Die alte Geschichte vom Psychopathen im Wald wird noch einmal aufgewärmt.
Nachdem „Bloody Murder“ in so ziemlich allen Belangen enttäuschte, kommt mit dem zweiten Teil ein erneuter Versuch. Keine Fortsetzung im eigentlichen Sinne, sondern der nahezu identische Ablauf des Originals noch einmal abgespult.
Aber siehe da: Regisseur Rob Spera hat aus den Fehlern seines Vorgängers gelernt und einen ansehnlichen Slasher kreiert.
Wieder treiben sich ein paar junge Menschen als Betreuer in einem Camp herum und wieder ranken sich Gerüchte um eine Killerlegende, die seit Jahren in der Gegend umhergehen soll.
Tracys Bruder Jason verschwand hier vor fünf Jahren (der einzige direkte Bezug zum ersten Teil) und man weiß von vornherein, dass sie den Killer überleben wird, es bleibt nur die Frage, wer denn die Gruppe von Betreuern dezimiert.
Im Ablauf tatsächlich recht drall von der Vorlage kopiert, teilweise sehr plump, wenn erneut das Spiel „Bloody Murder“ gespielt wird, Jungs sich als Killer verkleiden und das vermeintliche Opfer erschrecken, welches trotzdem als erstes dran glauben muss.
Auch der offensichtlich Tatverdächtige, der für kurze Zeit im Gewahrsam des Sheriffs ist, während der wahre Killer unter der Maske weiter mordet, hat man so schon im ersten Teil gesehen.
Kopiert und doch vollkommen anders inszeniert und eigentlich so, wie es der Genrefreund mag. Sogar ein wenig Selbstironie ist zu vermerken, wenn sich Teens über Opferrollen in Horrorfilmen unterhalten.
Direkt zu Beginn bekommt man einen Vorgeschmack auf derbe Splatterszenen, wenn Tracys Bruder im Traum eine Kettensäge in den Körper geschoben bekommt.
Ähnlich roh geht es weiter, wenn Beine gemetzgert werden, Schädel zerplatzen und Kehlen durchschnitten werden. All das was im ersten Teil an Blutszenen fehlte, wird hier doppelt und dreifach eingesetzt, jedoch nie vordergründig und innerhalb der Handlung gut verteilt. Alle Opfer erfahren eine harte Behandlung, nur eine Lady bekommt lediglich zweimal eine runtergehauen (damit sie der Heldin während des Showdowns zur Seite stehen kann)
Zwar sind die Darsteller nicht unbedingt mit Talent gesegnet, doch die Damen geben weitaus mehr körperliche Reize preis, als im Vorgänger. Typisch hierfür ist eine Tiffany Shepis, die pro Filmeinsatz ohnehin mindestens einmal blank zieht und das hier auch tut, um gepiepmatzt zu werden.
Ansonsten liefert der Kameramann ein paar voyeuristische Hinteransichten, bei denen man merkt, dass diese Einstellungen kein Zufall sind und die Trusen laufen selbstverständlich alle bauchfrei herum, obgleich es im Herbst nachts schon ganz schön kühl sein kann.
Haben wir also alle bewährten Zutaten beisammen, die einen soliden Slasher ausmachen: Blutige Morde, ansehnliche Girlies und ein kleines Ratespiel um die Identität des Killers, die zumindest nicht sofort zu erahnen ist. Selbst der Score ist eine Erwähnung wert, da er im Hintergrund ordentlich antreibt und keineswegs minimalistisch arrangiert wurde.
Übliche Unwahrscheinlichkeiten und Klischees werden mit einem nicht allzu verärgerten Abwinken hingenommen, so dass man sich etwa 80 Minuten mit diesem Slasher die Zeit vertreiben kann, sogar spannende Szenen sind zu vermerken.
Wer beide Teile noch nicht kennt, sollte sich den ersten Teil von „Bloody Murder“ sparen und zu diesem greifen, da er im Vergleich weitaus mehr Drive hat und sich nicht mit unnötigen Szenen aufhält.
Kein wirklich dolles Werk, da es eben eine Kopie des ersten Teils ist, aber solide und flott inszeniert. Für den Genrefreund ein netter Snack für Zischendurch.
6 von 10 Punkten