Silent Hill Revelation
Als ich hörte, dass Michael J. Bassett auf dem Regiestuhl des "Silent Hill" Nachfolgers Platz nahm, habe ich mich tierisch gefreut. Mit "Deathwatch" hat er ein verdammt intensives und beeindruckendes Debüt hingelegt und "Wilderness" ist nicht nur der beste Backwoodslasher den ich kenne, sondern auch einer meiner Top 10 Horrorfilme. Sein Drittwerk "Solomon Kane" liegt zwar immernoch ungesehen bei mir zuhause rum, aber seine Filme hatten vorallem eines: massenhaft Atmosphäre. Er ließ sich immer Zeit, Charaktere vernünftig aufzubauen und das Setting wirken zu lassen. Dadurch wurden seine Filme gegen Ende hin immer intensiver und hinterließen absolut positive Eindrücke. Was könnte also besser passen, als dass er sein Talent in einer höher budgetierten Produktion wie "Silent Hill Revelation" beweist, die genau seinem Regiestil entspricht?
Um die Frage direkt mal aufzulösen, muss ich sagen, dass der eigentliche Regisseur in diesem Werk wahrscheinlich ein CGI Programm war. Mit dem ersten "Silent Hill" hat der Nachfolger genau eines gemeinsam: die gleiche Familie und Monster. Doch alles andere, weswegen der Ursprungsfilm gemeinhin als "gut" gilt, ist weg. Jeder tägliche Besuch beim Bäcker hat mehr Atmosphäre als dieser Film und würden wir hier nicht von "Silent Hill" und Michael J. Bassett reden, wäre alles nur halb so traurig.
Der Streifen beginnt recht gewöhnlich, indem Sean Bean (wenigstens ein Lichtblick) mit seiner Frau umzieht. Nachdem ich aber erst nach 5 Minuten gemerkt habe, dass das nicht seine Frau ist, sondern seine Tochter Heather, die bloß aussieht wie eine 25 Jährige und dazu noch das selbe Gesicht und den baugleichen Haarschnitt wie ihre Mutter in Teil 1 hat, war der erste "What The Fuck??" Moment schon vorhanden. Der Epilog, inklusive Heather's rührseelig forcierter Ansprache vor ihrer neuen Klasse, kriecht unmöglich langsam dahin und ein Blick auf die Laufzeit lässt mich daran zweifeln, ob man in der verbleibenden knappen Stunde überhaupt noch im Ansatz etwas ... geschissen kriegt, wie man auf neudeutsch so "schön" sagt.
Zwischenzeitlich sieht Heather am hellichten Tag mitten in der Stadt irgendwelche Fratzen und mal abgesehen davon, dass das "Nightmare On Elmstreet" oder "Der Exorzismus Der Emily Rose" schon wesentlich besser hinbekommen haben, WILL ICH ENDLICH NACH FUCKING SILENT HILL. Und nicht in einen komischen Vorort verweilen, 300 Kilometer entfernt.
Gut, der Aufreger war etwas gespielt, aber es ist schon auffällig, wie sehr sich Bassett auf eine gimickhaftere Inszenierung, bestehend aus Jump Scares und Ähnlichem wirft, ohne dabei nur im Ansatz dran zudenken, dass der Film genau das nicht hätte sein sollen/ dürfen.
Zusammen mit ihrem kitschigen Love Intrest (der ein gaaaaanz schreckliches Geheimnis birgt), bricht schließlich Heather in Richtung besagter Geisterstadt auf und kaum sind wir da, sehen wir, dass wir nichts sehen. Ich weiß nicht, ob das Budget auf halber Strecke den Geist aufgegeben hat, oder unterirdische Kohlefeuer das Set abgefackelt haben, aber wer auf eine ähnlich atemberaubende Kulisse wie in Teil 1 hofft, sollte besser Teil 1 anschauen. Es gibt sie hier nämlich nicht.
"Silent Hill Revelation" beschränkt sich darauf, in unterirdischen Einrichtungen (man könnte auch als Filmset umfunktionierte Fabrikhallen irgendwo am Londoner Hafen dazu sagen) "Schrecken" zu verbreiten und kann leider außer reichlich Monster und Gore nichts bieten. Der Film ist knall bunt, er fährt eine Masse an Kreaturen auf, wirft mit Masken bloß so um sich und lässt den Red Pyramid mehr als nur 10 Ärme On Screen abhacken. Doch ist das jetzt noch "Silent Hill"?
Hat man hier ernsthaft einen spannenden, atmosphärisch Film gegen eine Mitternachtszirkusveranstaltung eingtauscht? Den selben Mist hab ich schon vor ein paar Monaten bei "The Collection" miterlebt, oder davor bei dem Game "Dead Space 3". Auch da war einem plötzlich die intensive und funktionierende Atmosphäre der Vorgänger nicht mehr gut genug. Aber mal im Ernst: was soll das?
Ich bin enttäuscht. Doch, so kann man das nennen. Wie auch schon im Namensvetter "Hellraiser Revelations" fuhr man zugunsten irgendwelche Effekte plötzlich die Billo-Optik auf und lässt die Fans der vorangehenden Teile einfach eiskalt im Regen stehen. Für sich ist "Silent Hill Revelation" mit Sicherheit ganz nett, als LSD Achterbahnfahrt quer durch die Geisterbahn einer zweitklassigen Kirmes. Aber als Nachfolger von "Silent Hill", der im Übrigen verdammt starke Gamevorlagen im Rücken hat, ist der Streifen eine herbe Enttäuschung. Doppelt schlimm ist, dass Regisseur Michael J. Bassett normalerweise den Film gemeistert hätte wie kein Zweiter, da ein Streifen wie der originale "Silent Hill" exakt seiner Kragenweite entspricht. Was hier passiert ist weiß ich nicht, ich bin mir nur sicher, dass es für Bassett und seiner Karriere auch nicht wirklich dienlich war. Mit viel Sympathien für das (Spiele)franchise, sowie den Regisseur und die doch recht guten Effekte, gebe ich großzügige
5/10