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Trotz personeller Kontinuitäten waren die „Universal Soldier“-Filme stets weitestgehend unabhängig voneinander, erweiterten und änderten den Mythos noch Gutdünken, weshalb John Hyams seinen „Universal Soldier: Regeneration“ nicht einfach fortsetzte, sondern einen neuen Ansatz für den Stoff suchte.
So ist der Anfang in mehrerlei Hinsicht ein Schock. Nicht nur, dass John (Scott Adkins) bei der Durchsuchung der eigenen vier Wände (die Tochter meint es wären Monster im Haus) tatsächlich Angreifer trifft. Nicht nur, dass diese seine Frau und seine Tochter vor seinen Augen ermorden. Nicht nur, dass man dies in einer Plansequenz aus den Augen des Familienvaters wahrnimmt. Luc Deveraux (Jean-Claude van Damme), der Held der bisherigen „Universal Soldier“-Filme, entpuppt sich als Anführer der Mordbuben.
Als John im Krankenhaus erwacht, sucht ihn Agent Gorman (Rus Blackwell) auf und klärt ihn auf, dass diverse UniSols mittlerweile als eine Art Rebellentruppe leben, angeführt von Deveraux. Der schickt seine Gefolgsleute aus, darunter auch sein früherer Rivale Andrew Scott (Dolph Lundgren), die andere, in Regierungsdiensten stehende UniSols von der Gedankenkontrolle ihrer Erschaffer befreien. In diesen Szenen merkt den arthousigen Touch des Films, wenn unter Einsatz von wummernder Musik, Bildaufhellung und Stroboskoplicht der Eingriff Deverauxs in das Nervensystem seiner Artverwandten regelrecht spürbar gemacht wird.

John denkt derweil nur an Rache und geht Hinweisen nach, die ihn näher an Deveraux und seine Gefolgsleute bringen sollen, die anscheinend Größeres planen. Doch das Ganze wird zu einer Reise in seelische Abgründe…
Ganz klar: Das ist hier ist nicht der übliche 08/15-Klopper für die DVD-Regale, die Ambitionen von John Hyams und seinem Team liegen hoch, denn die Anlehnungen an „Blade Runner“ (gut-böse Kunstmenschen, die einfach nur leben wollen) sowie „Apocalypse Now“ (Deveraux als scheinbar dem Wahnsinn verfallener Veteran, der von seinen Anhängern als Quasi-Messias gefeiert wird und auch noch optisch sehr an Colonel Kurtz erinnert) sind klar zu erkennen. Leider scheitert der Film hin und wieder an seinen hochtrabenden Ansprüchen und Einiges erscheint konfus, zumal ja jedes UniSol-Sequel die Mythologie der Vorgänger über Bord schmeißt oder deutlich verändert (aus den belebten Toten wurden irgendwann Klone usw.). Auch die eine oder andere Länge ist zu erkennen, nicht zuletzt, da man anhand der präsenten Vorbilder schon erahnen kann, wohin die Reise wohl gehen wird.
In der zweiten Hälfte aber legt „Universal Soldier: Day of Reckoning“ mit mordsmäßig harter Action los. Eine Autojagd, deren Schnittrhythmus im Sekunden- statt im Millisekundenbereich liegt, ausgesprochen harte und schnieke choreographierte Kampfszenen mit Schusswaffen, Schlag- und Schneideinstrumenten und natürlich bloßen Händen, wobei John (analog zu Deveraux im Vorgänger) einen Großteil seiner Gegner in einer längeren Plansequenz beseitigt. Das finale Duell könnte zwar etwas länger sein, doch Hyams bedient den Genrefan hier durch und durch, verzichtet nicht auf Actionschauwerte zugunsten seiner höheren Ansprüche, sondern versucht eben die Synthese aus B-Reißer und höheren Ambitionen.

Was „Universal Soldier: Day of Reckoning“ dabei zugutekommt, ist die Tatsache, dass Hyams kein großer Geschichtenerzähler sein mag, aber ein extrem visuell denkender Regisseur ist. Trotz des schmalen Budgets sind seine Bilder durch und durch kinotauglich, während der Film eine nihilistisch-raue Atmosphäre besitzt, die das inhaltliche Projekt Hyams‘ unterstützt: Nichts ist mehr sicher. Der Held der Vorgänger ist nun der Schurke, vor Frauen und Kindern macht die Gewalt in dieser düsteren Vision nicht halt und auch der Held wird das eine oder andere Detail über sich erfahren, das ihm nicht schmeckt. Denn die Horrorelemente des Films beziehen sich nicht nur auf das Grauen vor den Anderen, den Monstern, sondern auch das Grauen vor dem, zum dem selbst fähig ist.
Mit Scott Adkins hat Hyams dann auch eine passende Besetzung für die Hauptrolle gefunden. Jemanden, dem man sowohl den harten Fighter als auch den liebenden Familienvater abnimmt, der die sprichtwörtliche Reise ins Herz der Finsternis überzeugend darzustellen weiß. Jean-Claude van Damme hat nur wenige Auftritte, liefert aber eine brauchbare Interpretation des Kult- und Revolutionsanführers ab, während Dolph Lundgren als lakonischer, aber begeisterungsfähiger Handlanger mit Charisma überzeugt. Rus Blackwell setzt Akzente in seiner Nebenrolle, dem bulligen Klotz Andrei Arlovski gibt Hyams schlauerweise außerhalb der Action wenig zu tun und in einer Nebenrolle mischt auch noch van Dammes Sohn Kristopher Van Varenberg mit.

Die Ambitionen von „Universal Soldier: Day of Reckoning“ sind nicht ohne und Hyams‘ Sequel ist erfreulicherweise nicht nur gut gemeint, sondern auch tatsächlich durchaus eindrucksvoll, trotz einiger Mängel (Längen, Ungereimtheiten, katastrophale Frauenrollen) ein wirklich sehenswerter B-Actionfilm, der nicht nur gängige Formeln bedient.

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