Review

Bevor El Gringo (Scott Adkins) mit einer Tasche voller Geld die mexikanische Grenze überquert, jagt er sein Auto in die Luft. Sein Ziel ist Acapulco, doch per pedes unterwegs bleibt er in dem kleinen Dörfchen El Frontera hängen, ein Ort, in dem der korrupte Sheriff (Erando Gonzáles) und Gang-Anführer El Jefe (George Karlukovski) das Sagen haben. Schnell bemerken die Schurken, dass Gringo´s Tascheninhalt sehr wertvoll ist und machen Jagd auf ihn. Doch dieser ist nicht so leicht zu überrumpeln - denn El Gringo kann nicht nur mit Waffen umgehen, sondern ist auch ein ausgezeichneter Asskicker...

Yeah, el loco tres puntos.
 Endlich mal wieder ein Film, der im Land der Sombreros und blauen Bohnen spielt und Vorurteile über Vetternwirtschaft und Drogengeschäfte verherrlicht. Wer also Sehnsucht nach einem vergleichbaren Film wie "Desperado" hat, kann bei "El Gringo" nicht viel falsch machen. Das typisch mexikanische Gangster-Flair liegt allgegenwärtig in der Luft und wird von der ersten bis zur letzten Minute mit einem passendem Score untermalt.
Adkins spielt mal wieder die Ein-Mann-Armee, der im Film einen Leichenberg im dreistelligen Bereich hinterlässt - und genau dort liegt die Stärke des Films.
Viele blutige Shoot Outs (die, soweit ich das verfolgen konnte, alle auf die guten alten Blutbeutel setzt - nix mit CGI-Schrott) und auch einige Marterial Arts-Einlagen darf man begutachten.

" El Gringo" ist ein guter Actionfilm geworden, leider versauen einige Punkte dem Streifen eine höhere Bewertung.  Die 100 Minuten Laufzeit kommt nicht ohne gelegentliche Durchhänger aus, was den Spaß etwas ausbremst. Doch das größte Manko ist der eigentliche Plot. Anfangs geht die Story noch in Ordnung, verkaspert sich jedoch im weiteren Verlauf zu sehr in eine Kater-Stimmung mit seinen Rück- und Seitenblenden. Auch das mexikanische Kanonenfutter trägt viel dazu bei, da die Charaktere sehr unglaubwürdig handeln, wenn sie überhaupt mal handeln. Denn eigentlich sind sie auch nur am Schießen und Sterben.
Einen weiteren Anteil hat der Nebenstrang, in dem Christian Slater als Lt. West die Spur von El Gringo verfolgt und nach und nach rauskommt, wer der Supermann mit der schwarzen Tasche eigentlich ist. Dass Adkins´ Rolle dadurch einen Background bekommt ist nicht weiter schlimm, nur hätte man sich diesen Nebenplot komplett sparen können, da 1. Slater bis auf ein, zwei Stellen blass wirkt und 2. Richtig! Der Strang auch die coole Action ausbremst und gar nichts in Sachen Shoot Outs oder Overacting beiträgt.
Außerdem liegt der Fokus im letzten Schlussdrittel zu sehr bei der Slater Adkins-Geschichte, anstatt da weiterzumachen, was den Film so unterhaltsam macht: Die Gefechte der Gringos.
Somit muss ich leider zugeben, dass der Höhepunkt der Schießereien schon nach einer guten Stunde erreicht ist und der Film danach  in dieser Hinsicht extrem am Krückstock geht.

Mir persönlich haben zu dem das gewisse Augenzwinkern und die "Wow!"-Momente gefehlt. Adkins hätte man ruhig ein paar Oneliner mehr mit auf den Weg geben können.
 Dann hat man echt die große Chance verpasst, zwei alten Größen hier einen Kurzauftritt zu spendieren: Cheech Marin als Barmann und vorallem Danny Trejo (der momentan ja sowieso  ziemlich jeden miesen B-Film annimmt) als Bösewicht mit seiner tätowierten Chinita hätten diesem Film unheimlich gut getan. Sag mir bitte keiner, dass die beiden das Budget gesprengt hätten.

Wie schon in "Universal Soldier - Day of Reckoning" (bei dem die Story auch echt mies war und mich rein nur die brutale, gut choreographierte Action unterhielt) zeigt Adkins, was er mit seinem gestählten Körper drauf hat. Und deswegen meine Bitte: Steckt den Mann in ein gescheites Drehbuch und in einen Film mit mehr Budget. Adkins hat das Potential, in die Fußstapfen der ganz Großen der 80er zu treten. Zumindest sehe ich ihn auf einer Augenhöhe mit Jason Statham, der im Gegensatz zum guten Scott den besseren Riecher hat, was gute Filmrollen angeht.


"El Gringo" ist unterhaltsam wie die Sau, ein No-Brainer vor dem Herrn. So muss blutige Action heute aussehen. Der Film kämpft lediglich gegen sein eigenes Drehbuch und einige Durchhänger, die das Vergnügen dann etwas trüben. Aber als kleiner Bruder von "Desperado" kann ich diesen Männerfilm durchwinken.

6,5/10

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