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Als "Silent Hill" 2006 herauskam, schieden sich daran die Geister, ob die Story, die den Charakter des Computerspiels gelungen umsetzte, auch als Film funktionierte oder zu viele Kenntnisse des Spiels voraussetzte. Allgemeine Einigkeit bestand allerdings in der Meinung über das gelungene Setting, dass ein morbides, finsteres Untergangsszenario in der ominösen Stadt "Silent Hill" vor seinen Betrachtern ausbreitete. Wie es sich für einen geheimnisvollen Horror-Thriller gehört, blieben am Ende ein paar Fragen offen, weshalb jetzt - sechs Jahre später - die Fortsetzung mit dem Versprechen in die Kinos kommt, diese zu beantworten.

Die sechs Jahre nimmt Regisseur und Autor Michael J.Bassett durchaus wörtlich, denn Sharon (Adelaide Clemens), die am Ende des ersten Teils von ihrer Mutter aus "Silent Hill" befreit werden konnte, ist jetzt eine junge Frau, die gerade ihren 18.Geburtstag begeht. Immer wieder wird sie von schrecklichen Alpträumen heimgesucht, deren Ursache sie nicht kennt, denn ihr Vater (Sean Bean) hat ihr den Verlust ihrer Erinnerung und den Tod der Mutter mit einem schweren Unfall erklärt. Offensichtlich werden sie aber seit Jahren von finsteren Gesellen verfolgt, weshalb sie gerade erst wieder in ein wenig anheimelndes Haus umgezogen sind. Sharon, die sich inzwischen Heather nennt, hat heute ihrer ersten Tag auf der Highschool. Doch schon auf dem Weg zum Bus wird sie von einem Fremden angesprochen, der ihre Identität zu kennen scheint.

Vielleicht lag es an der dezenten Kritik am "Silent Hill" - Erstling, dass dieser sich viel Zeit ließ, bis es mit der Action richtig losging, weshalb der erfahrene Horror-Regisseur Bassett im Sequel gleich in die Vollen geht. War das im zu Beginn geschilderten Alptraum noch legitim, lässt er sich danach keine Zeit mehr, seine Story zu entwickeln. Angesichts der brachialen Methoden, mit denen Heather gezwungen wird, wieder nach "Silent Hill" zu gehen - etwas, was ihr Vater die ganze Zeit verhindern wollte - ist es nur schwer vorstellbar, wie sie sich dieser Macht zuvor jahrelang entziehen konnten. Der Film nutzt diese spannende Frage leider nicht, sondern macht kurzen Prozess, um schnell wieder an den titelgebenden Ort zu gelangen. Heathers Stelldichein in ihrer Schulklasse wirkt entsprechend nebensächlich, nur dafür geeignet, mit Vincent (Kit Herington) eine zweite Figur einzuführen. Dieser hatte wie sie gerade seinen ersten Tag an der neuen Schule, aber sein offensichtliches Interesse an ihr, lässt erahnen, dass sich hinter seiner Anwesenheit ein Geheimnis verbirgt.

Von einer echten Story kann man in "Silent Hill: Revelation" gar nicht sprechen, denn außer der Konstellation zu Beginn, die sich weder um Charakterisierungen, noch den Aufbau einer Identifikation kümmert, findet der Rest des Films wie gewohnt in "Silent Hill" statt. Dort wird Heather nicht nur mit einer Vielzahl von Horror-Figuren konfrontiert, sondern gerät von einem schrecklichen Ort zum nächsten - egal ob Kirmes, Labore oder Gefängniszellen. Überall lauern Kreaturen, nie weiß man, was lebendig ist oder tot, denn ständig trippelt, raschelt oder stöhnt es, bis von irgendeiner Seite plötzlich eine Riesenaxt geschwungen wird. Was in der Beschreibung noch spannend klingt, verliert schnell jede Wirkung, denn der Film gönnt seiner Protagonistin nie eine Pause, baut keine ruhigen Phasen ein, sondern lässt sie nur von einem letztlich austauschbaren Computer-Level zum nächsten springen.

Das ist auch dem Setting zu verdanken, dass zwar ähnlich dem ersten Teil gelungen ist, inzwischen in seiner Mischung aus Verfall, Industriebrache, Dunkelheit und einer Überfülle an menschlichen Extremitäten nicht mehr ungewöhnlich ist. Bis auf die Zombie-Krankenschwestern, die nur auf Bewegungen reagieren, wartet der Film mit keinerlei Überraschungen auf, sondern setzt wieder auf die bekannten Clowns und Plüschhasen. Trotzdem hätte dieses Ambiente funktioniert, wäre der Film nur ansatzweise spannend. Doch leider existiert weder ein Storyaufbau, noch entsteht der Eindruck, Heathers blondem Schopf könnte je ein Haar gekrümmt werden - "Cliffhanger" scheinen dem Regisseur zudem völlig fremd zu sein.

Darüber zu spekulieren, ob sich die Story zu sehr an dem Computer-Spiel orientiert, ist in "Silent Hill: Revelation" überflüssig, da diese durch vollständige Abwesenheit glänzt. Einzig das morbide Setting kann noch zum Gruseln einladen, sollte man diese Art des Stylings noch nicht gewöhnt sein, allerdings hätte es dafür des 3D nicht bedurft. Ansonsten sollte man die Bezeichnung "Revelation" nicht wörtlich nehmen, denn von einer "Offenbarung" kann hier keine Rede sein, außer das der Film den Beweis dafür antritt, dass auch ständige Horror-Action schlicht langweilig sein kann (3,5/10).

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