bedingt in die pragmatisch technizistische Umgebung eines John Stark stecken. Besonders in diesem Zusammenfassen dieser Helden werden die zutiefst differenten Anlässe, die zu ihrer Erschaffung geführt haben augenfällig. Es mag sein, dass jene Figuren alle aus derselben Schmiede stammen, die Bedürfnisse, Motive und Vorstellungen jener (Um-)Welten in die sie eingebettet sind, unterscheiden sich mitunter frappierend voneinander und lassen sich demnach oft nur schlecht zusammen in ein harmonisches Gesamtbild stecken.

Die Geschichte, die diesem Treffen eigentlich Substanz verleihen sollte, ist der vielleicht größte Fehlgriff dieses Filmes. Loki (Tom Hiddleston), der böse Bruder von Thor, verschafft sich mithilfe eines dimensionsöffnenden Würfels (warum eigentlich immer Würfel?) zutritt zu unserer Welt, nur um sie aus Minderwertigkeitskomplexen und internen Machtspielen mit seinem Bruder zu unterwerfen. Hört sich nicht nur blöd an, ist es auch. Auch wenn das Ganze als bloße Rahmengebung für die große Heldensauße herhalten soll, ein Stückweit irritiert ist man angesichts einer solch uninspirierten, lachhaften Geschichte schon. Mangelhaft bis schlecht geht es weiter, wenn trotz größter Krawalle und orgiastischer Gigantomanie, durch den Film nahezu führungslos navigiert wird. Trotz der vermehrten Anzahl an potenziellen Protagonisten, will sich keine so recht als Leitfigur finden, die dem Publikum eine emotionale Grundlage böte. Wie im Staffellauf wird die Aufmerksamkeit von einer Figur an die nächste weitergegeben und wieder zurück, aber eine durch die Handlung begleitende Zentralfigur findet sich nicht. Dabei bleibt fraglich, warum man nicht schlicht dem dünkelhaftem Mastermind Nick Fury diese Aufgabe überlassen wollte. Stattdessen greift der Film wie ein reizüberflutetes ADHS-Kind im Minutentakt von einer Actionfigur zur nächsten, ohne sich auch nur einmal etwas näher mit einer zu beschäftigen. Somit kann man dem Film in Bezug auf diesen wirren Umgang eine ausgeprägte Beliebigkeit kaum absprechen.

Was bleibt also noch zu erwarten von einem Film, der kein wirkliches Interesse an seiner Geschichte hat und seinen Figuren nicht ausreichend Raum geben kann? Gleich vorweg, viel ist es nicht, aber erstaunlicherweise schafft man hier trotzdem das kleine Kunststück, ein filmisches „Bigger-is-Better-Desaster“ (wie etwa Transformers I-III, Van Hellsing, The Hulk 2 etc) gerade noch einmal, fast unbeschadet, zu umschiffen. Mit manch gewitzten Dialogen, die einen angenehmen sanft-ironischen Zugang ermöglichen, weicht man hier mehr oder weniger gekonnt dem typischen und leider üblich gewordenen debilen wie bierernsten Actionpathos aus und sorgt so für vielleicht weitgehend hanebüchene, oft inszenatorisch befremdliche bis mangelhafte, aber zumindest bisweilen sympathisch Unterhaltung. Getrübt wird dieses Bild aber leider auch immer wieder durch die unverhältnismäßig aufgeblähte Laufzeit, die in keinem Verhältnis zur Geschichte stehen will. The Avengers ist letztlich viel Aufplusterei und Materialschlacht für ein gerade noch akzeptables, aber auch sehr laues Fast-Food-Filmchen.

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