Review

Kontemporärer Trash – THE ASYLUM (15)

AMERICAN WARSHIPS

(AMERICAN BATTLESHIP)

Thunder Levin, USA 2012

Vorsicht – dieses Review enthält SPOILER!


Dies ist eine inzwischen schon etwas ältere Produktion der kalifornischen Vorzeige-Schundbude „The Asylum“, die sich mit ihr ein weiteres Mal ihrem wichtigsten Lebensinhalt widmet: American Warships (im Original ursprünglich American Battleship) ist ein Mockbuster, und zwar zu Peter Bergs enthirnter 209-Millionen-Dollar-Navy-Verherrlichung (und „Schiffe versenken“-Verfilmung!) Battleship. Deren Produktionsgesellschaft Universal Pictures zeigte sich mit Blick auf die unverschämte „Konkurrenz“ durch einen Billignachbau übrigens ziemlich humorlos und zog in dieser Sache vor Gericht – mit dem Ergebnis, dass David Michael Latt und seine Asylum-Mitstreiter ihre Arbeit von American Battleship in American Warships umbenennen mussten. Ich denke, damit ließ sich bei den Trittbrettfahrern im Hause Asylum leben, zumal ihr Film allen Klagen zum Trotz kurz nach der Premiere seiner großen „Vorlage“ von Syfy im amerikanischen TV ausgestrahlt werden konnte.

Wir befinden uns auf dem US-amerikanischen Kriegsschiff „USS Iowa“, das in seinen wohlverdienten Ruhestand treten und in Zukunft als Museumsschiff dienen soll. Dazu will man es vom südkoreanischen Incheon nach Kalifornien überführen – eine geruhsame „Erholungsfahrt“, meinen Kapitän Winston und seine Besatzung. Von wegen: Mitten im Pazifik wird das Schiff (wie vorher auch schon andere) von irgendjemandem mit EMP-Waffen angegriffen, sodass die gesamte Elektronik ausfällt. Zum Glück ist die USS Iowa so alt, dass sie noch über genügend Equipment verfügt, das ohne integrierte Schaltkreise auskommt und daher auch in der gegenwärtigen Situation verwendet werden kann – wie zum Beispiel ein Bordtelefon. Für noch mehr Glück sorgt die Wissenschaftlerin vom Dienst (hier ungewöhnlicherweise eine Museologin, die das Schiff auf seine zukünftige Bestimmung vorbereiten sollte): Sie kann aus einem alten Röhrenradio ein Funkgerät basteln und prähistorische Videorecorder bedienen. Und nahezu perfekt wird das Glück durch die 5-Inch-Kanonen der USS Iowa, aus denen der Kapitän ohne Rücksicht auf eventuelle höhere Befehle oder die Sorge um eine Eskalation des Geschehens unentwegt den Pazifik beschießen lässt – der Feind befindet sich nämlich offenkundig auf einem Seefahrzeug, das sich unsichtbar machen kann und dies in der Regel auch tut.

Derweil droht tatsächlich eine folgenschwere Eskalation, denn die amerikanische Regierung macht Nordkorea (und China gleich mit) für die heimtückischen Angriffe verantwortlich und plant auch schon den „Gegenschlag“ (oder richtig gesagt: den atomaren Erstschlag). Um solcherlei und andere Pläne kümmert sich Kapitän Winston derweil herzlich wenig und macht weiter sein Ding. Als die 5-Inch-Kanonen einmal kurz abkühlen müssen, entdeckt man auf dem Meer eine Welle ohne zuordenbares Schiff, was die Vermutung nahelegt, dass dort die unbekannten Feinde herumschwimmen. Daher wird sofort ein Gruppe von Navy Seals mit einem Schlauchboot (!!) losgeschickt, die auch in der Tat das inzwischen nicht mehr gänzlich unsichtbare Gefährt des Gegners erreichen und wie auch immer in dasselbe eindringen (die CGI-Effekte sind dermaßen schlecht, dass man mit den Bildern kaum etwas anfangen kann). Dort aber befinden sie sich nicht etwa in einer Hightech-Umgebung, sondern in einer dreckigen Styropor- oder Pappmaché-Höhle (!) und müssen feststellen, dass es sich bei ihren Widersachern um Aliens handelt! Die kommen dann auch gleich um die Ecke und schießen ohne Warnung los. Im folgenden Feuergefecht lassen neben einem Rudel Aliens auch sämtliche Navy Seals ihr Leben, machen vorher aber noch ein paar Fotos und sprengen auch irgendetwas, möglicherweise sogar das ganze Schiff, in die Luft (wie gesagt, die Bilder sind keine große Hilfe, und hektisch ist es zudem).

