Was hat das denn noch bitte mit den UniSols zu tun?
Lassen wir es mal wieder Revue passieren: Teil Eins 1992 war der Knaller, Teil Zwei mit Wrestling-Clown Goldberg eine komödieantische Version der Soldiers, die komplett daneben gegangen ist und Teil 3 war, trotz der Produktion in den osteuropäischen Ländern wieder ein verdammt guter Actionfilm, bei dem zwar Claude und Dolph an Screentime ziemlich kurz kamen, aber wenn man diesen Brocken schluckte und sich sagte: Okay, die zwei Ur-Charaktere haben eben nur ein wenig Laufzeit, müsste der geneigte Action-Fan trotzdem mit diesem Film gut klar gekommen sein.
Ich lasse jetzt bewusst die beiden grottenschlechten TV-Produktionen aus, sonst hätten wir es normalerweise schon mit dem sechsten Teil zu tun.
Im Vorfeld war auch bei mir die Vorfreude groß: Wieder einmal Van Damme und Lundgren, gepaart mit Scott Adkins in einem "Universal Soldier"-Film, der Probleme mit der FSK hat wegen den Gewaltszenen - das kann nur gut werden.
Aber ich lag leider daneben. Eventuell waren die Vorfreude und die Erwartung auf diesen Streifen zu groß, oder, wenn ich den Film in mir sacken lasse, die Story einfach total für den Anus.
Der Film beginnt wie ein 3D-Shooter (das sind Spiele, bei denen hängengebliebene Jugendliche sich im Jahr 2020 mit Ärzten und Therapeuten rumschlagen können, wenn die Computer-Sucht endlich mal als Krankheit angesehen wird), in der wir sehen, wie Johns (Scott Adkins) Familie von vermummten Leuten hingerichtet wird. Oberanführer von den Taliban-Jungs ist kurioserweise Luc Deveraux (Jean-Claude Van Damme), der scheinbar laut den genialen Script-Autoren auf die Seite der Bösen gewechselt ist. Okay, den Brocken schlucke ich gerne, spielen wir eben "Terminator 1 und 2" nach, bei denen Schwarzenegger auch die Seiten wechselte - wobei dieser Kniff bei den "T"-Filmen wenigstens super ankam. Hier eben nicht.
So liegt John 9 Monate im Koma, kann sich an nichts mehr erinnern und bekommt in den sechszig Minuten nur soviel mit auf den Weg, wie es der Zuschauer auch mitbekommen soll.
Kurz gesagt: Die Story ist verwirrend ohne Ende.
Die erste Stunde ist sehr ärgerlich, da ich das Gefühl hatte, das hier keine Story vorhanden sei, Van Damme und Lundgren tauchen zwar sporadisch auf, aber die besten Action-Szenen, die sehr gut choreographiert sind und mit absoluter Brutalität glänzen, gehen auf die Habens-Seite von Scott Adkins und dem eher unbekannten Andrei Arlovski (der schon im dritten Teil ordentlich austeilte). Wunderbar ist natürlich die Heilung vom am Krückstock gehenden Adkins zum plötzlich mutierten Superfighter.
Dass unser alten zwei Haudegen nicht viel Screentime bekommen, war mir irgendwie schon im Vorfeld bewusst, doch hatte ich die Hoffnung, dass nach "Expendables 2" beide ein wenig mehr zeigen. Okay, haben sie nicht, Van Damme findet praktisch nicht statt und Lundgren darf so viel mit seiner gegelten Schwuchtel-Frisur wie in Teil Drei zeigen. Dies soll jedoch nicht mit in die Wertung fließen. Was mich jedoch auch im Vorfeld stutzig machte, sind die Bilder, die ich gesehen habe: Van Damme mit Glatze? Was soll denn das? Ganz ehrlich: Da kommt sein richtig dicker Zinken erst richtig zum Vorschein und wenn ich Parallelen zu anderen Stars ziehen will: Wann hat Bruce Willis (der ja für seine erblich bedingte Glatze nix kann) den letzten Megahit abgedreht?
Das, was mich richtig wütend machte, war eben die Tatsache, dass wir es hier nicht mehr mit Universal Soldiers zu tun haben, wie wir sie kennen, sondern mit einer Sekte, die versucht alles was einen Bizeps von minimum 45 cm mit einer (ich hab mir es extra notiert) "Bewusstseinskontrolltechnik" gefügig zu machen. Wahnsinn, ich zweifel die ganze Zeit die Ideen von Great Hollywood an, und dann kommen sie mit so einem Hammer.
Also, Adkins ist auf der Suche nach der Vergangenheit, Andrei Arlovski schnippelt sich durch Menschen und UniSols (?), und zwischendurch darf man wahrscheinlich den größten Epilepsie-Anfall der Filmgeschichte begutachten. Das gebe ich gerne zu: Also ich bekam noch nie so einen Anfall von Schaum vor´m Mund wie bei "Universal Soldier 4", schon alleine diese beiden Szenen (wogegen Disko-Blitzer wie Nachttischlampen wirken) sind das Ansehen schon wert. Mir fällt nicht mal ansatzweise ein Film ein, bei dem ich wirklich die Augen vom Fernsehen wegdrehen musste, um nicht zu sterben.
Nach sechszig Minuten ergibt die wirre Story ein klein wenig Sinn, geizt danach mal überhaupt nicht mit richtig fetten und brutalen Action-Szenen und mehrmaligen Wendungen/Überraschungen, aber das rettet dieses Machwerk gerade so vor dem Totalausfall.
Ich bin ganz ehrlich, würde, dieser Film nicht im Namen von "Unviersal Soldier" laufen, bekäme er trotz wirrer Story mehr Points. Aber so ist das einfach nur eine Frechheit.
Also, was man mit Teil Zwei versuchte, nämlich die Uni Sols ins Lächerliche zu ziehen, macht man hier genau umgekehrt. Düsterer geht es wohl kaum. Die Action- und Fight-Szenen sind allererste Sahne, doch nützt das alles nix, wenn die beiden Story-Schreiber vorher fett am LSD-Kaugummi gelutscht haben, für uns eine Geschichte zu erzählen, die mehr als irre ist.
Andrei Arlovski als böser Klempner stiehlt allen die Show, Scott Adkins gibt das beste in der Hauptrolle, und die beiden Opis (Van Damme, Lundgren, deren Anwesenheit nicht mit in die Wertung fließen) finden praktisch nicht statt.
Vor einem Totalabsturz rettet "Universal Soldier - Day of Reckoning" lediglich die extrem brutale und gut choreographierte Action, die im Schlussdrittel deutlich mehr Anteil hat, und eben die nicht vorhersehbaren Wendungen, die allerdings mehr Käse sind (allerdings nur wegen der Haupthandlung), wie ich zwischen den Zehen habe. Zu der "Kiregsbemalung" die Jean-Claude im Endfight hat, hülle ich den Mantel des Schweigens drüber.
Ich lasse meine Erwartungshaltungen zurück, und so bekommt dieser Käse noch 3/10 Punkten. Tut mir leid, "US4" ist für mich persönlich eine der absoluten Enttäuschungen des Jahres 2012.
3/10