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Als Roland Emmerich 1992 die beiden Haudegen van Damme und Lundgren auf die große Leinwand brachte, dachte wohl kaum jemand an eine Fortsetzung. Doch genau zwanzig Jahre später sind diese beiden Muskelmänner in der Reihe wieder vereint, wenn auch nur mit jeweiligen Kurzauftritten, denn in dem mittlerweile sechsten Teil von „Universal Soldier“ erhielt Scott Adkins die Hauptrolle und schlägt sich damit recht wacker.

Adkins verkörpert John, der eines Nachts drei maskierte Eindringlinge in seiner Wohnung entdeckt. Sie erschießen Frau und Tochter, er selbst wird für neun Monate ins Koma geprügelt. Danach will er alles über den Drahtzieher Deveraux (van Damme) herausfinden, während Andrew (Lundgren) bereits eine Revolution unter den UniSol angezettelt hat.
Schon bald weiß John nicht mehr, ob er überhaupt den eigenen Erinnerungen trauen kann…

Regisseur John Hyams versucht dem Stoff von Beginn an eine eigene Handschrift zu verpassen, was überraschenderweise gut gelingt. Als John von den Eindringlingen niedergeschlagen wird, übernimmt die Kamera für einige Momente dessen Egosicht, am Boden liegend und aus entsprechendem Winkel beobachtend, wie er nichts gegen die Maskierten ausrichten kann.
Dieser düster-pessimistischen, zum Ende hin fast rauschartigen Atmosphäre bleibt Hyams latent treu und unterstreicht damit die trostlose Sicht der Hauptfigur recht gekonnt.

Leider ist die Story recht dünn und für Quereinsteiger phasenweise eher unverständlich, denn es geht um Soldatensklaven der Regierung, um Bewusstseinskontrolltechnik und die entsprechenden Hintermänner und um gentechnische Weiterentwicklungen auf dem Gebiet der emotional agierenden Kampfmaschinen.
Die Figurenzeichnungen, primär deren Hintergründe und Konstellationen fallen allerdings völlig unzulänglich aus, denn man weiß nicht, in welchem Verhältnis John zu Sarah steht, welche er kurze Zeit nach seiner Genesung aufsucht, was den bärtigen Magnus dazu antreibt, ständig auf John loszuwüten und welche Rolle die Revolutionäre spielen.
Ohne entsprechendes Vorwissen dürften bei alledem einige Fragen auftauchen.

Was allerdings im Vordergrund steht und phasenweise so richtig Laune macht, ist die knallharte Action mit einigen Fights und Schießereien, was teilweise schon zur kleinen Splatterorgie übergeht. Da gibt es diverse Kopfschüsse, zahlreiche blutige Einschüsse, Finger ab, Fußspitze ab, Schädeldecke ab und so manche tiefe Fleischwunde im Duell mit einer Machete. Zudem macht eine Hatz mit zwei größeren Fahrzeugen, einschließlich Schusswechsel und Rammmanöver ordentlich was her, während die Fights im letzten Drittel immer kompromissloser ausfallen und Adkins nach einiger Zurückhaltung ordentlich aufdreht.

Dabei bleibt Hyams seiner pessimistischen Linie treu und serviert uns zum Finale so etwas wie „Apocalypse Now“ auf Martial Arts, mit einem van Damme als eine Mischung aus Marlon Brando und bemaltem Voodoo-Priester, einem Score wie in Trance und einer stets großartig positionierten Kamera, deren Bilder in Zeitlupe erst richtig zur Geltung kommen.

Schade nur, dass die schwach ausgearbeitete Story und die flachen Charaktere nie so recht zum Mitfiebern einladen, denn so bleibt eine durchaus überzeugende Atmosphäre, eine sehr sauber ausgeführte Choreographie und ein paar ungewöhnlich derbe Einlagen, die leider einem eher mäanderndem Inhalt gegenüberstehen.
Actionfreunde und Fans der Serie sollten dennoch einen Blick riskieren, - es lohnt sich allein der Kämpfe wegen.
6,5 von 10

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