Mit einer der im Wasser treibenden Leichen gelangen aber zumindest die Fotos noch in die Hände unserer Helden auf der USS Iowa, die nun wissen, mit wem sie es zu tun haben. An ihrem stupiden Vorgehen ändert dieses Wissen jedoch rein gar nichts: Der Kapitän lässt lediglich die 5-Inch-Kanonen ruhen und beschießt den Pazifik von nun an mit den eilig in ihren Dienstzustand zurückversetzten 20-Inch-Kanonen seines Schiffs, für welche die Museologin in irgendeiner dunklen Ecke die geeignete Munition gefunden hat (scheinbar wusste vom Kapitän bis zum Koch niemand über die Bewaffnung des eigenen Schiffs Bescheid).

Daneben wird noch eine zweite Gruppe von Navy Seals auf das (also doch noch vorhandene) Feindesschiff geschickt, deren Aktivitäten sich ähnlich unübersichtlich gestalten wie die ihrer dahingeschiedenen Vorgänger. Weiter geht‘s schließlich mit dem üblichen Gedöns – die Regierung schickt Flieger mit Atomwaffen los, um Nordkorea zu bombardieren, der Dritte Weltkrieg droht, die Zeit läuft weg, die Helden schießen und schießen, und wenn sie nicht gestorben und die Granaten nicht aufgebraucht sind, dann schießen sie auch heute noch ...

Nein, sie schießen nicht mehr. Und gestorben sind sie auch nicht – jedenfalls nicht diejenigen in den höheren Diensträngen oder mit kulturellen Aufträgen (wobei unsere Museologin in der abschließenden „1 Jahr später“-Szene allerdings mit einer Krücke unterwegs ist und eine große Narbe im Gesicht hat – wir wünschen ihr eine schnelle und möglichst umfassende Genesung).

Machen wir uns nichts vor: American Warships ist ein strunzdummer Film, aber, um das gleich einmal ganz deutlich zu sagen, auch nicht viel (oder überhaupt nicht – Details bleiben jetzt allerdings außen vor) strunzdümmer als das große, zweihundert Mal kostspieligere Blockbuster-Original. Als Zuschauer steht man nun vor dem Problem, sowohl mit der außergewöhnlich stumpfsinnigen Handlung als auch mit der hier ebenfalls allgegenwärtigen Huldigung des Militärhandwerks und dem damit verbundenen Pathos klarzukommen. Nur allzu gern möchte man das martialische Gesülze, das man quasi unentwegt zu hören bekommt, als Parodie oder Satire interpretieren, aber leider gibt es doch bedenklich wenig Anhaltspunkte dafür, dass eine derartige Intention vorliegt. Wohl dem, der darin wenigstens eine Quelle unfreiwilligen Humors entdecken kann. Womit wir schon beim Thema wären: Grundsätzlich besitzt der weitgehend ernst, aber immerhin nicht bleiern angelegte Streifen aufgrund seines eintönigen und mehr oder weniger auf einen einzigen Schauplatz begrenzten Treibens kein allzu hohes Trash-Potenzial – aber da gibt es ja noch die Effektzauberer an den Asylum-Rechnern, und was die hier an haarsträubenden Bildern hingelegt haben, reißt einen mehrfach auch aus der tiefsten Lethargie und beschert American Warships eine Reihe wirklich denkwürdiger Momente. Wie eigentlich immer bei Asylum-Arbeiten stimmt zudem auch das Tempo – ein gnadenloser Schnitt (die Leute dürfen gerade so ausreden, bevor die nächste Einstellung kommt) und nicht zuletzt der (allerdings üble) Score treiben das Geschehen permanent an. Für Trash-Freunde ist Thunder Levins Battleship-Imitat also keine schlechte Adresse.

