„In drei Tagen ist hier sowieso alles vorbei!“
Wie es mir bei Ralph E. Portillos miesem Slasher „Bloody Murder“ aus dem Jahre 2000 ein Rätsel war, wie ein verhältnismäßig erfahrener Regisseur solch eine Gurke auf unterem Amateur-Niveau fabrizieren konnte, so ist es mir im Falle des vorliegenden „Bloody Murder II“, der unter der Regie Rob Speras („Hexenbrut – Witchcraft“) im Jahre 2003 entstand, schleierhaft, weshalb man es seitens der Produktion offenbar für eine gute Idee hielt, ausgerechnet Portillos Filmchen eine Fortsetzung zu spendieren. Wie bereits im Falle der „Sleepaway Camp“-Reihe handelt es sich allerdings um den seltenen Fall, dass eine Fortsetzung als gelungener zu betrachten ist als das Original.
„Dieses Jahr verlieren die Bäume aber früh ihre Blätter!“ (auch so kann man Dreharbeiten im Herbst für einen Spätsommerfilm zu rechtfertigen versuchen)
Die Sommersaison im Camp Placid Pine ist vorbei, die Betreuer und Helfer machen es winterfest. Unter ihnen befindet sich auch Tracy (Katy Woodruff, „The Gallows Tree“), die von Alpträumen geplagt wird, seit ihr Bruder Jason (Tyler Sedustine, „Leeches“) vor fünf Jahren an diesem Ort mutmaßliches Opfer des wahnsinnigen Serienmörders Trevor Moorehouse wurde und seitdem verschwunden ist. Diese scheinen böse Omen zu sein, denn erneut wird das Camp, ausgerechnet so kurz vor seiner Schließung, von einer Mordserie heimgesucht. Ist Trevor Moorhouse zurück?
„Ich bin echt zu müde für diese Scheiße!“
Das Drehbuch zu „Bloody Murder II“ verfasste John R. Stevenson, der auch schon den ersten Teil schrieb. Dieses ist dann auch erwartungsgemäß alles andere als innovativ, erneut fischt man im Backwood-Slasher-Fahrwasser von „Freitag der 13.“ und Konsorten. Ich vermute aber einfach mal, dass man diesmal endlich die Möglichkeiten hatte, den Slasher, den sich Stevenson ausgedacht hatte, auch filmisch umzusetzen, denn ich bezweifle, dass er erst für die Fortsetzung auf die Idee kam, auf Schauwerte wie Brutalität und nackte Haut zu setzen. Ja, dieser zweite Teil haut gleich zu Beginn ordentlich aufs Mettgut, wenn Blondine Tracy barfuß durch den Schnee stapft und mitansieht, wie Moorhouse ihren Bruder Jason zersägt. Diesmal hält die Kamera voll drauf – und das lohnt sich, denn die Spezialeffektarbeit ist nicht von schlechten Eltern, so auch in einer späteren Szene, in der der Mörder einem Opfer die Beine abhackt. Dieser trägt nun übrigens keine Eishockeymaske mehr, sondern eine ausdruckslose weiße à la Michael Myers. Ein anderer Mord wird überraschend stilvoll im Duschraum bei flackerndem Licht inszeniert. Und entblößte Oberweiten sowie eine freizügige Sexszene wissen die Voyeure, die ihre Schlachtplatten sleazy mögen, zufriedenzustellen.
„Hast du irgendwas?“ – „Nein, ich bin beim Schularzt gewesen.“ – „Ich mein’ Pariser, du Idiot!“
Altbekannt ist dafür über weite Strecken die dämliche Handlung, in der die Betreuer schon wieder „Bloody Murder“ spielen wollen, bis nach exakt demselben False-Scare-Gag wie in Teil 1 und einem entbrannten Streit ein echter Mörder auftaucht. Zuvor erzählte man die Legende von Trevor Moorhouse, die stark an „The Burning“ erinnert. Dass man nicht mehr das Jahre 1981 schreibt, fällt den Verantwortlichen ein, als sie nach „Scream“-Vorbild Subgenre-Klischees ironisch aufs Korn nehmen, was im Jahre 2003 längst selbst zum Klischee verkommen war (im Übrigen ist es ein Trugschluss, dass die Schwarzen stets als erste in Gras beißen müssen). Ein weiterer Ausflug in die Moderne ist eine computergekoppelte Videoüberwachung, die scheinbar den Mörder überführt. Mittels moderner Technik lassen sich Videos jedoch auch manipulieren und so wird erst einmal der Falsche erschossen. Tücken der Technik... So richtig überzeugend ist das ehrlich gesagt alles nicht, vielmehr ein kräftig an den Haaren herbeigezogener Fremdkörper im grobschlächtigen Backwood-Ambiente.
„Das ergibt alles keinen Sinn, irgendwo ist ein Fehler!“
Wesentlich mehr Spaß machen da Auflösung des Whodunit?, finale Wendungen und Pointe, die neben interessanten Einblicken in US-amerikanische zweite Bildungswege (Umschulungen vom Camp-Direktor zum Sheriff scheinen möglich) und, nun ja, „Familienkonflikte“, nette Überraschungen bieten (deren Sinngehalt man besser nicht hinterfragt – irgendwie ist das alles wie eine Invertierung der ersten beiden „Freitag der 13.“-Filme) sowie einen brauchbaren Epilog, auf den man einen dritten Teil hätte aufbauen können – was man bis dato aber nicht tat. Alles in allem macht „Bloody Murder II“ einen wesentlich professionelleren und ansprechenderen Eindruck als der vergurkte Vorgänger, sorgt davon unabhängig jedoch in erster Linie dadurch für Aufsehen, dass er brutaler, blutiger, splatteriger ausgefallen ist. Das täuscht jedoch auch nicht über die austauschbare Handlung mit ihren Längen hinweg, die den Hommage-Charakter mit dem Video- und Computer-Gedöns auch noch verspielt. Schauspielerisch agiert das Debütanten- und No-Name-Ensemble dafür durchaus auf Subgenre-Niveau, u.a. mit von der Partie ist Troma-Ikone und C-Movie-Scream-Queen Tiffany Shepis („Tromeo & Julia“).
Mir scheint, als könne sich „Bloody Murder II“ nie so recht entscheiden, ob er nun eine Ehrerbietung an die Camp-Slasher früherer Tage, augenzwinkernder Splatterparty-Film, dreister Rip-Off oder ernstzunehmender Subgenre-Beitrag sein möchte. Falls seine Intention war, durch den sich aufdrängenden Vergleich aufzuzeigen, wie gut eigentlich manch Original aus längst vergangenen Jahrzehnten noch immer ist, ist diese aufgegangen.