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Samuel L. Jackson spielt erneut den Leiter von S.H.I.E.L.D., der die Pläne von Loki, gespielt von Tom Hiddleston, die wohl das Ende der Menschheit einleiten würden, vereiteln will. Dafür trommelt er die Avengers, ein Team aus Superhelden, zusammen. Bei diesen handelt es sich aber nicht wirklich um eine eingespielte Truppe, sondern vielmehr um einen Haufen aus Einzelkämpfern und Alphatieren. Zwischen dem zynischen Milliardär Tony Stark, gespielt von Robert Downey jr., und Captain America, gespielt von Chris Evans, kommt es immer wieder zu Diskussionen um die Führungsrolle, während Thor, gespielt von Chris Hemsworth, vor allem darauf aus ist, Loki in seiner Heimat vor ein Gericht zu zerren. Erschwerend hinzukommt, dass man Bruce Banner, gespielt von Mark Ruffalo, besser nicht reizen sollte, weil er sich sonst in den unkontrollierbaren Hulk verwandelt.

Was Marvel anfasst, wird zu Gold. “Iron Man“ und sein Nachfolger waren gut und erfolgreich, selbst “Captain America“ und “Thor“, wohl eher vor dem Hintergrund realisiert, die “Avengers“ schon einmal kräftig zu hypen, spielten das Doppelte bis Dreifache ihrer hohen Budgets ein. Die Fangemeinde ist mittlerweile sehr groß, zumal “Hulk“ ebenfalls bereits in zwei Filmen zu sehen war, der erste erschien bereits 2003. Nun sind sie also alle in einem Film zu sehen, der über ein gigantisches Budget verfügt und prominent besetzt ist. Ein hohes Einspielergebnis ist da ein Selbstläufer, ein ansehnliches Resultat jedoch nicht, daher durfte man gespannt sein, ob die Macher das Potential des Budgets und der Figuren würden nutzen können. Und was soll man sagen? Sie haben es weitestgehend getan.

Dabei hätte “The Avengers“ auch scheitern können. Die sechs Helden bekommen es hier mit einem Gegner zu tun, den Thor im gleichnamigen Film bereits im Alleingang besiegen konnte, die Superhelden, die normalerweise allein gegen alle kämpfen, kämpfen hier gemeinsam gegen einen. Doch Joss Whedon, der als Autor unter anderem an “Toy Story“ und “Serenity“ beteiligt war, wobei er den letzteren auch inszenierte, lässt keine Langeweile aufkommen. Zunächst einmal zeigt er, wie die Helden nach und nach zusammenkommen, führt die Charaktere kurz ein und macht dann erst einmal die Konflikte untereinander zum Thema. Die Frage, wann das Team, besonders natürlich der Hulk, zur Zeitbombe wird, stellt sich permanent, der drohende Weltuntergang tritt erst einmal in den Hintergrund.

Zwar gewinnt man so immer mal wieder den Eindruck, das Geschehen würde etwas schleppend anlaufen, jedoch lässt sich nicht behaupten, dass es nicht unterhaltsam wäre, die Superhelden, die man bereits aus verschiedenen Comic-Verfilmungen kennt, beim internen Familienzwist zu beobachten, zumal auch in der Anfangsphase und im Mittelteil durchaus hochklassige Action-Szenen geboten werden. Dazu werden einige gelungene Gags eingestreut, besonders der gewohnt charismatische Robert Downey jr., der erneut als Iron Man brilliert, sorgt für Kurzweil, während der todernste, pflichtbewusste Captain America, ebenfalls souverän von Chris Evans verkörpert, als Gegenpol für immer neuen Diskussionsstoff sorgt. Auch der restliche Cast ist dabei gut besetzt und lässt keinen Grund zur Beschwerde, Mark Ruffalo ist auf jeden Fall positiv hervorzuheben, da er seine Figur, die permanent krampfhaft bemüht ist, die Ruhe zu wahren, ausgezeichnet verkörpert. Hinzu kommen weitere bekannte Namen mit guten Auftritten, etwa Scarlett Johansson, Chris Hemsworth, Jeremy Renner, Stellan Skarsgard und Gwyneth Paltrow.

Die versiert inszenierten und sehenswerten Action-Szenen im Mittelteil werden dann beim Finale, bei dem mal wieder eine US-amerikanische Großstadt dran glauben muss, getoppt. Die Helden können nun zeigen, wozu sie fähig sind, wenn sie als Team arbeiten, auch wenn die plötzliche Zusammenarbeit etwas abrupt zustande kommt und nicht wirklich gelungen zum Showdown übergeleitet wird. Es gibt hervorragende Effekte zu sehen, gute Kamerafahrten, eine gewaltige Zerstörungsorgie unterlegt mit einem stimmigen Score, die allenfalls hinter Bays “Transformers“ zurückfällt und so wird dann eine Comic-Verfilmung abgerundet, die alles hat, was ein Genrefilm braucht: Coole Helden, viel Action und etwas Humor. Nur die 3D-Inszenierung hätte man sich schenken sollen.

Wirklich spannend ist der Showdown leider nicht, weil letztlich dann doch sechs gegen einen kämpfen und Loki nicht wirklich eine unbesiegbare Übermacht darstellt, es fällt den Helden einfach etwas zu leicht, die Welt zu retten und das hinterlässt einen etwas faden Beigeschmack, ähnlich wie das eine oder andere narrative Ungeschick im Mittelteil. Bei einem Film, der sechs Helden auf einmal gerecht werden und hohe Erwartungen erfüllen muss, sind die Fehler jedoch zu verzeihen, sofern man sie beim Sequel, das wohl folgen wird, korrigiert. Vielleicht gelingt dann ja nicht nur kommerziell der Angriff auf Nolans “Batman“.

Fazit:
Zunächst einmal stehen die Konflikte innerhalb des Superhelden-Sextetts im Vordergrund, weshalb “The Avengers“ anfangs sehr dialoglastig, aber keinesfalls langweilig gerät. Mit viel Humor und etwas Action unterhält das Team, das sich selbst als Zeitbombe bezeichnet, auch in der ersten Filmhälfte hervorragend. Dann folgt der brachiale, sehenswerte Showdown, bei dem es sich um die erhoffte Zerstörungsorgie handelt, und rundet eine überaus unterhaltsame Comic-Verfilmung ab, bei der dennoch einige Fehler gemacht wurden.

82%

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