Der Blick auf die Optik zeigt ein ambivalentes Bild. Grundsätzlich kommt American Warships in sauberer TV-Qualität daher, und selbst das großzügig eingesetzte Stock-Footage-Material von irgendwelchen Kriegsschiffen fällt diesbezüglich kaum aus dem Rahmen. Dramatisch wird es jedoch wie schon angekündigt bei den Trickeffekten (und das, obwohl der Film mit einem kolportierten Budget von einer Million Dollar für Asylum-Verhältnisse geradezu sündhaft teuer war). Diverse Explosionen sehen dabei so schlecht aus wie immer, die Aliens sind sogar vergleichsweise akzeptabel, und dass uns grob geschätzt zweiundvierzig Mal die gleichen Schüsse aus den 5-Inch-Kanonen samt der Einschläge ihrer Granaten im Meer aufgetischt werden, soll geschenkt sein. Wirklich unfassbar sind aber die (sogar sehr ausführlichen) Sequenzen, in denen die Navy Seals auf dem „feindlichen Schiff“ durchs „Meer“ gleiten – als jahrzehntelanger Trash-Enthusiast habe ich, was schlechte Tricks angeht, wirklich schon sehr, sehr viel gesehen, aber was unsere kalifornischen Schundproduzenten hier im Studio zusammengefriemelt haben, hat mir echt die Sprache verschlagen. Ich will gar nicht erst versuchen, das zu beschreiben.

Unter den Darstellern finden sich mit Mario Van Peebles und Carl Weathers sogar zwei bekannte Leute (die vermutlich schon größere Teile der genannten Million verschlungen haben), was aber zu nichts wirklich Erbaulichem führt: Ersterer ist als eigensinniger und heldenhafter Kapitän eher unangenehm und Letzterer sitzt nur am Konferenztisch herum, hört sich Meldungen an und macht ein besorgtes Gesicht. Weitaus besser hat mir die zwar nicht gerade talentierte, aber wenigstens irgendwie drollige Nikki McCauley als technisch begabte Museologin Dr. Julia Flynn gefallen (ich vergaß, sie vorzustellen ...), und auch mit Johanna Watts als Nachrichtenoffizier (und heimliche Verlobte des Kapitäns) kann man ganz gut leben. Mit dem Score, für den hier Chris Ridenhour wieder einmal im Alleingang verantwortlich ist, kann man derweil nur mit großer Willensanstrengung leben – er lässt nicht eine einzige Sekunde lang davon ab, dem Betrachter mit seinen hochgradig pathetischen und martialischen Klängen, die gefühlt als Dauerschleife aus einem dreißigsekündigem Stück eingerichtet sind, an den Nerven zu zerren.

Was bleibt, ist die mit Außerirdischen garnierte Asylum-Verfilmung des Spiels „Schiffe versenken“ – damit ist zumindest unter Fachleuten und Mitbürgern, die mit dem Namen von David Michael Latts Schundschmiede etwas anfangen können, auch schon genug gesagt, während alle anderen noch einmal vor diesem stumpfsinnigen, pathetischen und martialischen Marine-Mumpitz gewarnt werden sollen.

Wenn man diesem Mumpitz indes als Freund des unterklassigen Filmschaffens entgegentritt, gerät zumindest das Bezugssystem ins Wanken: Ich für meinen Teil hatte mit American Warships deutlich mehr Freude als mit dem unsympathischen und inhaltlich genauso dämlichen „Original“ von Peter Berg. Ungeachtet dessen, sprich isoliert betrachtet ist Thunder Levins Arbeit zwar selbst für Trash-Liebhaber noch immer eine ziemlich öde Angelegenheit, aber sie bringt doch wenigstens ein paar denkwürdig desaströse Trickeffekte mit. Davon kann Hollywood nur träumen.

(11/20)

Objektiv 3 von 10 Punkten.





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